Mephisto Modena – Die kleine Kampfsau gibt nicht auf!

Der Mephisto Modena gehört zu den Snacks, welche ich mir zwischendurch gönne. Mit knapp 2000 ELO ist er ein angenehmer Gegner, dessen Spielweise schon recht listig ist. An einem Abend im Schachcenter war es dann wieder soweit. Ich schaute mir die Schuhmann-Doku Schumanns Bargespräche an und spielte nebenbei eine 15 Min Schnellschachpartie gegen den Mephisto Modena.

Benny vs. Mephisto Modena

Mit den weißen Steinen spielte ich gegen das Französisch des Schachcomputers und wählte einmal mehr meine Nimzowitsch-Bauernopfervariante. Da muss ich wenigstens keine Zeit in die Planfindung investieren. Einfach runterspielen und gut ist. Hier habe ich allerdings nicht mit der Hartnäckigkeit des Modena gerechnet. Immer wieder setze er mich unter Druck. Meine Gewinnabsichten konterte der Modena immer wieder geschickt aus und mit 2 Bauern weniger wickelte ich in folgendes Endspiel mit ungleichen Läufern ab:

Mephisto Modena Remis Stellung

ich denke es ist relativ einfach zu sehen, dass ich mit Weiß nun einfach meinen Läufer auf der h3-f8-Diagonale hin und her bewegen muss und das Remis sicher habe. Einfach ausschalten kommt für einen ambitionierten Schachspieler natürlich nicht in Frage. Ich möchte im Display das Remis sehen. Entweder durch dreifache Stellungswiederholung, oder durch die 50 Züge Remis-Regel. Mit gerade mal 2 Minuten auf der Uhr hatte der Modena mit stolzen 6 Minuten einen deutlichen Zeitvorteil. Da ich aber über meine nächsten Züge keine Gedanken verlieren musste, antwortete ich immer a tempo.

Der Modena will kein Remis! Während ich meinen Läufer immer auf den Feldern c5 und b4 hin und her bewegte, versuchte der Modena jeder Stellungswiederholung aus dem Weg zu gehen. Er zog seinen Läufer auf alle möglichen Felder und immer dann, wenn die dreifache Stellungswiederholung so gut wie unausweichlich wurde, schob er seinen König auf ein anderes Feld. Genau einen Zug vor der 50 Züge-Regel schob der Silizium-Knecht dann tatsächlich seine Bauern am Königsflügel nach vorne. „AUA“! Der 50-Züge Zähler stand also wieder bei Null. Die Kiste wollte mich tatsächlich über die Zeit heben!

Es kam schließlich zu folgender Stellung:

Benny vs. Mephisto Modena Remis!

Jetzt sollte selbst der Modena ein Einsehen haben und der 50 Züge-Regel nicht mehr ausweichen können. Mittlerweile hatten sowohl der Modena, als auch ich, nur noch knapp eine Minute auf der Uhr. Wild wurden die Läufer von beiden Seiten auf dem Brett herumgezogen. „Du ziehst mich nicht über die Zeit!“ dachte ich mir. Plötzlich geschah dann etwas komplett Unerwartetes. Wir waren bereits bei Zug Nummer 240 in der Partie angekommen und der Modena war am Zug. Es passierte aber nichts. Die Kiste ließ einfach die Zeit herunterlaufen.

Offenbar war der Zugspeicher vom Modena voll 😀

Eins zu Null für mich 😛

Diese Partie ist ein gutes Beispiel dafür, dass jeder Brettschachcomputer seinen eigenen „Charakter“ hat. Der Modena weicht mit allen Mitteln einer Zugwiederholung aus und selbst auf ein Remis gemäß der 50 Züge-Regel hat die Kiste keinen Bock.

Solche Zeit-Rennen kennt man normal nur von menschlichen Spielern, welche einen über die Zeit heben wollen. Gegen die alten Brettschachcomputer macht das Spielen einfach Spaß. Genau diesen Spaß können mir Stockfish & Co nicht bieten und genau das ist das Geheimnis, warum Brettschachcomputer auch heute noch so beliebt sind. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Millennium The King – ChessGenius Exclusive Modul

Mit dem King Modul für den ChessGenius Exclusive Schachcomputer plant die Firma Millennium 2000 in den nächsten Monaten eine zusätzliche Erweiterung auf den Markt zu bringen. Als Programm soll die in Schachkreisen bekannte King-Engine von Johan de Koning den Anwender mit ihren Schachzügen begeistern. Relativ bekannt wurde dieses Programm durch die Chessmaster-Serie vor allem bei Hobbyspielern im nordamerikanischen Raum.

King Modul Millennium ChessGenius Exclusive

Im Bereich der Brettschachcomputer findet man The King bei den mittlerweile recht seltenen Geräten TASC 30, TASC 40, Mephisto Montreux und dem Saitek 2500. Erwähnen möchte ich auch den Revelation II, bei welchem diese Brettschachcomputer allesamt als Emulation vorliegen. Der wagemutige Spielstil macht dieses Programm zu einem interessanten Gegner für Vereins- und Hobbyspieler. Ich selbst spiele recht häufig Trainingspartien an einem TASC 30 gegen das Programm und kann sagen, dass The King in jeder Partie auf Ärger gebürstet ist. In der Pressemitteilung beschreibt die Firma Millennium 2000 diese Engine wie folgt:

The King spielt häufig aktiv und dynamisch auf Raumgewinn, drängt den Gegner
zurück und gefällt durch sein taktisch geprägtes Angriffsspiel, wodurch es auch für sehr
starke menschliche Gegner schwierig zu schlagen ist.

Obwohl Schachprogramme gerade im Bezug auf Taktik recht stark sein sollen, wird beim The King allerdings genau dieser Spielcharakter zu seinem Verhängnis. So „übersieht“ die Engine regelmäßig die taktischen Chancen seiner Gegner und findet sich anschließend auf verlorenem Posten. Eine schlechte Stellung zu verteidigen macht dem Programm sehr wenig Spaß und so hat man oft das Gefühl, dass sich The King sehr schnell seinem Schicksal ergibt und wenig Gegenwehr leistet. Aber gerade dieser anfängliche Übereifer macht dieses Programm so interessant. Es bietet aufmerksamen Schachspielern, welche sich nicht einschüchtern lassen, gute Möglichkeiten zum Kontern.

King Modul Millennium ChessGenius Exclusive

In der Pressemitteilung nimmt Millennium 2000 auch Bezug auf die beim ChessGenius Exclusive mitgelieferte Engine ChessGenius von Richard lang mit folgenden Worten:

Das Programm ChessGenius überzeugt durch sein exzellentes strategisches Positionsspiel,
es nutzt gegnerische Fehler gnadenlos aus und gilt als besonders stark im Endspiel.

