Chess for Android unterstützt ab sofort die DGT 3000 Schachuhr

Softwareentwickler Aart Bik war die letzten Monate nicht untätig und hat seine kostenlose Schach-App Chess for Android um ein wichtiges Feature erweitert. Ab sofort kann eine an ein DGT Brett angeschlossene DGT 3000 Schachuhr zur Anzeige der Bedenkzeit und der gegnerischen Züge verwendet werden.

In meinen Tests funktionierte dieses neue Feature auf Anhieb und online gespielte Blitzpartien machen mit dieser App in Verbindung mit der DGT 3000 Schachuhr nun noch mehr Spaß. Ebenso sind damit nun auch virtuelle Vereinsabende möglich. Durch die aktuellen Corona-Einschränkungen findet der Spielbetrieb von Schachvereinen praktisch nur noch online statt. Mit DGT-Sets und einer Zoom-Session kann ein Vereinsabend lebensecht ausgeführt werden und es ist ein tolles Gefühl, endlich mal wieder mit seinen Freunden aus dem Schachverein an einem richtigen Brett die Klingen zu kreuzen.

Großes Lob an Aart Bik, dass er uns Schachspielern mit seiner kostenlosen App ein Stück Normalität zurück gibt. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Chessbase 16 – Auf der Suche nach dem Sinn – Testbericht

Es ist mal wieder soweit. Die kleine Softwareschmiede aus Hamburg geht mit der neusten Chessbase Version in die sechzehnte Runde. Vor dem Release wurden vom CB-Programmierer Matthias Wüllenweber einige Videos veröffentlicht, in welchen er auf die Neuerungen von Chessbase 16 gegenüber Chessbase 15 eingeht. Mit dabei ist auch Arne Kaehler (Kreativer Kopf bei CB), welcher die sachlichen Vorträge von Wüllenweber durgehend mit „Super“, „Wahnsinn“, „Das gibt’s ja nicht“, „Ist ja Hammer“, etc. untermalt. Wer die Marktschreier aus dem Teleshopping kennt, weiß was ich meine ;-).

Die Videos sind relativ kurz und lassen insgesamt mehr Fragen offen, als man zu Anfang der Videos hatte. Grund hierfür ist, dass Wüllenweber größtenteils vorgefertigte Ergebnisse liefert, aber oftmals nicht den Weg, wie man zu den Ergebnissen kommt. Bei den Neuerungen handelt es sich zum Einen um leichteres Arbeiten mit bisherigen Funktionen und zum anderen um ein kosmetisches Refresh des mittlerweile nicht mehr stark frequentierten PlayChess-Servers.

Fangen wir mit der wohl wichtigsten Neuerung an. Dem Übersichten-Tab:

Chessbase 16

Der Anwender erhält mit dieser neuen Funktion die Möglichkeit, sich neue Ideen zu seinen Lieblings-Eröffnungen/Varianten automatisiert erstellen zu lassen. Bis Chessbase 15 musste man dies noch manuell machen, indem man sich Zug für Zug durch die gewünschte Eröffnung mittels der immer aktuelle Online-Live-Partiendatenbank von Chessbase klickte, oder die lokale Referenzdatenbank auf seinem Rechner hierfür nutzte. In Chessbase 16 wurde dieser arbeitsintensive Schritt automatisiert, jedoch mit einem dicken Haken.

Die Online-Live-Partiendatenbank steht bei dieser neuen Funktion nicht zur Verfügung. Grundlage für die Ergebnisse ist ausschließlich eine eigene lokale Partien-Datenbank, welche viele Millionen Partien enthalten muss, um Ergebnisse zu liefern. Diese lokale Partien-Datenbank muss man auch immer schön aktuell halten. Es wäre wirklich komfortabel gewesen, wenn Chessbase dieser Funktion den Zugriff auf die Online-Live-Partiendatenbank gegeben hätte. Der Grund für diese Einschränkung ist ziemlich offensichtlich. Anwender von Chessbase 16 sollen sich neben den von Chessbase angebotenen kostenpflichtigen Partien-Datenbanken Big Database 2021 und Mega-Database 2021 am besten auch noch das kostenpflichtige Partien-Update-Abo kaufen. In den Mega- und Premium-Paketen von Chessbase 16 sind Schnupper-Abos und entweder die Big oder Mega 2021 enthalten. Käufer der sog. Chessbase 16 Einzel-Version ohne Datenbanken schauen hierbei erstmal in die Röhre.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass praktisch jeder Vereins- und Turnierspieler bereits Chessbase 15 und eine Referenzdatenbank mit Millionen Partien besitzt und dies kein Problem darstellt. Das stimmt natürlich, jedoch werden diese Anwender wohl eher auf die günstigere Upgrade-Version von Chessbase 16 zurückgreifen. Neue Schachspieler, welche sich zum ersten Mal Chessbase zulegen und die günstigste Version (Chessbase 16 – Einzelversion) kaufen, benötigen auf jeden Fall eine Referenzdatenbank mit mehreren Millionen Partien.

Ich denke, dass sich Chessbase keinen Zacken aus der Krone gebrochen hätte, wenn sie zumindest ab dem StarterPaket den Zugriff auf die Online-Live-Partiendatenbank bei dieser neuen Funktion freigegeben hätten.

