Neues DVD-Cover für Fritz 17

In den letzten Wochen wurde vielfach unter Schachspielern spekuliert, ob bei dem am 12. November erscheinenden Fritz 17 nun Fat Fritz physikalisch vorhanden ist, oder nur über die Chessbase-Cloud zu mieten. Wie ich zuvor schon berichtet habe, wird Fat Fritz komplett auf der DVD vorhanden und installierbar sein. Um jede Unklarheit aus dem Weg zu räumen, hat Chessbase nun auch das DVD-Cover von Fritz 17 etwas umgestaltet.

Fritz 17 Schachprogramm

Altes Cover

Fritz 17 - Fat Fritz

Neues Cover

Auch wurde darüber spekuliert, ob es sich bei Fat Fritz nun tatsächlich um das kostenlose Community-Project Leela Zero handelt. Der „Chessbase-Entwickler“ Albert Silver hat dies bereits mehr oder weniger zugegeben. Eine Bestätigung kam allerdings nun auch von Chessbase. Da es sich tatsächlich um Leela Zero handelt, muss Chessbase den Quellcode der Engine zur Verfügung stellen. Wer aber denkt, dass Chessbase diesen einfach mit auf die DVD gepackt hat, der irrt. Wenn man allerdings an Chessbase eine Mail schreibt und um den Quellcode von Fat Fritz bittet, bekommt man als Antwort eine Mail mit Links zum kostenlos Community-Projekt Leela Zero. Zwar erfüllt Chessbase damit die Vorgaben der GPLv3, aber es hat schon einen komischen Beigeschmack, wenn ein kommerzieller Schachsoftware-Anbieter die jahrelange Arbeit einer Community in Fritz 17 kommerziell verwertet.

Den Vorwurf, dass Chessbase einfach nur kopiert hat, ist aber nur die halbe Wahrheit. Herzstück von Fat Fritz ist eine von Chessbase selbst erstellte Netz-Container-Datei, in welcher Chessbase das Schachwissen aus über 1 Millionen von Menschen gespielten Weltklasse-Partien hat einfließen lassen. Im Original Community-Projekt lernt Leela Zero hauptsächlich durch Partien, welches das Programm gegen sich selbst spielt und das hierdurch erworbene Wissen in einem Netz-Container abspeichert. Wissen ist hier aber wohl das falsche Wort. Vielmehr werden in dieser Netz-Container-Datei Bewertungen für Stellungen abgespeichert.

Ich habe Fat Fritz getestet und muss sagen, dass es schon richtig ordentliches Schach spielt und und sich auf jeden Fall für die Analyse eignet. Im Ergebnis halte ich das kostenlose Leela Zero jedoch für stärker. Für einen Laien ist Leela Zero auch nicht so einfach zu installieren. Spätestens wenn es um die Feinabstimmung der vielen Parameter geht, stoßen viele Schachspieler an ihre Grenzen. Mit Fritz 17 spart man sich diese Arbeit. Vorausgesetzt, man hat eine GPU (Grafikkarte) mit ordentlich Power, braucht man Fritz 17 einfach nur installieren und kann direkt loslegen.

Fritz 17 gibt es ab dem 12. November bei uns im Shop:

https://www.topschach.de/fritz-ganz-grosse-schachprogramm-p-4207.html

Bis bald

Euer Benny

Millennium ChessVolt

Kürzlich veröffentlichte die Firma Millennium den sogenannten ChessVolt. Es handelt sich hierbei um eine Powerbank, mit welcher man den Schachcomputer ChessGenius Exclusive ohne Netzteil mit Strom versorgen kann. Eine gute Idee, jedoch sind die für dieses Produkt geforderten 69,-€ schon ziemlich frech. Mit einer Kapazität von gerade mal 12000 mAh gehört diese Powerbank eher in die Klasse der 7,-€ Produkte, wie man sie in einer Vielzahl auf Amazon findet.