Dieser Aussage kann ich absolut nicht zustimmen. Nach Hunderten von gespielten Partien gegen so ziemlich jedes Lang-Programm und auch gegen die Version im ChessGenius Exclusive kann ich sagen, dass das sogenannte Positionsspiel des ChessGenius aus vielen ratlosen Zügen besteht. Der Autor der Pressemitteilung macht es sich bei der Beschreibung des Spielstils schon ziemlich einfach. Nur weil ChessGenius nicht so aggressiv wie andere Engines agiert, bedeutet das nicht automatisch, dass der Spielstil als positionell bezeichnet werden kann. Vielmehr ist es so, dass der ChessGenius sich in vielen Phasen der Partie in Lauerstellung befindet und einfach nur Abwartezüge ausführt. Auch werden ohne Abschluss der Eröffnung sehr oft bereits entwickelte Figuren nochmals gezogen. Sehr ökonomisch geht ChessGenius mit Tempi definitiv nicht um. Wie schlecht es um das Positionsspiel des ChessGenius gestellt ist, kann man auf folgender Seite nachlesen:

Match: IM Roman Vidoniak vs. ChessGenius Exclusive

Auch im Endspiel ist der ChessGenius nicht gerade die Sahne auf der Torte. Zwar wurde bei der Programmierung gerade im Bezug auf Bauernstrukturen viel Wissen in die Engine eingepflegt, jedoch übersteigen recht viele elementare Endspiele den Horizont dieser Engine. Hier macht The King auf jeden Fall einen besseren Eindruck, obwohl sich auch diese Engine hier und da mal verzettelt.

Womit wir auch schon zur nächsten Aussage in der Pressemitteilung von Millennium über The King kommen:

Nach Ansicht von Insidern könnte es möglich sein, dass hier der erste „klassische“
Schachcomputer ein Großmeister-Niveau von ≤ 2500 Elo erreichen wird

Bei diesen Insidern handelt es sich fast ausschließlich um normale Schachspieler und Schachcomputer-Sammler, welche auf Nachfrage mitgeteilt haben, nie diese Aussage getroffen zu haben. Das Millennium 2000 mit solchen erfundenen Aussagen ein Produkt bewirbt, ist schon ziemlich befremdlich. Um eine Aussage über die Spielstärke des Programms treffen zu können, lassen diese „Insider“ das Programm gegen andere Engines antreten. Wie sehr diese Art der Ermittlung der Spielstärke zum Glücksspiel wird, zeigt sich an den von den Engines aus dem Buch gespielten Eröffnungen. Hier greift auch The King bei seinen ersten Zügen auf ein vorgegebenes Buch zu und sobald das Ende der vorgegebenen Buchvariante erreicht ist, darf die Engine selbst rechnen. Hier werden teilweise absolute Katastrophen-Varianten gespielt und die Engine zum Rechnen in ein Mittelspiel entlassen, was dem Verwalten eines Schrottplatzes sehr nahe kommt.

King Modul Millennium ChessGenius Exclusive

Nach Durchsicht dieser Partien zusammen mit echten Großmeistern und echten internationalen Meistern sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass The King sehr weit weg vom Großmeister-Niveau ist. Allenfalls FM-Niveau (2300 ELO) könnte man dem Programm noch zugestehen.

Es ist für mich ein Rätsel, wieso die Marketing-Abteilung von Millennium 2000 nicht die wirklichen Vorzüge dieser Engine bewirbt. Stattdessen wird mit einer zweifelhaft hohen ELO geworben, welche dieses Gerät einfach nicht hat. Das muss The King aber auch nicht haben. Das Programm muss den Anwendern Spaß machen und das tut es. Wer von einem Brettschachcomputer eine hohe ELO erwartet, greift sowieso zum DGT Pi in Verbindung mit einem DGT-Set. Zumindest bei der Aussage, dass es sich möglicherweise um den ersten klassischen Schachcomputer handelt mit GM-Niveau, ist man sich dann doch nicht ganz so sicher. Das es mit dem Revelation II bereits seit vielen Jahren einen klassischen Schachcomputer gibt, welcher definitiv über GM-Niveau spielt, weiß man dort mit Sicherheit. Aber die Werbetrommel will natürlich gerührt werden 😉

Mit einem geplanten Verkaufspreis von 199,-€ ist das The King Modul wahrhaftig kein Schnäppchen und um in den Genuss des Programms zu kommen muss man sich zuvor das Komplettpaket ChessGenius Exclusive mit Lang-Modul zulegen. Fans und Sammler von Brettschachcomputern bekommen damit allerdings die Möglichkeit, endlich zu den Besitzern eines Brettschachcomputers zu gehören, in welchem eine King-Engine läuft.

Erwähnen muss man aber auch , dass es seit mehr als 10 Jahren die Möglichkeit gibt, ein DGT-Set mit der Chessmaster-Software zu verbinden und damit auch direkt am Brett gegen The King zu spielen und zu trainieren.

Selbstverständlich werden wir auch das The King Modul in einem Match gegen einen Meisterspieler testen und anschließend darüber berichten, wie denn nun wirklich die Spielstärke des Programms einzuschätzen ist. Aber auch die Trainingsmöglichkeiten mit dem King-Modul werden wir unter die Lupe nehmen. Hier liegt meiner Meinung nach der eigentliche Vorteil dieses Moduls.

Bis bald

Euer Benny

Die ersten Partien mit dem DGT Schachcomputer sind gespielt

Beim DGT Schachcomputer gibt es weitere Fortschritte zu vermelden. Die ersten Partien wurden auf einem Test-Gerät bereits gespielt und ich kann festhalten, dass gerade Anfänger und durchschnittliche Vereinsspieler mit diesem Programm sehr viel Freude haben werden. Die Anpassung an die Spielstärke funktioniert sehr gut. Man wird auf der einen Seite gefordert, bekommt aber auf der anderen Seite auch genug Möglichkeiten, kreativ zu spielen, ohne das Fehler sofort bestraft werden.

DGT Schachcomputer Preview

Wenn alles weiterhin so nach Plan läuft, wird der DGT Schachcomputer sehr bald erhältlich sein.

Bis bald

Benny

ChessGenius Exclusive King Modul vorerst nur als Zusatz

Mit dem King-Modul für den ChessGenius Exclusive hat die Firma Millennium eine interessante Erweiterung für diesen Schachcomputer angekündigt. Es handelt sich hierbei um ein zusätzliches Programm-Modul, mit welchem man gegen das bekannte Schachprogramm von Johan de Koning (Chessmaster-Serie) spielen kann.

Dieses Modul ist in sofern interessant, da es einen sehr ansprechenden und aktiven Spielstil hat und bei Brettschachcomputern bisher nur in der TASC-Reihe, im Mephisto Montreux und im Saitek 2500 enthalten ist.