Aber gut, schauen wir uns die Funktion namens „Übersichten“ mal an. Als alter Theoriefuchs habe ich direkt eine Variante des Budapester-Gambits eingegeben, an welcher ich in meiner Freizeit ziemlich zeitintensiv herumforsche:

Chessbase 16

Bisher habe ich für die Erforschung von Eröffnungen die Software Aquarium von ChessOK verwendet. Diese bietet für diesen Bereich der Schachanalyse enorm viele Möglichkeiten, jedoch sind diese ausschließlich engine-basiert. Nun gut,- mit einer Referenzdatenbank (14 Millionen Partien) im Gepäck, wähle ich die Optionen „Modevarianten“ und „Meister“ für „Schwarz“ und klicke auf „Übersicht neu erzeugen“.

Es passiert…….nichts. Gerade mal 4 Partien will Chessbase 16 in meiner 14 Millionen Partien-Datenbank gefunden haben, was für die Erstellung eines Ergebnisses wohl nicht ausreicht. Bei einem Fund von 4 Partien kann man auch nicht von einer Modevariante sprechen. Ich wiederhole den Vorgang und wähle diesmal „Traditionell„.

Hier das Ergebnis:

Chessbase 16

Nun, ja, was soll ich sagen? Arne Kaehler (Kreativer Kopf bei CB) würde an dieser Stelle wohl „Super!“ oder „Wahnsinn!“ rufen. Mich hat das nicht vom Hocker gehauen. Aber gut. Schauen wir mal weiter. Diesmal nehme ich eine bekannte Variante im Spanier (Marshall-Angriff):

Chessbase 16

Die Hauptvariante wäre 11…c6, aber ich finde 11…Sf6 gegen Vereinsspieler ohne Theoriewissen ziemlich in Ordnung 😉

Hier das Ergebnis:

Chessbase 16

Also irgendwie sah das in den Videos von Wüllenweber etwas interessanter aus. Um es kurz zu fassen: Je tiefer eine eingegebene Eröffnungs-Variante ist, desto weniger Partien stehen diesem automatischen Prozess zur Verfügung. Entsprechend dürftig ist dann auch das Ergebnis. Wohlgemerkt arbeite ich mit einer Datenbank, in welcher 14 Millionen Partien enthalten sind. In der von Chessbase angebotenen Datenbank sind um die 8 Millionen Partien enthalten. Es ist klar, dass schon nach wenigen Zügen ziemlich viele Partien in der Datenbank für die Analyse nicht mehr in Betracht kommen. Nach den Zügen 1.e4 e5 fallen logischerweise alle in der Datenbank enthaltenen Partien mit beispielsweise 1.d4 d5 komplett weg. Eine Datenbank mit 14 Millionen Partien wirkt nur auf den ersten Blick als eine mächtige Datengrundlage. Bei diesem neuen Feature offenbar nicht ausreichend.

In praktisch allen von mir getesteten Varianten mit mehr als 10 Zügen, waren die Ergebnisse ernüchternd. Aber wie sieht es aus, wenn man ganz spartanisch nur 3 Halbzüge vorgibt? Ich habe mich für das Königsgambit entschieden und möchte eine Variantenauswahl im Gambit-Stil für Weiß. Gesagt getan:

Chessbase 16

Das sieht auf jeden Fall schon besser aus. Ich erhalte eine schöne Übersicht an Eröffnungsvarianten im Königsgambit, welche dem Gambit-Stil treu bleiben. Aber Moment! Gibt es hierzu nicht bereits seit der ersten Chessbase-Version die Filter-Funktion? Ja! – Nimmt man seine Referenzdatenbank und stellt den Filter auf 1.e4 e5 2.f4 und setzt den Filter auf Gambit/Opfer und die Voraussetzung, dass Weiß gewinnt, bekommt man nahezu identische Ergebnisse. Anschließend verschmelzt man die gefundenen Partien in eine Partienotation und man hat fast den gleichen Variantenbaum. In Chessbase 16 ist dieser durch die Möglichkeit des Auf- und Zuklappens von Varianten natürlich hübscher.

Als Matthias Wüllenweber die Funktion im Video vorgestellt hat, fand ich es ziemlich spannend. Jetzt, nachdem ich mich mit der Funktion ziemlich lange auseinandergesetzt habe, bin ich ziemlich ernüchtert. In Chessbase gibt es neben der Filter-Funktion auch seit vielen Jahren den sog. Eröffnungsreport, mit welchem man sich alles Wissenswerte über eine Eröffnung und deren Varianten anzeigen lassen kann.

Bei zu langen Varianten ist diese neue Funktion nahezu nutzlos und bei kurzen Varianten einfach zu global. Die Verwendung der Filterfunktion mit anschließendem Verschmelzen der Partien sind zwei Arbeitsschritte. Mit der neuen Funktion wird ein Arbeitsschritt gespart. Matthias Wüllenweber spricht im Video davon, dass man sich bisher mühselig durch die Referenzdatenbank klicken musste, um interessante Züge und Varianten zu finden. Ja, das habe ich vor vielen Jahren auch noch so gemacht, bis ich mich intensiver mit der mächtigen Filter-Funktion von Chessbase auseinandergesetzt habe, welche seit Jahrzehnten in Chessbase enthalten ist.

Was denn nun so neu sein soll an dieser Funktion, kann ich aktuell nicht sagen. An dieser Stelle noch ein Wort zu den auswählbaren Optionen „Einstieg„, „Klub„, „Turnier„, „Meister„, etc. – Wenn man diese Funktion nutzt, sollte man immer mindestens „Meister“ wählen. Das kann man auch machen, wenn man kein Meister ist. Mit dieser Auswahl wird lediglich die Variantenlänge beschnitten und meiner Meinung nach hat man hier genau falsch herum gedacht. Wählt man beispielsweise „Einstieg“, bekommt man nur dürftige Informationen und Varianten sind hier und da nur 2-3 Halbzüge lang. Einem Großmeister erschließt sich nach einer handvoll Zügen der Sinn einer Variante, aber als Anfänger benötigt man längere Varianten, um zu verstehen, wohin die Reise führt.