Millennium ChessVolt

Wer bereits eine Powerbank mit 9 Volt Ausgang besitzt, kann sich das Geld sparen und benötigt praktisch nur das passende Anschlusskabel. Für knappe 3,-€ bekommt man bereits den passenden Hohlstecker:

https://www.amazon.de/LINDY-70268-Adapterkabel-USB-DC-Hohlstecker/dp/B00M552AE2/

Wer noch keine Powerbank besitzt, kann sich die 69,-€ ebenfalls sparen. Für bereits 12,-€ kann man eine entsprechende Powerbank mit 50000 mAh erwerben. Zusammen mit dem Kabel liegen die Kosten bei knapp 15,-€. Man spart damit nicht nur satte 54,-€ gegenüber dem Millennium ChessVolt, sondern hat zusätzlich auch noch wesentlich mehr Akku-Kapazität zur Verfügung.

😉

Bis bald

Euer Benny

Millennium 2000 schickt Schachcomputer-Sammler ins Wartezimmer

Nachdem wir bereits über den Etikettenschwindel beim King „Performance berichtet haben, kündigt der Discount-Produzent Millennium 2000 pünktlich zum Weihnachtsgeschäft nun eine weitere Sonderedition des Ladenhüters Chess Genius Exclusive King an. Wie bei der Lasker-Edition, soll die sogenannte The King Exclusive Chess960 Edition mit dem King-Element ausgeliefert werden. Stolze 695,-€ soll der Kunde hierfür berappen.

King 960 Sonderedition

Interessant ist hierbei, dass die Chess960-Funktionalität für alle bestehenden Besitzer des King-Elements als kostenloses Update zur Verfügung gestellt werden soll. Ursprünglich geplant war dieses Update noch in diesem Jahr. Genaugenommen mit der Veröffentlichung des King Performance Schachcomputer. Millennium 2000 Geschäftsführer Thomas Karkosch erklärt die Verzögerung mit den üblichen Ausreden. Der Service muss geschult werden, Anleitungen gedruckt, etc. –

Kamen die bisherigen Updates ohne diese ToDo-Wolke aus, geht es bei dem Chess960-Update plötzlich nicht mehr ohne irgendwelchen Firlefanz.

Bis April sollen die Besitzer des King-Elements nun auf das kostenlose Update warten. Zufälligerweise hat Millennium 2000 mit der The King Exclusive Chess960 Edition aber eine Lösung für alle ungeduldigen Sammler parat. Wieder eine Sonderedition 😉

Das Geschäftsmodell von Millennium 2000 ist ziemlich einfach zu durchschauen. Auf dem breiten Schachmarkt spielen die hochpreisigen Schachprodukte aus dem Hause Millennium 2000 eine ziemlich untergeordnete Rolle. Es gibt aber eine kleine Riege an Schachcomputer-Sammlern, denen Millennium 2000 sehr kreativ das Geld aus der Tasche zieht. Nicht wenige dieser Sammler sind bereits im Besitz des Chess Genius Exclusive und der Lasker Edition. Hinzu kommt dann noch das King Element. Mit der The King Exclusive Chess960 Edition muss ein Sammler ein weiteres Exclusive-Set kaufen, wenn er seine Sammlung vollständig haben möchte. Drei nahezu identische Geräte. Limitiert soll diese weitere Sonderedition auf 250 Exemplare sein.

Ich erinnere mich noch gut an die limitierte Lasker Edition, welche zunächst exklusiv über den Deutschen Schachbund erhältlich war. Nachdem sich die Begeisterung und die Absatzzahlen in Grenzen hielten, konnte man ein paar Monate später auch im Einzelhandel die Lasker Edition käuflich erwerben. Es dauerte dann auch über ein Jahr, bis endlich alle 150 Lasker Editionen an den Mann gebracht wurden. Der Support von Millennium 2000 hatte trotzdem viel zu tun, denn gefühlt jeder zweite Kunde war mit der Verarbeitung der Lasker Edition nicht zufrieden. Mal passte das Holz der Bedieneinheit nicht zum Holz des Schach-Sets, mal waren Kratzer auf der Brett-Oberfläche und auch technische Mängel verärgerten die Besitzer.

