Lishogi – Online Shogi spielen

Mit Lishogi erweitert das Team rund um Lichess sein Angebot um ein weiteres Brettspiel. Mit Lidraughts sind es damit drei Evergreens, welche das Lichess-Team perfekt umgesetzt hat. Wie viele wissen, spiele ich neben Schach auch leidenschaftlich Shogi. Die bisherigen Online-Angebote waren hierzu ziemlich altbacken. Lishogi wirkt frisch, ist schnell und genauso komfortabel nutzbar wie Lichess.

Nachtrag:

Wie ich soeben mitbekommen habe, wurde lishogi.org nicht vom Lichess-Team entwickelt. Da Lichess ein Open-Source-Project ist, hat sich ein Dritter die Mühe gemacht und mit dem vorhandenen Code Online-Shogi umgesetzt. Tolle Arbeit!

Lishogi

Besonders Interessant ist hierbei, dass man neben der Fairy-Stockfish Engine, auch auf die stärkste Shogi-Engine für die Analyse seiner Partien, YaneuraOu, zugreifen kann. Diese Shogi-Engine verwendet die mittlerweile sehr bekannte NNUE-Technik. Auch ist es möglich, online gegen diese Engine zu spielen.

Für jeden Shogi-Spieler ist dieses kostenlose Angebot ein Pflichtklick und wer als Schachspieler noch nie etwas von Shogi gehört hat, sollte auf jeden Fall mal einen Blick drauf werfen.

https://lishogi.org/

Bis bald

Euer Benny

Stockfish 13 steht ab sofort zum Download bereit

Früher als gedacht und stärker als je zuvor, steht die neuste Stockfish-Version ab sofort zum kostenlosen Download bereit.

Stockfish 13 Download

Download unter: https://stockfishchess.org/

Das Stockfish-Team schreibt zu diesem Release, dass der Grund für die vorgezogene Veröffentlichung von Stockfish 13 in der schamlosen Chessbase-Propaganda zu Fat Fritz 2 liegt. Weiterhin wurde mitgeteilt, dass Weiterentwicklungen vom Stockfish-Team nun in schnelleren Intervallen den Anwendern zur Verfügung gestellt werden.

Stockfish 13 ist über 35 ELO stärker als sein Vorgänger Stockfish 12. Das hierzu verwendete NNUE-Netz wurde dazu mit vielen Milliarden Partien trainiert. Die Suchheuristiken wurden nochmals verbessert und auch der Zugriff auf die Bewertungstabellen erheblich beschleunigt. All dies macht Stockfish 13 zur klaren Nummer 1 der verfügbaren Engines.

https://blog.stockfishchess.org/post/643570707142492160/stockfish-13

Bis bald

Euer Benny

 

Statement von Lichess zu Fat Fritz 2

Das Stockfish-Team, das Leela Chess Zero Team und das Lichess Team haben gemeinsam auf dem größten kostenlosen Lichess-Server ein Statement abgegeben:

https://lichess.org/blog/YCvy7xMAACIA8007/fat-fritz-2-is-a-rip-off

Lichess Statement Fat Fritz 2

Bis bald

Euer Benny

Statement vom Stockfish-Team zu Fat Fritz 2

Der Veröffentlichung von Fat Fritz 2 sorgt noch immer für Unruhe in der Stockfish-Community. Ganz aktuell gibt es nun auch ein offizielles Statement aus dem Stockfish-Lager:

Statement Stockfish Fat Fritz 2

Stockfish Statement Fat Fritz 2

Die Änderungen, welche Chessbase am Stockfish-Code vorgenommen hat, kann man unter folgendem Link einsehen:

Code auf GitHub

Hier ein Blick auf die Veränderungen:

Fat Fritz 2 Code

Fat Fritz 2 Code

Fat Fritz 2 Code

Fat Fritz 2 Code

Fat Fritz 2 Code

Die Netzgröße wurde erhöht und auf ein „eigenes“ Netz verlinkt. Der Contempt-Faktor wurde auf Null gesetzt. Das von Chessbase veröffentlichte Video-Interview mit Albert Silver ist an Schamlosigkeit kaum zu überbieten:

Bis bald

Euer Benny

25 Jahre Deep Blue

Am 10. Februar jährt sich der Wettkampf zwischen Garry Kasparow und dem Schachcomputer Deep Blue zum 25. mal. Grund genug für die Deutsche Post, eine Sonder-Briefmarke zu diesem Jubiläum am 1.März 2021 zu veröffentlichen.