Mein Fazit zu dieser neuen Funktion lautet. „Alter Suchfilter im neuen Design“.

Kommen wir zur nächsten Neuerung „Der Suche nach der Neuerung“:

Chessbase 16

Im Tab LiveBuch gibt es nun den Button „Neuerungen schürfen„. Die Vorgehensweise ist recht einfach. Man klickt sich im LiveBuch durch eine beliebige Eröffnung und sobald man eine Stelle gefunden hat, in welcher es interessant wäre, eine Neuerung zu finden, klickt man den Button und lässt seinen Rechner nach einer Neuerung suchen. Auch hierbei kann man Vorgaben machen:

Chessbase 16

Aber Hey! Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ja! Vor einigen Jahren integrierte Chessbase die „Let’s Check„-Funktion in seinen Programmen. Auch hiermit war/ist es möglich, eine Engine nach Neuerungen zu suchen zu lassen.

Chessbase 16

Auch bei Let’s Check konnte man diverse Einstellungen vornehmen, um die Suche einzugrenzen. Im Erfolgsfall gibt es auch die Meldung vom Server „Neuerung gefunden“. Der einzige Unterschied zu dem neuen Feature in Chessbase 16 ist, dass eine Neuerung bei Let’s Check etwas schwieriger zu finden ist, da hier nicht ausschlaggebend ist, ob jemand die Neuerung bereits gespielt hat. Hat jemand in seiner Let’s Check-Analyse eine Neuerung gefunden, ist dies auf dem CB-Server vermerkt und niemand kann diese Neuerung erneut als „Seine Neuerung“ deklarieren.

Bei der neuen Funktion in Chessbase 16 kann man dies nun etwas erweitert filtern.

Nach längerem Nutzen von Chessbase 16 bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass in dieser neuen Programmversion nur auf den ersten Blick Neues enthalten ist. Was als Neuheiten beworben wird, sind meiner Meinung nach lediglich Verbesserungen/Abwandlungen von bereits vorhandenen Features.

Es ist natürlich auch schwer, das Chessbase-Datenbankprogramm alle zwei Jahre neu zu erfinden. Irgendwann hat dieses Programm alles was das Schachspieler-Herz begehrt und das war um Version 12 bereits der Fall. Aber anstatt ständig an irgendwelchen „neuen“ Features zu schrauben, sollte Chessbase das Programm an sich verbessern. Hier ein Beispiel:

Egal, ob Sie Chessbase 12, 13, 14, 15 oder 16 verwenden, der Kopiervorgang von Partien aus einer PGN-Datei in eine CBH-Datei dauert in allen Versionen gleich lange. Es ist hierbei auch egal, ob Sie einen High-End oder Low-Cost PC verwenden. Bei meinem Test habe ich 240.000 Partien einer PGN-Datenbank in meine Referenzdatenbank (CBH-Format) hinzufügen wollen. Dieser Kopiervorgang hat gute 8 Stunden gedauert. Genauso lange, wie bei CB 12, 13, 14 und 15. Schaut man bei diesem Vorgang in den Taskmanager, sieht man, dass die SSD und die CPU nahezu im Leerlauf arbeiten. Hier ist eindeutig das Programm Chessbase der Flaschenhals.

Gleiches auch bei der Referenzdatenbank. Klickt man sich dort durch die Varianten, ist das bei einer Datenbank mit vielen millionen Partien ein Geruckel und Gezuckel. Genau hier hätte Chessbase ansetzen müssen. Aber nein, es müssen irgendwelche Spielereien als „neue“ Features präsentiert werden. 🙁

Damit schließe ich meinen kurzen Testbericht ab. Auf die diversen kosmetischen Verbesserungen im Playchess-Chat und den neuen 3D-Figurensätzen möchte ich nicht eingehen, da diese höchstens für maximal 0,0001% der Vereinsspieler wichtig sind. Unter uns gesprochen,- ich kenne keinen Schachspieler, der jemals die 3D-Figurensätze in Chessbase-Produkten installiert und verwendet hat.

Chessbase 16 ist kein schlechtes Programm, aber das waren die Versionen 12, 13, 14, und 15 auch nicht. Wie in den Jahren zuvor, bleibe ich auch bei Chessbase 16 bei meinem Rat an alle Neueinsteiger im Schach: „Ein gebrauchtes Chessbase ab Version 12 reicht vollkommen aus und kann günstig bei Ebay, etc. erworben werden.“. Wer bereits Chessbase 15 besitzt zieht vielleicht ein Upgrade auf die 16 in Betracht. Aber auch hier kann ich noch keine Empfehlung geben. Wie bei praktisch jeder neu veröffentlichten Chessbase-Version, tummeln sich auch in Chessbase 16 wieder viele Bugs. Während Chessbase 15 mittlerweile halbwegs rund läuft, muss bei Chessbase 16 wieder nachgearbeitet werden. Angefangen vom unsichtbaren Brettfenster, dass manuell maximiert werden muss, bis hin zu diversen Anzeigefehlern in der Notation. Bei meinem CB16-Test kam die ganze Bandbreite vor.

Chessbase wird diese Bugs aber nach und nach beheben und es wird nicht lange dauern, bis die ersten Update-Hinweise aufpoppen.