Leider wird dieses Modul zunächst nur als Erweiterung angeboten. Bevor man also in den Genuss des King-Programms kommt, muss man sich zunächst das ChessGenius Exclusive Komplettset, inklusive Lang-Modul zulegen.

Meiner Meinung nach macht der modulare Aufbau dieses Schachcomputers nur dann Sinn, wenn er auch wirklich modular ist. Gerade im Hinblick auf das Chess-Link-Modul sollte sich der Hersteller überlegen, ob er nicht das Schachbrett und die Figuren als separates Set anbietet. Hier könnte der interessierte Käufer dann alle zusätzlichen Module frei wählen und hinzufügen.

Ich habe allerdings die Hoffnung, dass ein solches frei konfigurierbares Set im nächsten Jahr erhältlich sein wird.

Bis bald

Euer Benny

 

DGT Pi mit 60 Engines

Der DGT Pi Schachcomputer bietet von Haus aus eine schöne Mischung verschiedener Schach-Engines. Mit Stockfish, Texel, Arasan, Rodent II, Zurichess, Floyd, Cinnamon und Claudia sind sowohl für den Anfänger, als auch für den Profi die richtigen Spielpartner mit an Bord.

Noch mehr Abwechslung bietet ab sofort unser Enginepaket, welches den Spielgenuss auf 60 Engines erweitert. Neben aktualisierten Versionen der bereits bestehenden Engines, wie etwa Stockfish 9, sind folgende Engines im Paket enthalten:

Leela Chess Zero

Wir haben diese Engine bereits mit einem Beitrag gewürdigt und ein Step by Step Tutorial bereitgestellt, mit welchem jeder Nutzer mit etwas Linux-Erfahrung diese Engine auf seinem DGT Pi zum Laufen bekommt. In unserem Paket sind die Installationsschritte bereits erledigt und man kann direkt loslegen. Die Einstellung der Spielstärke erfolgt über eine sog. Weights-Datei. In dieser Datei steckt das Schach-„Wissen“. In unserem Paket haben wir uns für eine Weights-Datei entschieden, welche eine Spielstärke von etwa 1800 bis 2100 ELO bereitstellt. Den Spielstil von Leela kann man als überaus unmenschlich menschlich bezeichnen. Von klinisch reinem Schach weit entfernt, verwundert Leela mit einer Kreativität, bei welcher man verwundert den Kopf schütteln wird.

Stockfish 9

Über diese Engine brauchen wir wohl keine weiteren Worte verlieren. Auf höchster Stufe ein exzellenter Analysepartner und auf den unteren Stufen ein gnädiger Richter, der einem Chancen einräumt.

Texel 1.08a8 32-bit

Auch Texel gehört zu den stärkeren Engines. Gerade in Blitz- und Schnellschachpartien zeigt diese Engines ihr unbändiges Potenzial. Wer sich in einer Blitzpartie mal so richtig vermöbeln lassen will, bekommt von dieser Engine die verdiente Abreibung 🙂

Arasan TCEC12-74-g345b401

Diese Ur-Engine wurde über die Jahre immer weiter verbessert. Mit den Spitzen-Engines kann sie zwar nicht mithalten, jedoch macht der Spielstil sehr viel Spaß. Bereits in den 90ern war diese Engine bei so gut wie jeder Schachprogramm-Oberfläche dabei. Bei dem Online-Schach-Klienten BlitzIn des ICC gab es auch so manchen Cheater, welcher diese Engine für sich hat spielen lassen. Abwechslungsreiche Partien stehen hier im Vordergrund.

Rodent II 0.9.66

Unglaublich viele Einstellmöglichkeiten über eine Konfigurationsdatei bietet diese Engine. Anstatt einzelne Spielstufen, kann man die Spielstärke über eine große Auswahl von Charakteren auswählen. Von Karpov über Tal bis hin zum Drunken Master und dem Angsthasen ist so ziemlich jeder Schach-Charakter vorhanden, den man sich vorstellen kann. Wenn es eine Engine gibt, welche die pure Abwechslung bietet, dann ist es mit Abstand diese Engine.

Rodent III 0.250 32-bit/GCC 6.3.0 20170516

Der Nachfolger von Rodent II bietet noch mehr „Tuning“-Möglichkeiten und lässt Spielcharaktere noch detaillierter Nachbilden.

Defenchess 1.2 x64

Diese von zwei türkischen Programmierern entwickelte Engine eignet sich ebenfalls sehr gut zum Analysieren von Schachpartien. Anders als der Name vermuten lässt, geht das Teil in seinen Partien ordentlich nach vorne.

Zurichess Neuchatel

Mit jeder neuen Version erhält die Engine Zurichess einen neuen Namenszusatz. Auch diese Engine gehört nicht gerade zu den Top-Ten, obwohl sie mit einer geschätzten ELO von etwa 2500 schon genau weiß, wie man einen Gegner matt setzt. Die Spielstärke kann wunderbar heruntergeregelt werden, was gerade für Anfänger ein gutes Trainingswerkzeug darstellt. Der Spielstil ist sehr positionell und strategisch.

Emblatrunk

Für den ambitionierten Vereinsspieler die perfekte Engine. Nicht zu stark, aber auf jeden Fall ein Kämpfer. Gerade im Mittelspiel lässt diese Engine hier und da auch mal ein Tempo liegen, was man als aufmerksamer Schachspieler schnell ausnutzen kann.

WyldChess

Ebenfalls eine schlagbare Engine, wobei man hier nicht die Geduld verlieren darf. Ist diese Engine am Drücker, lässt sie sich den vollen Punkt nicht mehr nehmen.

Fruit reloaded 17/12/08

So gut wie jede der heutigen Top-Ten-Engines basiert auf Ideen der Evaluierung, deren Ursprung in dieser Engine zu finden sind. Fruit ist Open-Source und auch die Engine Stockfish wäre heute nicht ganz oben, wenn es Fruit nicht gegeben hätte. Auch heute noch ist diese Engine unglaublich stark und für den Otto-Normal-Schachspieler ein unbezwingbarer Berg. Zum Glück kann man aber auch hier die Spielstärke nach unten regeln. Fruit begeistert durch verwickeltes Spiel und gerade das Spiel mit den Springern ist es, das den menschlichen Gegner mehr als einmal in Verzweiflung bringt.

Galjoen 0.38

Wer Chess960 mag, wird diese Engine lieben. Denn genau in dieser Schachvariante macht das Teil richtig viel Spaß. Der Spielstil lässt sich als durchaus ausgeglichen bezeichnen. Die Angriffslust hält sich in Grenzen und so kann man dieser Engine auf jeden Fall das Siegel „Solide“ verleihen.

Glaurung 2.2

Unglaublich stark und schon zu Zeiten von Rybka ein ernsthafter Gegner. Sowohl für die Analyse, als auch für Trainingsspiele auf unteren Spielstufen ist diese Engine perfekt geeignet.