Limitierte Sondereditionen sprechen fast ausschließlich Sammler an und hier darf selbst die Verpackung keinerlei Schäden aufweisen.

Mit der The King Exclusive Chess960 Edition soll die Sammler-„Kuh“ also ein weiteres Mal gemolken werden. Aber dafür bekommt man laut Beschreibung auch so tolle Dinge wie:

  • Eine gelaserte Seriennummer auf der Recheneinheit
  • Editions Plakette auf der Recheneinheit
  • Sonderverpackung mit gold- und silberfarbener Folienprägung

Vergessen dürfen wir aber auch nicht die exklusive Chess960-Funktion, auf welche Besitzer der Lasker Edition und des King Element aus fadenscheinigen Gründen wohl bis Ostern nächstes Jahr warten dürfen.

Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Geschäftspraktiken der Firma Millennium 2000 aber durchaus nachvollziehbar. Würde man das kostenlose Chess960-Update zeitgleich mit dem King Performance auf den Markt bringen, würde der Chess Genius Exclusive mit King Element zum Weihnachtsgeschäft in direkter Konkurrenz zum King Performance und dem The King Exclusive Chess960 Edition stehen.

Das gefühlt inflationäre Veröffentlichen von Sondereditionen ohne greifbaren Mehrwert hat einen ziemlich faden Beigeschmack. Ich würde mich nicht wundern, wenn bei zukünftigen Sondereditionen ein Dankschreiben beigefügt wird, in welchem sich Millennium 2000 beim Sammler dafür bedankt, das er nun zum fünften Mal das gleiche Produkt gekauft hat. 😉

Bis bald

Euer Benny 🙂

Fritz 17 mit FAT FRITZ und verbesserter Fritz 16 (Rybka) Engine

Hallo Schachfreunde,

wie ich soeben erfahren habe, wird bei Fritz 17 die FAT-FRITZ-Engine in physikalischer Form mitgeliefert. Es besteht also nicht einfach nur eine Cloud-Anbindung. Das sind gute Neuigkeiten. Einen kleinen Haken hat die Sache aber trotzdem. Um in den Genuss von FAT FRITZ zu kommen, muss der heimische Rechner über eine oder besser mehrere starke GPUs (meist in Form von Grafikkarten) verfügen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Allerdings werden nicht alle auf dem Markt erhältlichen GPUs unterstützt. Chessbase wird hier noch eine Info veröffentlichen.

Zusätzlich soll es in Fritz 17 auch wieder eine normale Engine geben. Es handelt sich hierbei um die bereits in Fritz 16 eingesetzte „Rybka“-Engine mit leichten Verbesserungen.

Soweit das kleine Update.

Fritz 17 kommt am 12.November in die Läden und kann bei uns schon vorbestellt werden.

https://www.topschach.de/fritz-ganz-grosse-schachprogramm-p-4207.html

Bis bald

Euer Benny

DGT Centaur modifizieren

Schon seit längerer Zeit arbeite ich in meiner Freizeit an einigen Modifikationen des DGT Centaur. Thema sind unter anderem das Abspeichern von gespielten Partien und natürlich die WLAN- und Bluetooth Funktionalität. Das Programmieren am Seriengerät des DGT Centaur gestaltet sich hierbei etwas mühselig. Jeder DGT Centaur besitzt einen Raspberry Pi Zero mit entsprechender SD-Karte. Diese SD-Karte ist bei jedem Gerät an die vorhandene Hardware gebunden. Mit einigem Aufwand konnte ich diese Hürde überwinden. Problematisch war zu Anfang aber noch, dass die meisten Python-Dateien auf der SD-Karte nur in verschlüsselter Form vorliegen.