Wer sich trotzdem in das Abenteuer stürzen möchte, kann die einzelnen Pakete unter folgenden Links bestellen:

Chessbase 16 – Upgrade von 15: https://www.topschach.de/chessbase-upgrade-p-4217.html

Chessbase 16 – Einzelversion: https://www.topschach.de/chessbase-einzelversion-p-4218.html

ChessBase 16 – Megapaket Edition 2021: https://www.topschach.de/chessbase-megapaket-edition-2021-p-4220.html

ChessBase 16 – Premiumpaket Edition 2021: https://www.topschach.de/chessbase-premiumpaket-edition-2021-p-4221.html

Für alle Sparfüchse noch ein Hinweis. Zu dem kostenpflichtigen Partie-Update von Chessbase, gibt es unter folgendem Link eine kostenlose Alternative:

https://theweekinchess.com/twic

Hier kann man sich jede Woche kostenlos die neusten Partien der laufenden Events- und Turniere im PGN- und CBH-Format herunterladen und damit seine Referenzdatenbank immer auf dem neusten Stand halten.

Bis bald

Euer Benny

Teuerster Schachcomputer im Test

Liebe Schachfreunde,

wer bisher davon ausgegangen war, dass der Revelation II AE  der wohl teuerste und luxuriöseste Schachcomputer auf dem Markt sei, wurde spätestens mit dem Erscheinen des TESLA eines Besseren belehrt. Wir haben darüber an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet. Das Schachprogramm im TESLA war allerdings selbst für schwache Hobbyspieler keine große Hürde.

Nun hat der Automobilkonzern Porsche nachgezogen und um eine wirklich durchdachte Schach-App ein hübsches Auto gebaut. 😉

Teuerster Schachcomputer

Mit dem Taycan 4 S ist Porsche ein wahrer Augenschmaus gelungen. Selten war Schachspielen so komfortabel, wie in dieser elektronisch angetriebenen Rakete.

Teuerster Schachcomputer

Eine Woche wird dieser Bolide nun auf Herz und Nieren getestet. Ich selbst werde mich hierbei ausschließlich auf die schachlichen Qualitäten konzentrieren und einen entsprechenden Testbericht veröffentlichen.

Seid gespannt 😉

Euer Benny

 

DGT präsentiert die neuste Generation der DGT-Bretter für Turnierübertragungen

DGT USB C

Seit über 20 Jahren dominiert die Firma DGT im Bereich der Liveübertragungen von Schach-Events. Vom lokalen Schachturnier bis hin zur Weltmeisterschaft werden die Partien auf DGT-Brettern gespielt und damit einem immer größer werdenden Publikum live im Internet präsentiert.

Liveübertragung im Topschach Schachcenter

Liveübertragung im Topschach Schachcenter mit den herkömmlichen seriellen DGT-Brettern

Die bei Liveübertragungen eingesetzten DGT-Sets basierten hierbei immer auf seriellen BUS-Schnittstellen. Anders als bei den USB- und Bluetooth-Brettern von DGT, erlaubt der Einsatz von seriellen Schnittstellen eine enorme Reichweite zwischen dem PC der die Partien überträgt und den im Verbund angeschlossenen DGT-Brettern.

In den letzten Jahren wurden USB-Schnittstellen immer weiter entwickelt und mit der Entwicklungsstufe USB-C offenbarten sich dem Hersteller DGT viele neue Möglichkeiten, die bestehende Technik weiter zu verbessern. Das Ergebnis dieser aufwendigen Entwicklungsarbeit kann sich sehen lassen.

Die technischen Verbesserungen:

  • Höhere Abtastrate pro Sekunde
  • Neue Smart-Scanning-Technik
  • Neue zukunftssichere Hardware-Technik im DGT-Brett
  • Der Einsatz von USB-C Kabeln benötigt weniger Platz am Brett
  • Der Energiebedarf der DGT Bretter wurde drastisch reduziert
  • Liveübertragungen laufen selbst bei Bulletpartien stabil und fehlerfrei

100% kompatibel zu allen DGT-Brettern:

  • Bei Liveübertragungen können die bisherigen seriellen DGT-Bretter mit den neuen USB-C Brettern gemischt eingesetzt werden.
  • Die neuen USB-C Bretter sind mit den Uhren DGT 3000, DGT Pi, DGT Echo und der DGT XL kompatibel
  • Alle bisherigen DGT Sensorfiguren werden unterstützt
  • Die kostenlose LiveChess-Software unterstützt die neuen USB-C Bretter

Seit einiger Zeit befindet sich auch ein neues kabelloses Live-Übertragungssystem in der Entwicklung, welches ebenfalls die neuen USB-C Bretter unterstützt. Ein Merkmal dieser neuen Übertragungstechnik wird sein, dass die Energieversorgung der DGT-Bretter direkt über die an den Brettern angeschlossenen Schachuhren stattfindet. Bei den neuen USB-C Brettern wird es zudem keinen Preisaufschlag geben. Bereits vorhandene DGT-Bretter lassen sich problemlos auf die neue USB-C Technik aufrüsten.

Für Entwickler bietet das Verwenden der USB-C Schnittstelle bei DGT Brettern eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten im Bereich der Programmentwicklung. Ein für mich wichtiger Punkt war hierbei auch das automatische Speichern von Partien, Stellungen und Analysen im internen Speicher der DGT Bretter. Im Zusammenhang mit der LiveChess-Software und den USB-C-Brettern funktioniert dieser Punkt nun noch zuverlässiger.