Schachcomputer Briefmarke Deep Blue

Für alle Sammler unter den Schachfreunden auf jeden Fall ein Pflichtkauf. 🙂

Euer Benny

Mephisto Nigel Short – Der englische Milano

Gestern hatte ich mal wieder die Gelegenheit, mich per Zoom mit dem seit einiger Zeit als FIDE-Vize-Präsident agierenden Großmeister Nigel Short zu unterhalten. Neben dem Austausch zur aktuellen Marktsituation, nutzte ich die Gelegenheit ihn zu fragen, wie es dazu kam, dass ein Mephisto Schachcomputer seinen Namen trägt. Da die Sache nun schon einige Jahrzehnte her ist, kramte Nigel in seinen Erinnerungen.

Mephisto Nigel Short

Mephisto Nigel Short

Laut Nigel Short, lobte die Firma Mephisto in den 90ern Geldpreise aus und lud u.a. auch Großmeister zu Schachturnieren ein, welche auch gegen die Geräte der Fa. Mephisto antreten mussten. Nachdem Nigel Short bei einem Wettkampf sein Soll erfüllt hat und die seiner Meinung nach zustehenden Geldpreise/Honorare forderte, soll die Fa. Mephisto einen Rückzieher gemacht haben. Nach einigem Hin- und her einigte man sich schließlich zu dem Kompromiss, dass Nigel Short eine kleinere Zahlung erhält und Mephisto im Gegenzug den Schachcomputer Mephisto Milano in England unter dem Label Mephisto Nigel Short vertreiben darf. Kein schlechter Deal für Mephisto, da die Weltmeisterschaft zwischen Kasparov und Short zu dem Zeitpunkt in aller Munde war.

Ich fragte Nigel, ob er bei der Entwicklung des Mephisto Nigel Short mitgeholfen hat und ob ihm Unterschiede es zum Mephisto Milano bekannt sind. Nigel sagte mir, dass nur der Name ausgetauscht wurde und es keine weiteren Anpassungen gab. Er selbst erhielt ein kostenloses Exemplar, dass er heute noch besitzt. Auf die Frage, wann er damit zuletzt gespielt hat sagte er, dass er damit noch nie gespielt hat.

Nigel war ziemlich erstaunt, als ich ihm sagte, dass der Mephisto Nigel Short ein begehrtes Sammlerstück ist, welches bei Auktionen recht hoch gehandelt wird. Mal schauen, ob sein Gerät in der nächsten Zeit bei irgendwelchen Auktionen zu finden ist. 😉

Bis bald

Euer Benny

Fat Fritz 2 – Ein unmoralisches Angebot

Bereits mit Fat Fritz 1 sorgte die Firma Chessbase bei nicht wenigen Programmierern und Anwendern für Unmut, da hinter dem kommerziellen Produkt Fat Fritz nichts anderes steckte, als die Open Source Technik von Lc0 (Leela Zero). Eine Engine mit bahnbrechender Technik, welche jeder Schachfreund kostenlos herunterladen kann.

An 9. Februar 2021 veröffentliche Chessbase nun die zweite Version von Fat Fritz. Diesmal bediente sich das Unternehmen am Source von Stockfish 12 und dessen revolutionärer NNUE-Technik. Bei Stockfish handelt es sich um ein Open-Source Projekt, an welchem eine Vielzahl von Programmierern in ihrer Freizeit arbeiten und allen Schachfreunden kostenlos zum Download anbieten. Der Quellcode ist für jeden frei zugänglich.