Aber auch hier könnte ich eine passende Lösung finden. Wenn man das Programm im laufenden Betrieb unterbricht, hat man über das Display des DGT Centaur kompletten Zugriff auf alles Nötige.

Damit ist es nun möglich, direkt im Display des DGT Centaur zu programmieren. Das alles ist natürlich etwas fuzzelig, aber wo ein Wille ist… 😉 Das Abspeichern von Partien funktioniert bereits recht gut. Die entsprechenden Routinen gab es zu meiner Verwunderung sogar schon im Quellcode. WLAN und Bluetooth konnte ich auch schon zum Laufen bringen, jedoch fehlt es noch an einer ordentlichen Eingabemaske im Display. Zusätzlich sollen natürlich noch in der oberen Taskleiste neben dem Akku-Symbol sowohl ein WLAN-Zeichen, als auch ein Bluetooth-Zeichen erscheinen.

Ebenfalls ist das Onlinespielen in Arbeit. Hier habe ich mich zunächst auf den FICS-Server beschränkt, da ich beim ICC noch etwas mit dem „Timeseal“ zu kämpfen habe. Die Timeseal-Funktion sorgt für die Synchronisation der Zeit auf dem Server und der Zeit im Client. Unter anderem soll damit auch Time-Cheating verhindert werden.

Es ist also noch viel zu erledigen 🙂 Wer schon jetzt ein paar Sachen testen möchte, ist herzlich eingeladen in unserem Schachcenter vorbeizuschauen.

Den DGT Centaur haben wir übrigens ständig auf Lager 🙂 Wer noch keinen hat, kann ihn hier bestellen: https://www.topschach.de/centaur-schachcomputer-p-4161.html

Bis bald

Euer Benny

Fritz 17 – Immer noch das ganz große Schachprogramm?

Auch 28 Jahre nach der ersten Fritz Version wird die in Hamburg ansässige Firma Chessbase nicht müde, das bekannte Schachprogramm Fritz in der nun 17. Neuauflage zu veröffentlichen. Das einst stärkste Schachprogramm hat seit Stockfish & Co. in den Bereichen Spielstärke und Analyse nicht mehr viel zu melden. Spätestens seit Version 13 war Fritz mit all seinen guten Funktionen ausgereift und gut. Alle Versionen die danach kamen, hatten lediglich irgendwelche Spielereien, die kein Schachspieler braucht. Dementsprechend gingen von Version zu Version auch die Verkaufszahlen eklatant zurück.

Fritz 17 Schachprogramm

Wie soll man auch ein Schachprogramm verbessern, dass bereits alle Funktionen die sich Schachspieler wünschen besitzt?

Schaut man in die Produktbeschreibung von Fritz 17, liest sich das fast wie die Produktbeschreibung von Fritz 16. Aber ein Punkt erweckte dann doch meine Aufmerksamkeit:

Jetzt mit: FAT FRITZ! Die auf der AlphaZero Technik basierende KI-Schach-Engine, ein selbstlernendes neuronales Netzwerk!

FAT FRITZ soll es also richten. Hinter FAT FRITZ steckt allerdings nichts weiter, als das kostenlose LC0-Open-Source-Projekt (Leela Zero), welches sich jeder interessierte Schachspieler kostenlos herunterladen und installieren kann. Chessbase verschweigt diesen Fakt sehr gekonnt. Der einzige Unterschied ist, dass Chessbase bei FAT FRITZ ein eigenes WEIGHT-File erstellt hat. WEIGHT-Files beinhalten das „Schachwissen(Stellungsbewertungen)„, welches der Engine durch eine Vielzahl von Schachpartien antrainiert wird.

Hier wurden laut Chessbase bei FAT FRITZ eine Vielzahl von historischen Partien verwendet, um die Engine im Analyseeinsatz auf ein hohes Level zu heben. FAT FRITZ kann man bereits seit einigen Wochen in der Chessbase-Cloud finden und mieten. Die Nachfrage ist allerdings, soweit ich das beurteilen kann, ziemlich gering.