Bei Fragen rund um diese neue Entwicklung von DGT, stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung. 🙂

Bis bald

Euer benny

Corona Rabatt-Aktion von Topschach bis zum 07.10.2020

Liebe Schachfreunde,

seit einigen Wochen läuft nun schon die Corona-Rabatt-Aktion von Topschach, bei welcher ihr euch den DGT Centaur Schachcomputer zum Hammerpreis von 289,-€ schnappen könnt. Nach Rücksprache mit unserem Sponsor wird diese Rabattaktion noch bis morgen den 07.10.2020 fortgesetzt. Die Resonanz auf diese Aktion ist überwältigend und hunderten von Schachspielern wurde seitdem eine günstige Möglichkeit geboten, in Zeiten in denen kein Vereinsabend stattfindet, gegen einen passenden Gegner Schach zu spielen.

Das Angebot findet ihr unter folgendem Link:

https://www.topschach.de/centaur-schachcomputer-p-4161.html

Bis bald

Euer Benny

Mephisto Nigel Short 65F02 100Mhz Testpartie

Über das 65F02 Projekt von Jürgen und Roland habe ich ja bereits Einiges geschrieben. Nun ist es an der Zeit, den 65F02 in der Praxis zu testen. Ich verzichte bewusst auf Schachcomputer gegen Schachcomputer Partien, da ich als Schachspieler am liebsten selbst spiele und mir damit einen besseren Eindruck machen kann, wie stark die 8-Bit Programme mit dem 100 Mhz Tuning laufen.

Als ersten Gegner habe ich mir den Mephisto Nigel Short ausgesucht. Es handelt sich hierbei um einen Mephisto Milano, bei welchem ich das Milano-Programm gegen das Nigel Short-Programm ausgetauscht habe. Im Original läuft das Programm von Ed Schröder in dem Gerät mit einem Takt von knapp 5 Mhz und ich war gespannt, wie sehr dieser Brettcomputer von dem Schub auf 100 Mhz profitieren wird.

Zunächst musste aber erstmal der 65F02 eingebaut werden.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Um an den Prozessor zu kommen, müssen einige Schrauben auf der Unterseite der Platine gelöst werden.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Das ist schnell erledigt. Über dem Nigel Short EPROM ist der Originalprozessor gut erkennbar. Bis hier hin kann man im Prinzip nichts falsch machen. Noch ein kleiner Tipp von mir. Bevor man mit dem Auseinanderbauen von Schachcomputern beginnt, sollte man immer Fotos vom Originalzustand machen. Beim dem vorliegendem Gerät ist das nicht so wichtig, aber es gibt auch Schachcomputer, welche in einer bestimmten Reihenfolge auseinandergebaut und wieder zusammengebaut werden müssen. Man spart sich dadurch eine Menge Arbeit.

Auch ist es wichtig, immer das richtige Werkzeug parat haben.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Für das Entfernen von gesockelten EPROMs und Prozessoren sollte man immer eine entsprechende EPROM/Prozessoren Zange verwenden. Damit geht das sehr einfach und unkompliziert. Nicht wenige Tüftler verzichten auf eine solche Zange und hantieren mit einem Schraubenzieher am Sockel herum. Das kann schnell ins Auge gehen. So eine Zange gibt es für unter einem Euro in jedem Elektroladen und erspart eine Menge Frust 😉

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Haben wir den originalen Prozessor entfernt, setzen wir vorsichtig den 65F02 in die Halterung ein. Die Kerbe auf dem leeren Prozessor-Sockel zeigt uns, in welche Richtung wir den 65F02 einsetzen müssen. Hat das alles geklappt, schrauben wir den Mephisto Nigel Short wieder zusammen. Manchmal ist es ratsam, vor dem Zusammenschrauben den Schachcomputer kurz zu testen. Im Falle des Nigel Short kann man aber wenig falsch machen, weshalb ich mir diesen Schritt spare. 🙂

Ich schließe das Netzteil an und die Meldung „mephisto nigel short“ erscheint im Display. Bevor ich meine erste Partie starte, starte ich Analyse-Modus des Nigel Short, ziehe den Bauern von h2-h4 und drücke den INFO-Button so lange, bis ich die Anzahl der Positionen pro Sekunde sehe, welche der Nigel Short nach h2-h4 berechnet. Im Original sind das etwas über 1000 Stellungen pro Sekunde. Mit dem 65F02 werden nun wahnsinnige 12000 bis 13000 Positionen pro Sekunde angezeigt. Donnerwetter! Der 65F02 funktionert!

Nun aber zur ersten Schachpartie. Für gewöhnlich spiele ich gegen Schachcomputer 15 Minuten Schnellschachpartien auf höchster Spielstufe. Gegen den Nigel Short habe ich im 5 Mhz Betrieb unzählige Partien gespielt und kenne die Schwächen und Stärken des Programms in- und auswendig. Gegen die Programme von Ed Schröder sollte man aus der Eröffnung heraus immer die gegnerische Bauernstruktur in „Unordnung bringen“. Was für jeden besseren Vereinsspieler kein Problem darstellt, wird beim Programm von Ed Schröder schnell zum Problem, wie man an meiner ersten gespielten Partie deutlich sieht.

Ich habe mich mit den weißen Steinen für eine sehr solide Variante im Spanier entschieden, bei welcher ich von Beginn an strukturelle Vorteile im Endspiel haben werde, sofern ein Endspiel aufs Brett kommt. Nach etwa 7 Zügen war das Programm dann auch aus dem Buch und der spannende Teil der Partie begann. Ich muss hier anmerken, dass ich mich in den entstehenden Abspielen wie zu Hause fühle und meine Züge fast a tempo gezogen habe. Ich wollte dem Nigel Short so wenig wie möglich die Gelegenheit geben, meine Bedenkzeit zum Rechnen zu benutzen.

bis zum 9. Zug sah das Spiel vom Nigel Short ziemlich normal aus. Aber 9…a5 würde ich, genauso wie 12…a4 eher als Nullzüge bezeichnen. Mit 22…b6 kam ein weiterer Nullzug hinzu. Mit der Turmverdopplung 21…Tfd8 auf der d-Linie verschwendet der Nigel Short ebenfalls unnötig Zeit. Als Schachtrainer bringe ich meinen Schülern bei, dass man sich vor jedem Zug fragen sollte, inwieweit der geplante Zug das eigene Spiel voran bringt und das gegnerische Spiel stört. Das Spiel von Schwarz wirkte in dieser Partie komplett planlos und ohne Ambitionen. Der Nigel Short hat es mir in dieser Partie ziemlich einfach gemacht und ließ mich seelenruhig einen Angriff am Königsflügel auffahren.