Stockfish 12 Inside

Stockfish 12 Entwickler Tord Romstad reagierte mit einem Tweet auf die moralisch sehr bedenklichen Geschäftspraktiken der Firma Chessbase:

Immer öfter gerät Chessbase mit diesen Praktiken in die Kritik. Seit vielen Jahren investieren die Entwickler von Stockfish ihre Zeit und ihren Schweiß und schenken uns Schachspielern die stärkste Schachengine mit der innovativsten Technik. Chessbase greift sich die Leistung der Stockfish 12 Entwickler ab und verlangt für das auf dieser Technik basierende Fat Fritz 2.0 knapp 100,-€.

Fat Fritz 2 fühlt sich wie eine Mogelpackung an!

Und Chessbase setzt noch einen drauf. Bei der von Chessbase zu Fat Fritz 2 an Händler versendeten Produktbeschreibung wird der Name Stockfish verschleiert:

Stockfish 12

Stocksh = Stockfish

Schachspielern, welche sich in der Schachcomputer- und Schachengine-Szene nicht auskennen, wird damit die Chance genommen, selbst zu recherchieren, was tatsächlich hinter Fat Fritz 2 steckt. Ebenso werden mit diesem „Schreibfehler“ entsprechende Suchanfragen per Google umgangen. Wer nach „Stocksh“ sucht, wird kein Stockfish finden. Das es sich hierbei um einen unabsichtlichen Schreibfehler handelt, kann ausgeschlossen werden. Er kommt in der Produktbeschreibung einfach zu oft vor.

Täter: Nein Herr Staatsanwalt, er ist mir ins Messer gelaufen! – Staatsanwalt: Aber doch nicht 23 mal!“

Aktuelle Anmerkung (16.02.2021):

Ein Leser machte heute auf Folgendes aufmerksam: „Das war ein DTP Fehler – „Fi“ ist ja beim Setzen eine Ligatur und daher häufig mal ein Sonderzeichen, wenn man es aus einem anständigen PDF etc kopiert – und dann fehlt das „fi“ einfach – das wirds wohl gewesen sein.“

Normalerweise würde ich an dieser Stelle einen Produktlink zu Fat Fritz 2 anbringen, aber aus gutem Grund verzichte ich darauf und verlinke zum Original:

Wer die beste Engine für seine Analysen kostenlos herunterladen möchte, kann dies unter folgendem Link:

https://stockfishchess.org/download/

Infos zur NNUE Technik gibt es hier:

Stockfish NNUE – Einfach installieren

Stockfish 12 stelle ich hier vor:

Stockfish 12 – Das Steckerlfisch schlägt zurück

Bis bald

Euer Benny

DGT Centaur, DGT Pi und DGT Sets! – Absolute Bestseller

Die Produkte aus dem Hause DGT waren schon immer das Nonplusultra auf dem Schachmarkt und kommen bei Schachspielern egal welcher Spielstärke und Alter sehr gut an. Mit der Ausstrahlung der Netflix Miniserie Damengambit, stieg die Nachfrage zu Schachcomputern und elektronischen Schachsets in ungeahnte Höhen. Seit November steht das Telefon nicht mehr still und täglich bis tief in die Nacht hinein leistet unser Team Support und ist kräftig am Packen.

Topschach DGT Sets und Schachcomputer Bestseller

Der Ansturm auf Schachprodukte ist immens. Der Versand läuft auf Hochtouren.

Zur Marktsituation habe ich im Dezember ein Interview gegeben, welches ihr unter folgendem Link findet:

„Es ist verrückt. Noch nie wollten so viele Leute Schach spielen.“

Der DGT Centaur war schon vor diesem Schachboom ein Beststeller. Im November rasselten dann im Minutentakt die Anfragen zu diesem Schachcomputer rein, was den DGT Centaur wohl zum beliebtesten Schachcomputer aller Zeiten macht. Bis heute hält dieser Boom an und es ist kein Ende in Sicht. Viele Schachspieler haben auch DGT Sets mit DGT Pi für sich entdeckt. Hier hat Schachfreund und Programmierer Dirk vor nicht allzu langer Zeit seine private Version 3 veröffentlicht, welche den DGT Pi um eine Vielzahl an Features erweitert. Aber dazu mehr in einem kommenden Beitrag.