Sayuri 2018.05.23

Eine Schachengine, welche komplett auf das Spiel gegen Menschen konzipiert wurde. Die Einstellmöglichkeiten reichen von der Bewertung einzelner Figuren, bis hin zur Bewertung von exakten Stellungsmerkmalen. Beim Spielen hat man immer das gute Gefühl, noch im Spiel zu sein und bis zum Ende Chancen zu haben. Um den vollen Punkt zu holen, muss man aber schon zu den besseren Vereinsspielern gehören.

Floyd 0.9

Mit gut 2000 ELO ist auch diese Engine ein sehr guter Sparringspartner. Taktisch immer sehr gut auf der Höhe, weiß dieser Gegner allerdings im positionellem Bereich oftmals nicht wirklich weiter.

Marvin 3.0.0

Immer in Richtung des Königs! Diese Engine will matt setzen und geht so gut wie jeder friedlichen Punkteteilung aus dem Weg. Die Spielstärke gegen Menschen würde ich bei etwa 2500 ELO einschätzen. Angestrebt werden so gut wie immer sehr taktische Stellungen, in welchen menschliche Gegner sehr schnell den Überblick verlieren. Dabei ist sich die Engine auch nicht zu schade, etwas Material für einen Angriff zu investieren.

K2 v.0.91

der Berg ruft! Allerdings nur bis zu einer Höhe von etwa 2300 ELO-Metern. Auch hier haben wir wieder einen guten Sparringspartner für bessere Vereinsspieler. Was diese Engine so interessant macht, sind die Eröffnungsideen. Mit ausgeschaltetem Buch oder einer Vorgabe von 5-8 Zügen findet diese Engine sehr oft erfrischend neue Ideen im Eröffnungsbereich. Wer fürs Blitzen neues Futter benötigt, wird hier seine helle Freude haben.

Laser 1.6 beta

Eine Engine, von welcher wir in Zukunft noch viel hören/lesen werden. Hier fließen Ideen von Engines wie Fruit und Texel zusammen und herausgekommen ist ein extrem starker Gegner, der sich zudem auch noch wunderbar für die Analyse eignet.

Cinnamon 2.0-20160502

Es macht Spaß, gegen diese nicht allzu starke Engine Schach zu spielen. Sobald es in Richtung Endspiel geht, fängt Cinnamon an zu schwächeln. Auch im Mittelspiel übersieht das teil gerne mal konkrete Gewinnabwicklungen.

McBrain 9.2

Studienhafte Wendungen und Opfer sind das Spezialgebiet dieser Engine. Hier wird man selbst in Blitzpartien überrascht. Unglaublich starkes und einfallsreiches Schach!

DanaSah 6.5

Und noch ein angenehmer Gegner für Hobby- und Vereinsspieler. Auf den unteren Stufen bekommt man gute Gelegenheiten, seine Lieblingseröffnung zu testen. Mattangriffe mit Figurenopfer machen gegen diese Engine besonders viel Spaß.

Nemorino

Obwohl einige Techniken von Stockfish übernommen wurden, hat es diese Engine nicht sehr weit gebracht. Zu sehr bleibt dieser Gegner an einem bereits gefassten Plan hängen und lässt sich, obwohl in einigen Fällen falsch, nur durch einen Mattzug vom Gegenteil überzeugen.

Amoeba 2.4.1.l32a

Auch diese Engine gehört zu den Schwächeren der Zunft. Mit etwa 2300 ELO ein schlagbarer Gegner, der vor allen Dingen im positionellen Bereich Defizite aufweist. Gerade in Blitzpartien stößt diese Engine schnell an ihre Grenzen. Sie braucht einfach mehr Zeit, um richtig in Fahr zu kommen.

Dragontooth 0.1 Azazel 1CPU

Diese Engine meint es gut mit ihrem Gegenspieler. Der solide Spielstil kann recht gut geknackt werden, indem man direkt in Richtung König agiert. Auch Eröffnungen wie etwa das Königsgambit bringen das Teil schnell aus dem Takt.

OpenTal 1.1 32-bit/GCC 6.3.0 20170516

Ein wunderschöner positioneller Stil, gepaart mit durchschlagender Taktik machen diese Engine zu einem wertvollen Spielpartner. Fast schon im Stile Karpovs werden die Partien unnachgiebig in Richtung des vollen Punktes geführt.

Pedone 1.7

In den ersten Versionen eher eine Engine, die man belächelt hat. Leicht zu überspielen und ohne Chancen im Endspiel. Stück für Stück wurde diese Engine aber verbessert und selbst als guter 2000er hat man hier sehr große Probleme zu lösen, bevor man den vollen Punkt für sich beanspruchen kann.

Demolito 2017-08-26

und wieder eine sehr starke Engine, bei welcher jeder menschliche Gegenspieler auf der höchsten Stufe verzweifeln wird. Das konsequente Angriffsspiel lässt wenig Raum für eine ordentliche Verteidigung und selbst die solideste Stellung wird von dieser Engine auseinander genommen.

Robocide 0.4

Zur Abwechslung darf es dann auch mal wieder etwas leichtere Kost geben. Diese Engine spielt auf einem Niveau von etwa 1900 ELO. Mit etwas Geschick schafft man es, einen positionellen Vorteil in einen Materialvorteil umzumünzen. Den vollen Punkt bekommt man trotzdem nicht geschenkt und als Vereinsspieler darf man sich auf jeden Fall auf die Schulter klopfen, wenn man einen Sieg verbuchen kann.

Zevra 180318

Als beste Engine von den Autoren angekündigt, verweilt das Programm eher im mittleren Bereich sein Dasein. Das ist auch nicht schlimm, denn Stockfische gibt es ja schon zur Genüge. Gut spielt das Teil und auf den unteren Stufen auch mit einer herrlich naiven Kreativität.

SCTR 1.1f x64 fix

Am Großmeisterniveau kratzt auch diese Engine. Allerdings nur, wenn es um taktische Stellungen geht. Positionell hat diese Engine zu wenig Geduld. Ein weiterer Sparringspartner, der Spaß macht.

Senpai 2.0

Starkes Spiel in allen Bereichen zeichnet diese Engine aus. In den unteren Stufen ein interessanter Gegner und mit voller Spielstärke ein guter Analysepartner. Hier findet die Engine auch mal Wege, welche die Top-Ten-Engines nicht auf dem Schirm haben.

MateFinder 150618

Hier steht der Königsangriff im Vordergrund. Keine andere Engine arbeitet von Beginn an so hart am Mattangriff, wie diese Engine. Zugwiederholungen können praktisch ausgeschlossen werden.