Bei einer Taktung von 100 Mhz hatte ich mit etwas mehr Resistenz gerechnet, aber ich möchte diese Partie etwas relativieren. Die von mir angestrebte Strukturveränderung der Bauernkette am Damenflügel von Schwarz in Verbindung mit einem direkten Angriff am Königsflügel ist die Achillesferse des Programms. Der Nigel Short priorisiert hierbei die Möglichkeit, Türme auf einer halboffenen Linie im Zentrum zu verdoppeln. An für sich eine gute Idee, jedoch lenken ihn diese eigenen positionellen Möglichkeiten davon ab, die Gefahr die am Königsflügel droht, rechtzeitig zu erkennen.

Ein weiterer Fehlgriff war 15…Lxg4. Diesen Läufer muss Schwarz auf jeden Fall behalten, da nach diesem Abtausch das Feld f5 für den weißen Springer auf g3 ein herrliches Plätzchen ist. Der Laie wird nun sagen, dass ein Springer auf f5 problemlos mittels des Bauernzuges g7-g6 vertrieben werden kann, aber genau solche Bauernzüge schwächen die Sicherheit des Königs. Hier laufen eine Vielzahl von positionellen Ideen Hand in Hand. Schwarz sollte in den Abspielen dieser Eröffnungsvariante alles dafür tun, das Läuferpaar  zu behalten.

Ich habe die vorliegende Partie noch nicht mit Stockfish & Co. analysiert. Vielleicht hätte ich bei meinem Angriff irgendwo forciert Matt setzen können, aber das Mehrmaterial und die bessere Bauernstruktur in der Schlussstellung reichen für den vollen Punkt, weshalb ich die Partie abgebrochen habe.

Schuld an dieser Niederlage war einzig das im Nigel Short laufende Programm. Hieran können 100 Mhz auch nichts ändern. Der schnellste Pizza-Lieferdienst macht keinen Sinn, wenn der Pizzabäcker sein Handwerk nicht versteht.

Solche schnellen Siege gegen den Nigel Short sind jedoch nicht die Regel. Ich werde noch einige weitere Partien gegen das Programm spielen und bin mir jetzt schon sicher, dass sich das Programm noch rächen wird. 😉 Wenn der Nigel Short Stellungen aufs Brett bekommt, die ihm liegen, kann er schnell kurzen Prozess machen. Ich versuche natürlich auch in den nächsten Partien, dass nicht zuzulassen.

Bis Bald

Euer Benny

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Noch ahnt der Nigel Short nicht, was auf ihn zurollt.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Langsam zieht sich der Knoten des Schicksals zu.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

Langsam erkennt der Nigel Short die Gefahr, aber da ist es schon zu spät.

Mephisto Nigel Short 100 Mhz

…jetzt folgt noch der Damentausch und das anschließende Endspiel ist für Weiß sehr einfach zu gewinnen.

Update zum 65F02 Turbo für 8-Bit Schachcomputer

Gerade mal drei Tage sind seit meinem Artikel über den 65F02 Turbo vergangen und die Resonanz ist sehr erfreulich. Das es in so kurzer Zeit bereits eine solche Menge an Interessenten gibt, habe ich nicht erwartet und gehe nun fest davon aus, dass Jürgen und Roland eine kleine Serienproduktion in Angriff nehmen.

Turbo für Schachcomputer aus den 90ern

Herzlichen Dank an die Vielzahl von Schachcomputer-Fans, welche sich telefonisch, per WhatsApp und per Mail gemeldet haben. Alle Anfragen werden an die Entwickler weitergeleitet. Um zukünftige Anfragen etwas besser und zeitsparender zu Kanalisieren, habe ich ein kleines Kontaktformular erstellt, mit welchem Roland und Jürgen die Anfragen direkt erhalten.



Bis bald

Euer Benny

Turbo für Schachcomputer aus den 90ern

Vor nicht allzu langer Zeit starteten die beiden Schachcomputer-Freunde Roland Langfeld und Jürgen Müller ein recht aufwendiges und ambitioniertes Projekt, mit dem Ziel, Schachcomputer aus den 90ern einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub zu geben. Beide entwickelten und bestückten hierbei eine Platine, welche den in den 80ern und auch 90ern populären Microprozessor 65C02 emuliert und 8-Bit-Programmen eine Rechengeschwindigkeit von bis zu 100 Mhz erlaubt. Im Original arbeitet der Prozessor nur in Bereichen zwischen 2 und 14 Mhz.