In Fritz 17 soll diese Engine nun enthalten sein, wobei nicht klar ist, ob man diese, wie bereits möglich, nur über die Engine-Cloud mieten kann oder ob die Engine tatsächlich im Paket enthalten ist und physikalisch auf dem heimischen Rechner installiert werden kann. Nur Letzteres wäre für viele Schachspieler ein Kaufgrund, wie eine Kundenumfrage ergab.

Auch würde es die Preissteigerung von 69,90€ für Fritz 16 auf 79,90€ für Fritz 17 erklären.

Ab dem 12. November wird Fritz 17 erhältlich sein und spätestens dann wird dieses Geheimnis wohl gelüftet werden.

Wer möchte, kann Fritz 17 aber schon jetzt vorbestellen:

https://www.topschach.de/fritz-ganz-grosse-schachprogramm-p-4207.html

Bis bald

Euer Benny

TATORT BERLIN Colloquium

Die Dreharbeiten zum TATORT BERLIN mit dem Titel „Colloquium“ laufen auf Hochtouren und in einigen Szenen spielt laut Drehbuch ein Schachcomputer eine wichtige Wolle. Wir vom Team Topschach werden immer wieder als Berater für TV-Produktionen, in welchen Schach eine Rolle spielt, hinzugezogen. Einmal mehr mussten wir uns entscheiden, welcher Schachcomputer für die Szenen geeignet ist und über die vom Drehbuchautor geforderten Funktionen verfügt. Wir haben uns für den Revelation II AE entschieden.

Über die Story darf noch nicht viel verraten werden, aber zwei Bilder vom Set geben einen guten Vorgeschmack 😉

Tatort Berlin Colloquium

Der Revelation II AE beim Tatort Berlin

Tatort Berlin Colloquium Schachcomputer

Ein hübsches Matt in 5 Zügen

Ausgestrahlt wird diese Tatort-Folge im Herbst und ich kann schon jetzt sagen, dass die Story spannend und voller Intrigen ist. Mehr Infos zum Dreh, den Schauspielern und der Story werde ich ebenfalls im Herbst veröffentlichen.

Bis bald

Euer Benny

Game Changer & Man vs Machine – Zwei Buchempfehlungen

Auf aktuelle Bücher über Schachcomputer und Schachengines trifft man heutzutage eher selten. Zwar wird der Schachmarkt Monat für Monat mit neuen Schachbüchern überschwemmt, aber so richtige Perlen muss man dabei schon suchen. Umso erfreulicher ist, dass mit Game Changer und Man vs. Machine fast zeitgleich zwei Titel über Computerschach veröffentlicht wurden, welche ich jedem Schachspieler und Schachcomputerfreund ans Herz legen kann.

Fangen wir mit Game Changer an. Das Autoren-Duo GM Matthew Sadler und IM Natasha Regan bringt neben der schachlichen, auch die berufliche Kompetenz mit. Er als Informatiker und Sie als Mathematikerin. Diese Kompetenzen sind auch dringend notwendig, denn Thema des Buches ist das auf künstlicher Intelligenz basierende Programm AlphaZero. Wie es der Zufall will, ist der Chefentwickler und Erfinder von AlphaZero, Demis Hassabis, ein Jugendfreund von GM Matthew Sadler. Dieser gab dem Großmeister die Möglichkeit, einen tiefen Blick hinter die Kulissen von AlphaZero zu werfen. Ganze 2000 Partien wurden den Autoren zur intensiveren Analyse bereitgestellt und als ob das nicht schon Grund genug zur Freude gibt, hatte Matthew Sadler die sagenhafte Möglichkeit, selbst gegen das Schachmonster AlphaZero Partien zu spielen.

Herausgekommen ist eines der wirklich interessantesten Schachbücher der letzten Jahre. Selbst Schachspieler, welche sich nicht für Computerschach interessieren, werden die  lehrreichen Analysen mit Spannung verfolgen. Für Schachweltmeister Magnus Carlsen sind die Partien von AlphaZero ein Quell der Inspiration.