Shallow Blue 1.1.0

Den durchschnittlichen Vereinsspieler wird es freuen. Mit ungefähr 1500 ELO gehört diese Engine zu den eher einfacheren Aufgaben. Nach der Eröffnung lohnt es sich, direkt auf Angriff zu spielen. Aber wehe, der eigene König steht unsicher! Dann holt die Engine zum Gegenschlag aus.

Snowy 0.2-2-gcd8622e

Etwa 1800 ELO kann diese Engine auf ihrem Konto verbuchen. Wieder einmal sind es die positionellen Aspekte, welche dieser Engine zum Verhängnis werden. Aber auch taktisch ist diese Engine manchmal etwas übereifrig.

Sting SF 9.99

Basierend auf Stockfish wurde diese Engine entwickelt. Mit einer Spielstärke von etwa 2700 ELO kommt sie allerdings nicht an das Original heran. Trotzdem bietet dieses Engine sowohl in der Analyse, als auch beim Spielen interessante Ideen.

Stockfish 1.9.1 bis Stockfish 8

Die komplette Stockfish-Serie zeigt ziemlich gut, wie aus einer eher mittelmäßigen Engine sehr schnell die beste Engine der Welt wurde. Mit jeder neuen Version wurden vorhandene Fehler beseitigt und bereits bestehende gute Ideen weiter verbessert. Eine Sammlung, die auf keinem DGT Pi fehlen sollte.

SugaR_XPrO 150618 x32

Noch eine Engine, basierend auf Stockfish. Interessante Ideen im Such-Algorithmus machen diese Engine allerdings zu etwas Besonderem. Dies merkt man auch im Spiel und in der Analyse.

Bei den restlichen Engines in diesem Paket handelt es sich zum großen Teil ebenfalls um Stockfish-Abkömmlinge, in welchen Programmierer mit eigenen Ideen ihre Handschrift verewigt haben. Dies ist in den meisten Fällen sehr gut gelungen.

Der DGT Pi bietet mit diesem Engine-Paket nun wirklich alles, was das Schachherz benötigt.

Weitere Engines werden folgen….

Bis bald

Euer Benny

 

 

DGT Pi SD-Karten-Image verkleinern

Wer kennt es nicht? Da machen wir uns ein Backup-Image von unserer DGT Pi SD-Karte und wenn wir anschließend das Backup auf eine neue SD-Karte mittels Win 32 Disk Imager spielen wollen, bekommen wir die Meldung, dass das Image für die vorhandene Karte zu groß ist.

DGT_Pi_SD_Karte_zu_klein

In meinem Beispiel habe ich ein Image einer 8 GB SD-Karte erzeugt und möchte das Image auf eine neue 8 GB SD-Karte schreiben. Theoretisch sollte das kein Problem sein, allerdings haben die Hersteller von SD-Karten unterschiedliche Ansichten, wie viele Sektoren zur Verfügung gestellt werden sollen. Hierbei kann auch die verwendete Hardware beim Erstellen eines Images eine Rolle spielen, jedoch wollen wir hier nicht allzu weit ins Detail gehen. Was nun?

Um die Sache zu lösen, müssen wir das Problem kurz beschreiben. Wir haben eine 8 GB SD-Karte, auf welcher neben dem Betriebssystem unser PicoChess läuft. Die SD-Karte ist bei Weitem noch nicht voll. Trotzdem erzeugt das Programm  Win 32 Disk Imager ein 8 GB großes Image, denn bei diesem Image handelt es sich um ein komplettes Abbild der 8 GB SD-Karte und hierzu gehört auch der ungenutzte Bereich.

Mit gerade mal 2 Befehlen können wir diesen ungenutzten Bereich aus der Image-Datei entfernen. Voraussetzung hierzu ist ein laufendes Linux-System mit Shell-Zugriff. Wir kopieren unsere „zu große“ Image-Datei in unserem Home-Ordner und geben anschließend folgenden Befehl ein:

sudo fdisk -lu MeinImage.img

Anschließend bekommen wir folgende Ausgabe:

Disk MeinImage.img: 8053 MB, 8053063680 bytes
255 heads, 63 sectors/track, 979 cylinders, total 15728640 sectors
Units = sectors of 1 * 512 = 512 bytes
Sector size (logical/physical): 512 bytes / 512 bytes
I/O size (minimum/optimal): 512 bytes / 512 bytes
Disk identifier: 0xb86a005b

Device Boot Start End Blocks Id System
MeinImage.img1 8192 93813 42811 c W95 FAT32 ( LBA)
MeinImage.img2 94208 7796735 3851264 83 Linux

Uns interessiert in diesem Fall die hier fett gedruckte Zahl (Sektoren). Diese kann natürlich bei euch anders sein. 🙂 Wenn wir diese Sektoren-Zahl nun mit 512 Bytes multiplizieren, erhalten wir die mit Daten beschriebene Größe der Image-Datei.

Also 7796735 * 512 = 3991928320

Dies bedeutet, dass unser 8 GB-Image eigentlich nur 3,9 GB Daten enthält. Alle Sektoren nach 7796735 sind praktisch leer und können entfernt werden. Dies machen wir mit folgendem Befehl:

sudo truncate --size=$[(7796735+1)*512] MeinImage.img

Ganz wichtig!!! Die Zählung der Sektoren beginnt bereits ab 0 (Null), weshalb wir an unsere End-Sektorenzahl noch ein +1 setzen müssen.

Wurde dieser Befehl korrekt ausgeführt, ist die neue Größe der Image-Datei 3,9 GB. Kopieren wir dieses Image zurück auf unseren Windows-Rechner, können wir nun mit dem Programm Win 32 Disk Imager dieses Image problemlos auf eine 8 GB SD-Karte schreiben. Eine 4 GB-SD-Karte würde auch langen.

Hinweis:

Wenn das mit dem Schreiben des Images auf eine neue SD-Karte (8 GB) geklappt hat und man wieder die vollen 8 GB zur Verfügung haben will, müssen wir uns nach dem Hochfahren des DGT Pi per SSH mit dem DGT Pi verbinden und folgenden Befehl ausführen:

raspi-config --expand-rootfs

Nun stehen uns die vollen 8 GB der SD-Karte beim PicoChess zur Verfügung 🙂

War doch gar nicht so schwer 😉

Bis bald

Euer Benny

Leela Chess Zero auf dem DGT Pi

An der Leela Chess Zero Schachengine bastelt die Schach-Community nun schon eine ganze Weile. Genauso wie der große Bruder Alpha Zero, zieht die Engine Leela Chess Zero ihre Spielstärke aus vielen „Trainings“-Partien. Diese Engine lernt das Schachspielen durch Erfahrungswerte, um es oberflächlich auszudrücken.