Microprozessor 6502 65F02

Der Original 6502 im Vergleich zum neuen 65F02

Der im Bild gezeigte 6502 unterscheidet sich vom 65C02 nur marginal (einige Fehlerkorrekturen und zusätzliche Befehlssätze).  Bei dem neu entwickelten 65F02 handelt es sich um eine FPGA-basierte Prozessoremulation, die Pin-kompatibel zum 65C02 ist, intern aber mit 100 MHz läuft. Diese 65F02 Prozessoreinheit kann derzeit folgende Schachcomputer auf 100 MHz beschleunigen:

▪ Mephisto Modular II & B&P
▪ Mephisto Rebell 5.0
▪ Mephisto Modular IV & V, Rebel Portoroz (MM X)
▪ Mephisto Polgar
▪ Mephisto Milano & Nigel Short
▪ Novag Constellation Forte A/B
▪ Novag Super Constellation

Der Austausch des Prozessors bereitet keinerlei Probleme und es ist zum Betrieb auch kein spezielles Netzteil erforderlich. Je nach Schachcomputer, müssen jedoch zuvor die auf der Platine vorhandenen Dip-Schalter in die richtige Position gebracht werden. Beim Mephisto Polgar ist dies beispielsweise die Einstellung 1100.

Zukünftige Updates lassen sich über einen USB-Adapter einspielen:

USB Adapter 65F02

Einfach anstecken und der 65F02 kann mit einem lokalen PC (vorzugsweise mit Linux-Betriebssystem) verbunden werden.

USB_Adapter 65F02 angesteckt

Die bisherigen Platinen wurden per Hand gefertigt und befinden sich im Testbetrieb. Die ersten Ergebnisse sorgten für sehr viel Begeisterung in der Schachcomputer-Szene, woraufhin Roland die Idee hatte, diese Entwicklung in eine kleine Serienproduktion fließen zu lassen und als Hobbyprojekt zum Selbstkostenpreis an Interessenten weiterzugeben. Mancher Schachcomputerfreund äußerte, dass eine Serienproduktion von 100 Stück nicht ausreichen würde, um die Nachfrage zu stillen. Eine äußerst optimistische, jedoch eher marktfremde Behauptung.

Bei diesem Produkt handelt es sich um ein Nischenprodukt in der Nische und wäre, wenn es kommerziell entwickelt worden wäre, unbezahlbar. Roland Langfeld und Jürgen Müller müssen an die hundert unbezahlte Stunden investiert haben, um dieses Projekt zu verwirklichen. Sowohl das Platinendesign, als auch die Usability des Endproduktes lassen erkennen, dass wir es hier mit zwei Profis zu tun haben.

Die Euphorie der Interessenten mündete jedoch zum größten Teil nur in Forderungen an Roland, hier und da noch etwas zu ändern und für zusätzliche Kompatibilität von Lieblings-Schachcomputer einzelner Interessenten zu sorgen. Gleichzeitig soll noch Hilfe beim Einbau gegeben werden und im Garantiefall natürlich Ersatz bereitstehen. So etwas erlebt man wirklich nur in der Schachcomputer-Szene 😉 Auf der einen Seite (Roland & Jürgen) soll ein Hobbyprojekt zum Selbstkostenpreis weitergegeben werden und auf der anderen Seite erreichen die Ansprüche vieler Interessenten das Niveau eines kommerziellen Produktes.

Von den zu Anfang noch zahlreichen Interessenten blieben nicht einmal eine handvoll übrig, welche bereit waren, dieses grandiose Projekt zu unterstützen. Für eine maschinell gefertigte Serienproduktion sind mindestens 20 Schachfreunde nötig, deren Interesse an diesem Produkt nicht nur verbal vorhanden ist. Ich finde es schade, dass die Leistung und Arbeit die sich Roland und Jürgen mit der Umsetzung gemacht haben, nicht wirklich gewürdigt wird.

Ob es tatsächlich zu einer Serienproduktion kommen wird, steht in den Sternen. Ich weiß, dass viele meiner Leser Sammler von Schachcomputern sind und auch begeisterte Schachspieler. Welcher Besitzer eines Novag Super Constellation träumt nicht davon, diesen Schachcomputer mit einem der wohl interessantesten Schachprogramme auf 100Mhz zu Leistung zu heben?

Sollte der Eine oder Andere nun Lust bekommen haben seine Sammlung um ein weiteres Kapitel Schachgeschichte zu erweitern, dann einfach bei mir melden. Ich habe in diesem Artikel bewusst auf die Angabe des Selbstkostenpreises verzichtet, da dieser in Abhängigkeit zur Menge einer Serienproduktion steht. Aber eines ist sicher, je mehr Schachfreunde das Ding haben wollen, desto günstiger wird es. 🙂

Roland und Jürgen haben viel Schweiß in die Sache gesteckt und die Schachcomputer-Szene mit diesem genialen Projekt bereichert. Jetzt sind wir am Zug.

Bis bald

Euer Benny

 

 

Stockfish 12 – Das Steckerlfisch schlägt zurück

Stockfish 12

Nachdem wir im letzten Monat bereits Stockfish NNUE unter die Lupe genommen haben, wurde die dort neu angewandte Suchtechnik erfolgreich in Stockfish 12 übernommen.

Stockfish NNUE – Einfach installieren

Stockfish NNUE warf zunächst viele Fragezeichen auf. Allgemein wurde angenommen, dass es eine Mischung aus Leela Zero-Bewertungstechnik und der in Stockfish angewandten Alpha-Beta-Suche (PVS) sei. Oberflächlich betrachtet, kann man dieser Aussage zustimmen, aber es erklärt nicht, wie genau Stockfish 12 seine Varianten berechnet und warum Stockfish 12 so viel stärker spielt, als Stockfish 11.