Ab sofort bei uns im Shop:

Game Changer

Damit kommen wir auch schon zum zweiten Buch. Man vs. Machine zeigt die Geschichte des Computerschachs auf. Angefangen mit dem noch getürkten Schachtürken aus dem 18. Jahrhundert, bis hin zum hier und jetzt. Wussten Sie, dass selbst Bobby Fischer gegen Schachcomputer angetreten ist?

Man vs. Machine

Auf gut 500 Seiten wird der rasante Aufstieg der Schachcomputer durchleuchtet. Viele Anekdoten bieten Gelegenheit zum Schmunzeln und Hintergrundgeschichten sorgen für den Aha-Effekt. Zahlreichen Partieanalysen runden dieses Werk ab. Alle wichtigen Personen der damaligen und heutigen Zeit kommen zu Wort. Ziemlich interessant waren für mich auch die Dinge, welche nicht in dem Buch stehen. So wird die Firma Mephisto in diesem Buch nur am Rande mit 3 unkommentierten Partien erwähnt. Anderen Firmen der damaligen Zeit, wie beispielsweise Fidelity und Novag, wurde etwas mehr Raum gegeben. Die Autoren Karsten Müller und Jonathan Schaeffer haben es geschafft, dem Leser alle wichtigen Entwicklungen im Computerschach verständlich näher zu bringen.

Für mich eine klare Kaufempfehlung.

Ab sofort bei uns im Shop:

Man vs. Machine

 

Soweit mein kurzer Abriss zu beiden Büchern. 😉

Bis bald

Euer Benny

Ein „Roter Hering“ des Computerschachs

Die mediale Präsenz des DGT Centaur stieg in den letzten Wochen so rasant an, dass auch ziemlich unbekannte Schach-Individuen sich dazu berufen fühlten, ein paar Partien gegen diesen Bestseller-Schachcomputer zu spielen. So auch der DWZ- und vereinslose spirituelle Lebensberater Hartmut H. aus Nürnberg. Waren wir zunächst fasziniert von seinen leichten Siegen die er online in seinem einsamen Kämmerlein gegen den DGT Centaur im Modus „Challenging“ erspielte, kam es schnell zur Ernüchterung, als Hartmut H. „seine“ Analysen zu diesen Partien veröffentlichte.

Man muss das Wort „seine“ in Anführungszeichen setzen, denn was er präsentierte, war nichts weiter als die automatische Vollanalyse des Fritz-Programms. Hierbei gibt man einfach eine gespielte Schachpartie in das Fritz-Programm ein, drückt ein Knöpfchen und kurze Zeit später spuckt Fritz eine eher unbrauchbare Analyse der Partie mit Hinweis auf Vorgängerpartien, Varianten und belanglosen Kommentaren aus.

Hartmut H. ergänzte diese automatisch erzeugten Analysen mit oberflächlicher Polemik. Er bezeichnet Züge des Centaur als lächerlich und bringt zum Ausdruck, mit welcher Leichtigkeit er doch den Centaur im Modus „Challenging“ bezwingen kann. Dabei schafft es Hartmut H. allerdings nicht, eine Stellung mehr als einen Zug tief zu analysieren. Seine Kommentierung ist daher an Oberflächlich- und Belanglosigkeit nicht zu überbieten.

Ich wollte es genauer wissen und habe Hartmut H. an einem Vormittag unter der Woche per Telefon aus dem Bett geklingelt. Auf seine Analysen angesprochen wurde sehr schnell klar, dass Hartmut H. von Schach wenig bis keine Ahnung hat. Die in „seinen“ Analysen automatisch von Fritz erstellten Varianten konnte er genauso wenig erklären, wie die gängige Eröffnungstheorie „seiner“ gespielten Varianten.