Dank der Arbeit von Al und Jürgen, läuft diese Engine nun auch auf dem DGT Pi / PicoChess. Hier nun eine Schritt für Schritt Anleitung, wie man diese spannende Engine auf dem DGT Pi / PicoChess zum Laufen bekommt:

Zunächst müssen wir unseren DGT Pi mit dem Internet/Intranet verbinden. Dies geht am Einfachsten, indem man den DGT Pi mit einem RJ45-Kabel (LAN-Kabel) mit dem Router verbindet. Startet man nun den DGT Pi, erhalten wir über das System-Menü an der Uhr die IP-Adresse des DGT Pi.

Nun starten wir das Programm Putty und verbinden uns mit dem DGT Pi, indem wir dessen IP-Adresse in das entsprechende Feld eintragen und „Open“ anklicken. Als Benutzernamen geben wir pi ein und als Passwort picochess.

Um die Engine zum Laufen zu bekommen, müssen wir bei unserem DGT Pi einige Sachen nachinstallieren. Da ständig neue Versionen der notwendigen Installationspakete veröffentlicht werden und ältere Pakete nicht mehr verfügbar sein können, ist es zunächst wichtig, dass wir unsere Paket-Liste im DGT Pi auf den neusten Stand bringen. Hierzu führen wir folgenden Befehl aus:

sudo apt-get update

Ist das Update durchgelaufen, können wir mit der Installation der Pakete beginnen. Bitte folgenden Code komplett kopieren und in das Putty-Shell-Fenster hineinkopieren und mit der Enter-Taste ausführen:

sudo apt install cmake g++ git libboost-all-dev libopenblas-dev opencl-headers ocl-icd-libopencl1 ocl-icd-opencl-dev zlib1g-dev

Der Installations-Assistent wird uns ein paarmal fragen, ob wir mit der Installation des einen oder anderen Paketes einverstanden sind, was wir natürlich bejahen. Auf Grund der Vielzahl der Pakete und der doch nicht geringen Größe, kann das Installieren durchaus 20 Minuten Zeit in Anspruch nehmen.

Wurde die Installation erfolgreich beendet, laden wir uns die von Al Scally Cooper compilierte Engine Leela Chess Zero herunter:

LcZero kompiliert von Al Scally Cooper (75 Downloads)

 

Nach dem Entpacken der ZIP-Datei, haben wir eine Datei namens lczero auf dem Rechner. Diese Datei müssen wir nun in den Engine-Ordner auf unserem DGT Pi kopieren. Um dies halbwegs komfortabel zu machen, verwenden wir zum Hoch- und Herunterladen von Dateien die Software FileZilla.

Wer dieses Programm noch nicht auf dem Rechner hat, sollte es spätestens jetzt installieren und starten. Oben links können wir eine Schnellverbindung zu unserem DGT Pi aufbauen, indem wir die IP-Adresse des DGT Pi eingeben, den Port 22 wählen und die bekannten Zugangsdaten Benutzer: pi Passwort: picochess verwenden.

Hat alles geklappt, befinden wir uns im rechten Teil des Fensters in unserem Home-Ordner. Wir wechseln nun in folgenden Ordner:

/opt/picochess/engines/armv7l

Nun ziehen wir die auf unserem Computer befindliche entpackte Datei lczero in diesen Ordner. Der nun folgende Schritt wird gerne vergessen. Zwar befindet sich die Datei nun im richtigen Verzeichnis, aber für das System ist es einfach nur eine Datei, mehr nicht. Da es sich bei lczero um ein Programm handelt, welches das System ausführen muss, müssen wir der Datei die entsprechende Berechtigung geben. Wir klicken hierzu im Filezilla mit der rechten Maustaste auf die Datei und wählen den Menüpunkt Dateiberechtigungen. In dem sich nun öffnenden Fenster setzen wir die Häkchen so, wie auf dem hier gezeigten Bild:

Jetzt noch mit OK bestätigen. Als nächstes müssen wir die Engine noch in unsere Engine-Liste eintragen. Hierzu klicken wir auf die im selben Ordner /opt/picochess/engines/armv7l befindliche Datei engines.ini mit der rechten Maustaste und wählen im Menü Ansehen/Bearbeiten. Die Datei sollte nun in einem Editor geöffnet sein. Wir gehen ans Ende der Datei und geben folgende Zeilen ein:

[lczero]
name = lczero v0.10
small = lczero
medium = lczero
large = lczero 0.10
elo = 2700

Das Ganze speichern wir ab und übertragen die Datei zurück in den Ordner. Sollte FileZilla fragen, ob wir die bestehende Datei überschreiben wollen, bestätigen wir das natürlich.

Nun kommen wir zu zu dem besonderen Teil. Damit Leela Chess Zero Schach spielen kann, benötigt es „Wissen“. Dieses Wissen erhält Leela Chess Zero durch unzählig gespielte Partien und wird in sog. Weights-Dateien abgespeichert. Zum Spielen ist immer nur eine Weights-Datei notwendig. Unter folgendem Link könnt ihr euch eine große Auswahl an Weights-Dateien herunterladen:

http://lczero.org/networks

Sehr aktuelle Weights-Dateien findet ihr unter folgendem Link:

http://testserver.lczero.org/networks

Zum Herunterladen einer Datei, klickt man einfach in der Spalte Network einen Eintrag an:

Die geschätzte Spielstärke der einzelnen Weights-Dateien könnt ihr unter folgendem Link find:

https://docs.google.com/spreadsheets/d/1XSJiCcQpCLv0fNwrUn7jXjdkZFU63YFEWpdXv6dSSg0/htmlview#

Nach dem Herunterladen müssen wir die Datei noch in weights.txt umbenennen.

Nun gehen wir wieder zurück ins FileZilla-Fenster und wechseln auf unserem DGT Pi in den Ordner

/opt/picochess

In genau diesen Ordner müssen wir nun die Datei hineinkopieren. Manche Weights-Datei kann unter Umständen 60-100 Megabyte groß sein. Es kann mit dem Kopieren als etwas dauern.

Ist auch dieser Schritt geschafft, kommen wir zum Finale. 🙂

Wir gehen zurück ins Putty-Fenster und geben folgenden Befehl ein:

sudo reboot now

Der DGT Pi startet nun neu und wenn wir nun einen Blick in die Engine-Auswahl werfen, sehen wir, dass uns mit lczero 0.10 ab sofort die Engine Leela Chess Zero zur Verfügung steht.

WICHTIG! >>> Wenn wir nun diese Engine auswählen, kann es durchaus 15 bis 20 Sekunden dauern, bis die Rückmeldung EngineOK im Display erscheint. Also nicht die Geduld verlieren und wild auf den Knöpfen des DGT Pi herumdrücken. 😉

Eurer ersten Partie gegen diese wirklich interessante Engine kann nun starten. Eine direkte Spielstärken-Einstellung der Engine gibt es nicht. Allerdings kann man sich anhand der oben genannten Links eine für die eigene Spielstärke passende Weights-Datei herunterladen und auf diese Weise die Spielstärke heben und senken. Hierzu einfach die auf dem DGT Pi befindliche weights.txt austauschen.