Ich möchte kurz auf die Funktionsweise eingehen. Genauso wie Leela Zero, verwendet Stockfish 12 sogenannte Bewertungstabellen, in welchen Stellungsmuster gespeichert sind mit entsprechender Bewertung. Bei dieser Bewertung handelt es sich um eine statistische Angabe, ob ein Stellungsmuster tendenziell für eine Seite gewonnen oder Remis ist. Lassen wir Stockfish 12 eine Stellung analysieren, greift die Engine zunächst auf diese Bewertungstabellen zu und gleicht die zu analysierende Stellung mit Stellungsmustern der Tabelle ab. Bei diesem Abgleich prüft Stockfish 12 zudem auch, welche Stellungsmuster aus der Ist-Stellung entstehen können.

Dieser Vorgang ebnet den Weg, welchen Stockfish 12 einschlagen wird und erst wenn dieser Prozess durchgelaufen ist, greift Stockfish 12 mit den zuvor gesammelten Bewertungen auf seine bekannte Alpha-Beta-Suche (PVS) zu. Ein Vorteil ist hierbei, dass schlechte Varianten bereits vorher abgeschnitten werden und sich die Alpha-Beta-Suche (PVS) mit aller Kraft auf die erfolgsversprechenden Varianten konzentrieren kann.

Dieser Prozess findet in Millisekunden statt und wiederholt sich während der Analyse ständig.

Das Beste aus Leela Zero gepaart mit der Rechenpower von Stockfish

Der Otto-Normalschachspieler fragt sich nun, warum bei Leela Zero für die Bewertung von Stellungen GPUs eingesetzt werden müssen, während bei Stockfish 12 CPUs reichen. Bei Leela Zero ist der Aufbau des Bewertungs-Algorithmus auf die einfachen und gegenüber CPUs schnelleren Rechenprozesse von GPUs optimiert. Die Bewertungsprozesse von Stockfish 12 (vor der Alpha-Beta-Suche) sind anders aufgebaut und die Menge der abzuarbeitenden Daten ist geringer, weshalb für eine schnelle Abarbeitung der Daten keine GPUs notwendig sind.

Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage, wie diese Bewertungstabellen von Stockfish 12 entstehen. Hier hat das Stockfish-Team keine Mühen gescheut und durch Schach-Experten verschiedene Konzepte (menschliche Bewertung von Stellungen) in diese Bewertungstabellen per Hand eingepflegt. Dieses „Wissen“ ist die Basis für den den sog. FishTest-Algorithmus, um Bewertungstabellen zu generieren.

Das Generieren von Bewertungstabellen benötigt Unmengen an Rechenpower, aber davon bekommt der Anwender nichts mit. Wenn wir Stockfish 12 herunterladen und installieren, ist diese Bewertungstabelle bereits enthalten. Will man mit Stockfish 12 immer up to date sein, reicht es vollkommen aus, die jeweils aktuelle Bewertungstabelle (Datei) herunterzuladen und in Stockfish 12 einzubinden.

Stockfish 12 Parameter

Nach dem Herunterladen einer neuen Bewertungstabelle, kann man diese in den Parametern von Stockfish 12 unter dem Punkt EvalFile einbinden.

Jeder kann Stockfish stärker machen!

Stockfish ist ein Open Source Projekt, bei welchem eine Vielzahl von Spitzenprogrammierern in der Freizeit ihr Fachwissen in den Programmcode einbringen. Ab sofort können nun auch Nicht-Programmierer zum Erfolg von Stockfish beitragen, indem sie die Rechenkraft ihres heimischen PCs zur Verfügung stellen. Unter folgendem Link kann man sich das Fishtest-Worker Programm herunterladen, welches mit der Basis der Bewertungs-Algorithmen Partien spielt aus deren Ergebnisse/Bewertungen zukünftige Bewertungstabellen entstehen:

https://stockfishchess.org/get-involved/

Stockfish 12 in der Analyse

In meinen Tests konnte der neue Stockfish auf ganzer Linie überzeugen. Ich habe hierzu einige meiner vor gut 10 Jahren gespielten Partien analysiert, welche ich bereits mit den damals gängigen Engines unter die Lupe genommen habe. Ich war überrascht, welche positionellen Resourcen Stockfish 12 in diesen Partien fand, die mir bis heute nicht bekannt waren. Gerade zu Analysieren ist Stockfish 12 ein echter Schatz!

In einigen veröffentlichten Statements zu Stockfish 12 wird darauf hingewiesen, dass sich die Anzahl der berechneten Stellungen pro Sekunde nahezu halbiert haben. Ich möchte diese Aussage etwas relativieren. Anders als in vorherigen Stockfish-Versionen, werden bei Stockfish 12 schon vor der Alpha-Beta-Suche schlechte Fortsetzungen abgeschnitten. Dies bedeutet, dass viel Rechenzeit eingespart wird. Dieser Selektierungsprozess benötigt natürlich auch Rechenkraft, welche der Alpha-Beta-Suche abgezwackt wird.  Das Stockfish-Team hat hier meiner Meinung nach die richtige Mischung gefunden. Was nützen einem 8 Millionen Stellungsberechnungen pro Sekunde, wenn davon 6 Millionen auf den Holzpfad führen? Wenn es bei Stockfish 12 nun 4 Millionen Berechnungen pro Sekunde sind, aber dafür ausschließlich sinnvolle Fortsetzungen,  dann ist die Effizienz dieser neuen Technik augenscheinlich.

Mein Fazit:

Stockfish 12 hat gegenüber den Vorversionen einen riesen Spielstärke-Sprung gemacht. Die eingesetzte Mischung aus Bewertungstabelle und Alpha-Beta-Suche befindet sich erst am Anfang und bietet einen Blumenstrauß an Möglichkeiten zur weiteren Optimierung. Für mich ist diese Engine wieder die Nummer 1 zum Analysieren.

Stockfish 12 kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:

https://stockfishchess.org/download/

Bis bald

Euer Benny