Roter Hering

Der Rote Hering. Hatte ich nach dem Lesen der Partie-Kommentare von Hartmut H. ziemliche Bedenken gegenüber seiner schachlichen Kompetenz, war ich mir nach dem Telefonat mit Hartmut H. ziemlich sicher, dass die von Hartmut H. gegen den Centaur gespielten Partien nicht so richtig zu seinem Schach-Skill passen. Vergleiche ich seine Äußerungen mit denen von einigen meiner Schach-Schüler, würde ich den DWZ- und vereinslosen Hartmut H. auf etwa 1100-1200 DWZ schätzen.

Der Modus „Challenging“ des DGT Centaur ist selbst für starke Vereinsspieler eine ordentliche Herausforderung. Die Leichtigkeit, mit welcher Hatmut H. den Centaur in diesem Modus bezwungen haben will, hatte noch nicht einmal unser Internationaler Meister Thomas Reich.

Wir haben Hartmut H. die Chance gegeben, bei uns im Schachcenter vor Ort gegen einen beliebigen DGT Centaur im Modus „Challenging“ fünf Partien zu spielen. Würde er auch nur eine Partie gewinnen, hätte er von uns ein Preisgeld in Höhe von 1000,-€ erhalten. Wir haben Hartmut H. dieses Angebot zugesendet und erhielten, wie wir es erwartet hatten, ziemlich skurrile Ausreden, warum er nicht bereit sei, live vor Ort gegen den DGT Centaur zu spielen.

Diese Ausreden passten überhaupt nicht zu den prahlerischen Äußerungen in seinen Partieanalysen. Man sollte meinen, dass jemand der mit solch einer Leichtigkeit gegen den DGT Centaur gewinnt, in Nürnberg ins Auto steigt, die etwa eine Stunde Fahrzeit in Kauf nimmt und sich die 1000,-€ abholen würde.

Anstatt sich wie ein Ehrenmann dem DGT Centaur vor Ort zu stellen, verbreitete Hartmut H. ein Gegenangebot über ein zwielichtiges Forum. Hierin teilte er unter anderem mit, dass er starker Raucher sei und am Brett quarzen müsste.  Ein Notar solle ebenfalls vor Ort sein und natürlich sollen die Partien live übertragen werden. Anders als in seinen beiden glorreichen Schnellschach-Online-Partien gegen den DGT Centaur, verlangte er zudem, dass 90 Minuten-Partien gespielt werden. Die Liste der Forderungen klang überhaupt nicht mehr nach dem Hartmut H., der in seinen Analysen den DGT Centaur als lächerlich bezeichnet hat. Per Mail haben wir dieses Gegenangebot nie erhalten. Seine Forderungen waren einfach nur infantil überzogen und dienten nur dem Zweck, nicht gegen den DGT Centaur live vor Ort antreten zu müssen.

Mehr Eier als Hartmut H. hatte die FIDE-Meisterin Anita Just, welche nicht lange fackelte, direkt anreiste und sich dem DGT Centaur stellte:

WFM Anita Just DGT Centaur

Echte Schachspieler haben keine Ausreden und setzen sich ans Brett. 😉

Bis bald

Euer Benny

PS: Updates zu diesem Thema findet ihr in den Kommentaren

Revelation II AE im TV-Krimi

Es passiert schon häufiger im Jahr, dass mich Anfragen bezüglich Schachcomputern von Filmproduzenten erreichen. Diesmal ist es ein TV-Krimi, in welchem ein hochwertiger Schachcomputer zum Einsatz kommen soll. Ich habe einige Vorschläge gemacht und das Produktionsteam hat sich für den Revelation II AE entschieden. Schon jetzt kann ich verraten, dass der Revelation II AE mit zwei hübschen Mattkombinationen in Szene gesetzt wird.

DGT Revelation Anniversary Edition

Um welchen Krimi es sich handelt und wann dieser ausgestrahlt wird, verrate ich demnächst. 😉

Euer Benny