Und jetzt viel Spaß

Euer Benny

Die offene Schnittstelle beim Millennium Chess-Link

Mit der offenen Schnittstelle des Chess-Link hat die Firma Millennium 2000 die richtige Richtung eingeschlagen. Wie der Geschäftsführer Thomas Karkosch mitteilt, wird die Dokumentation der Schnittstelle sowohl für professionelle Entwickler, als auch für interessierte Hobby-Programmierer zur Verfügung gestellt. Während der Erprobungsphase richtet das Unternehmen allerdings zunächst seinen Blick und seine Unterstützung bei der Verwendung der Schnittstelle auf Unternehmen, welche Interesse haben, ihre bereits bestehende Schach-Software um die Möglichkeiten des Chess-Link zu erweitern.

Millennium Chess Link Schnittstelle

Das Bereitstellen einer offenen Schnittstelle bedeutet für das Unternehmen zusätzliche Support-Arbeit. Laut Herrn Karkosch will man diesen Service in Zukunft auch den Hobby-Programmierern anbieten.

Soweit mein kleiner Zwischenbericht.

Bis bald

Euer Benny

Neue Eröffnungsbücher für den DGT Pi

Der DGT Pi bietet bereits im Auslieferungszustand eine gute Auswahl an Eröffnungsbüchern. Wie man weitere Eröffnungsbücher generiert und diese in im DGT Pi verfügbar macht, möchte ich in diesem Beitrag zeigen.

Bevor wir beginnen, benötigen wir ein paar und Dateien. Ich habe diese in ein ZIP gepackt, um euch die Suche zu ersparen. Dieses Zip einfach in einen Ordner entpacken und in diesen Ordner wechseln:

DGT Pi Book Maker (34 Downloads)

 

Selbstverständlich sollte sich unser DGT Pi zumindest im Intranet befinden, sodass wir darauf problemlos über SSH zugreifen können.

Unsere neuen Eröffnungsbücher werden aus Partien generiert, welche in PGN-Dateien gespeichert sind. Nehmen wir in unserem Beispiel einfach mal an, dass wir ein Buch aus Partien generieren möchten, welche ausschließlich von Spielern über 2500 ELO gespielt wurden. Sowohl auf der schwarzen Seite, als auch auf der Seite von Weiß. Woher bekommt man nun die Partien?

Ich habe vor langer Zeit einen TWIC-Downloader programmiert, mit welchem man sich jede Woche die neusten Partien herunterladen kann. Auch ältere Ausgaben kann man mit diesem Programm herunterladen und in einer PGN-Datei zusammenführen:

http://forum.topschach.de/twic-downloader-t969.html

Hat man sich nun eine sog. Referenzdatenbank im PGN-Format erstellt, kann es mit dem Selektieren losgehen. Ich persönlich verwende hierzu das Programm Chessbase 14, aber auch kostenlose Datenbankprogramme wie etwa SCID, können verwendet werden. In meinem Beispiel beziehe ich mich aber ausschließlich auf Chessbase 14.

Wir öffnen also unsere PGN-Datei und sehen eine Vielzahl von Partien.

Wir benötigen nun sowohl für Schwarz, als auch für Weiß, eine separate PGN-Datei. Wir legen als zwei neue Datenbanken an und nennen Sie einmal BigBook_w.pgn und einmal BigBook_b.pgn

Jetzt beginnen wir mit dem Sortieren. Gehen wir zurück in unser Fenster mit den vielen Partien der Referenzdatenbank, klicken wir auf Liste filtern. Es öffnet sich ein entsprechender Dialog. Wir wählen aus, dass alle Partien von Weiß gewonnen sein müssen und alle Spieler mindestens 2500 ELO auf dem Konto haben müssen.

DGT Pi Opening Book

Klicken wir nun auf OK, werden die Partien entsprechend unseren Vorgaben gefiltert. Ist der Vorgang abgeschlossen, markieren wir alle gefilterten Partien mit der Tastenkombination Strg+a und legen Sie mit der Tastenkombination Strg+c in unseren Zwischenspeicher. Jetzt wechseln wir in unsere zuvor angelegte und noch leere Datenbank BigBook_w.pgn und legen die Partien aus dem Zwischenspeicher mit der Tastenkombination Strg+v dort hinein. Danach können wir dieses Partienfenster schließen und gehen zurück zu unserer Referenzdatenbank.

Hier wählen wir erneut Liste Filtern und ändern den Parameter Ergebnis nun auf 0-1. Das bedeutet, dass wir diesmal alle Partien möchten, in welchen beide Spieler mindestens 2500 ELO haben und Schwarz gewonnen hat. Wir prüfen noch schnell, ob beim ELO-Parameter auch die Option beide gewählt wurde und klicken auf OK.

Das Ergebnis legen wir wie oben beschrieben wieder in den Zwischenspeicher, öffnen unsere leere Datenbank BigBook_b.pgn und legen die Partien aus dem Zwischenspeicher dort hinwein.

Jetzt können wir unser Schachprogramm (Chessbase 14) schließen. Zuvor sollten wir uns allerdings noch merken, in welchem Ordner diese beiden von uns neu angelegten PGN-Datein sich befinden. Sobald das Schachprogramm geschlossen wurde, gehen wir in das Verzeichnis in welchem die beiden PGN-Daten liegen und kopieren diese beiden Dateien in unseren Ordner, in welchem die Programme die wir zuvor herunterladen haben liegen.

In dem selben Ordner liegt eine Datei namens: makebook.bat

Diese Datei bitte noch nicht starten, sondern mit der rechten Maustaste anklicken und mit einem Texteditor öffnen. Wir sehen folgenden Inhalt:

pgn-extract -s -C -N -V -tstartpos.txt -oclean-SGM_white.pgn BigBook_w.pgn
polyglot make-book -only-white -pgn clean-SGM_white.pgn -bin w1.bin -max-ply 16 -min-game 50
polyglot make-book -only-white -pgn clean-SGM_white.pgn -bin w2.bin -max-ply 60 -min-game 5
polyglot merge-book -in1 w1.bin -in2 w2.bin -out w12.bin

pgn-extract -s -C -N -V -tstartpos.txt -oclean-SGM_black.pgn BigBook_b.pgn
polyglot make-book -only-black -pgn clean-SGM_black.pgn -bin b1.bin -max-ply 16 -min-game 50
polyglot make-book -only-black -pgn clean-SGM_black.pgn -bin b2.bin -max-ply 60 -min-game 5
polyglot merge-book -in1 b1.bin -in2 b2.bin -out b12.bin

polyglot merge-book -in1 w12.bin -in2 b12.bin -out r-bigbook.bin

Pause 0

Was hier etwas verwirrend aussieht, lässt sich relativ leicht entschlüsseln. In der ersten Zeile rufen wir mit dem Programm pgn-extract unsere PGN-Datei für Weiß auf und lassen diese Bereinigen. Also alles was an unnötigen Kommentaren in den Partien drin steht, wird gelöscht. Das Ergebnis wird in einer PGN-Datei namens clean-SGM_white.pgn gespeichert. In der zweiten Zeile wird aus dieser PGN-Datei ein Eröffnungsbuch generiert, in welchem nur die weißen Züge gespeichert werden mit einer Tiefe von maximal 16 Halbzügen bei mindestens 50 Partien. In der dritten Zeile wird ein weiteres Eröffnungsbuch angelegt, in welchem allerdings eine Tiefe von maximal 60 Halbzügen bei mindestens 5 Partien vorhanden ist. In der vierten Zeile werden diese beiden Eröffnungsbücher miteinander verbunden. Dies gibt uns ein relativ gutes Buch, dass recht breit angelegt ist, aber nicht zu sehr in die Tiefe geht.

Das Gleiche geschieht auch mit unserem schwarzen Buch in den Zeilen 6 bis 9.

In Zeile 11 werden nun diese beiden Bücher (eins für Weiß und eins für Schwarz) zusammengeführt und unter dem Namen r-bigbook.bin gespeichert.

Der gesamte Vorgang kann bei großen Eröffnungsbüchern durchaus eine Weile dauern. Wenn alles erledigt ist, schauen wir in unseren Ordner mit den Programmen. Dort finden wir recht viele neue Dateien. Uns interessiert allerdings nur die Datei r-bigbook.bin

Es handelt sich um das Ergebnis unserer mühevollen Arbeit. Diese Datei muss nun auf unseren DGT Pi hochgeladen werden. Hierzu verbinden wir uns mit dem Programm Filezilla (andere FTP-Programme mit SSH-Option funzen ebenfalls) mit dem DGT Pi. Also oben IP Adresse des DGT Pi eingeben und Benutzer: pi und Passwort: picochess verwenden. Nachdem wir verbunden sind, gehen wir in den Ordner /opt/picochess/books

Nun ziehen wir die Datei r-bigbook.bin mit der Maus direkt in diesen Ordner. Das sollte nun etwa so aussehen:

DGT Pi Opening Book

In diesem Ordner liegt auch eine Datei namens books.ini – Diese müssen wir nun noch anpassen. Hierzu öffnen wir die Datei mit einem Texteditor und sehen etwas weiter unten folgenden Inhalt:

...

[o-pro.bin]
small = pro
medium = Pro
large = Pro

[p-gm2001.bin]
small = gm2001
medium = GM 2001
large = GM 2001

[q-sgm.bin]
small = SGM
medium = Super GM
large = Super GM

Diesen Inhalt erweitern wir um folgende Zeilen:

[r-bigbook.bin]
small = BigBook
medium = Big Book
large = Big Book

Wir speichern es ab und starten unseren DGT Pi neu. Wenn wir nun über das Menü des DGT Pi in die Buchauswahl gehen, finden wir unser neues Buch und können es auswählen und eine Partie starten:

DGT Pi Opening Book

Auf die oben beschriebene Weiße lassen sich alle möglichen Arten von Eröffnungsbüchern generieren. Beispielsweise arbeite ich mich seit einiger Zeit in das London System ein. Zu Trainingszwecken habe ich ein London-Buch generiert, welches auf dem aktuellen Stand der Theorie ist. Ein absolut tolles Trainingswerkzeug!

Selbstverständlich lassen sich auch Spieler-Charaktere als Eröffnungsbuch generieren. So kann man beispielsweise alle Partien von Magnus Carlsen mit Weiß und Schwarz als Eröffnungsbuch zusammenführen und kann praktisch gegen das Eröffnungsrepertoire von Magnus Carlsen spielen. 🙂

Diese kleine Anleitung kann natürlich nicht alle Möglichkeiten aufzeigen, welche beim Generieren von Eröffnungsbüchern vorhanden sind. Aber ich glaube es ist ein guter Einstieg und wer sich näher mit den einzelnen Funktionen beschäftigt, kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Bis bald

Euer Benny

🙂

 

ChessGenius Exclusive Chess Link

Mit dem ChessGenius Exclusive Chess Link erhält der ChessGenius Exclusive nun endlich die schmerzlich vermisste Bluetooth-Schnittstelle, mit welcher eine Anbindung an Android, iOS und Windows-Systeme möglich ist. Die offene Schnittstelle ermöglicht jedem Programmierer die Einbindung in eigene Projekte. Ein sehr begrüßenswerter und logischer Schritt, nachdem die hauseigenen „Programmierer“ der Firma Millennium nicht gerade durch Usability in ihren Anwendungen glänzten. 😉

ChessGenius Exclusive Chess Link

 

Geliefert wird dieses Modul mit einer kostenlosen Android-App inklusive dem Programm HIARCS, mit welcher man dann auch schon direkt loslegen kann. Beworben wird das bekannte Schachprogramm von Mark Uniacke mit den Worten „…gilt als eine der spielstärksten Schach-Engines der Welt…„. Wie schon beim ChessGenius Exclusive, ist man sich bei der Werbeabteilung für keine Übertreibung zu schade. 🙂 – Natürlich ist HIARCS ein starkes Schachprogramm, jedoch kommt es im Bezug auf die Spielstärke an viele kostenlose Engines, wie beispielsweise Stockfish, nicht heran. Das muss es aber auch nicht. HIARCS bietet einen wunderschönen Spielstil, welcher für abwechslungsreiche Partien sorgt und immer wieder mit spektakulären Opfern um die Ecke kommt.

Genau damit hätte die „Werbeabteilung“ von Millennium punkten können. Schnelle Autos gibt es wie Sand am Meer, aber gutes Fahrgefühl haben nur Wenige.

Chess Link Hiarcs

Selbstverständlich werden wir auch dieses Produkt aus dem Hause Millennium wieder auf den Prüfstand stellen und einen Produkttest in unserem YouTube-Kanal veröffentlichen. Bezüglich des Preises bin ich allerdings schon jetzt der Meinung, dass die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers in Höhe von 99,-€ durchaus in Ordnung geht. Als kleines Schmankerl für unsere Kunden, gibt es das Modul bei uns für kurze Zeit zum Einführungspreis von 79,-€ unter:

https://www.topschach.de/chessgenius-exclusive-chess-link-p-4097.html

Erhältlich soll der ChessGenius Exclusive Chess Link laut Datenblatt Anfang Juli sein. Ich selbst gehe aktuell allerdings von August aus.

Weitere Infos stehen selbstverständlich auch in unserem Forum zur Verfügung.

Bis bald

Euer Benny