Bis bald

Euer Benny 😉

 

Chess for Android unterstützt ab sofort die DGT 3000 Schachuhr

Softwareentwickler Aart Bik war die letzten Monate nicht untätig und hat seine kostenlose Schach-App Chess for Android um ein wichtiges Feature erweitert. Ab sofort kann eine an ein DGT Brett angeschlossene DGT 3000 Schachuhr zur Anzeige der Bedenkzeit und der gegnerischen Züge verwendet werden.

In meinen Tests funktionierte dieses neue Feature auf Anhieb und online gespielte Blitzpartien machen mit dieser App in Verbindung mit der DGT 3000 Schachuhr nun noch mehr Spaß. Ebenso sind damit nun auch virtuelle Vereinsabende möglich. Durch die aktuellen Corona-Einschränkungen findet der Spielbetrieb von Schachvereinen praktisch nur noch online statt. Mit DGT-Sets und einer Zoom-Session kann ein Vereinsabend lebensecht ausgeführt werden und es ist ein tolles Gefühl, endlich mal wieder mit seinen Freunden aus dem Schachverein an einem richtigen Brett die Klingen zu kreuzen.

Großes Lob an Aart Bik, dass er uns Schachspielern mit seiner kostenlosen App ein Stück Normalität zurück gibt. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Chessbase 16 – Auf der Suche nach dem Sinn – Testbericht

Es ist mal wieder soweit. Die kleine Softwareschmiede aus Hamburg geht mit der neusten Chessbase Version in die sechzehnte Runde. Vor dem Release wurden vom CB-Programmierer Matthias Wüllenweber einige Videos veröffentlicht, in welchen er auf die Neuerungen von Chessbase 16 gegenüber Chessbase 15 eingeht. Mit dabei ist auch Arne Kaehler (Kreativer Kopf bei CB), welcher die sachlichen Vorträge von Wüllenweber durgehend mit „Super“, „Wahnsinn“, „Das gibt’s ja nicht“, „Ist ja Hammer“, etc. untermalt. Wer die Marktschreier aus dem Teleshopping kennt, weiß was ich meine ;-).

Die Videos sind relativ kurz und lassen insgesamt mehr Fragen offen, als man zu Anfang der Videos hatte. Grund hierfür ist, dass Wüllenweber größtenteils vorgefertigte Ergebnisse liefert, aber oftmals nicht den Weg, wie man zu den Ergebnissen kommt. Bei den Neuerungen handelt es sich zum Einen um leichteres Arbeiten mit bisherigen Funktionen und zum anderen um ein kosmetisches Refresh des mittlerweile nicht mehr stark frequentierten PlayChess-Servers.

Fangen wir mit der wohl wichtigsten Neuerung an. Dem Übersichten-Tab:

Chessbase 16

Der Anwender erhält mit dieser neuen Funktion die Möglichkeit, sich neue Ideen zu seinen Lieblings-Eröffnungen/Varianten automatisiert erstellen zu lassen. Bis Chessbase 15 musste man dies noch manuell machen, indem man sich Zug für Zug durch die gewünschte Eröffnung mittels der immer aktuelle Online-Live-Partiendatenbank von Chessbase klickte, oder die lokale Referenzdatenbank auf seinem Rechner hierfür nutzte. In Chessbase 16 wurde dieser arbeitsintensive Schritt automatisiert, jedoch mit einem dicken Haken.

Die Online-Live-Partiendatenbank steht bei dieser neuen Funktion nicht zur Verfügung. Grundlage für die Ergebnisse ist ausschließlich eine eigene lokale Partien-Datenbank, welche viele Millionen Partien enthalten muss, um Ergebnisse zu liefern. Diese lokale Partien-Datenbank muss man auch immer schön aktuell halten. Es wäre wirklich komfortabel gewesen, wenn Chessbase dieser Funktion den Zugriff auf die Online-Live-Partiendatenbank gegeben hätte. Der Grund für diese Einschränkung ist ziemlich offensichtlich. Anwender von Chessbase 16 sollen sich neben den von Chessbase angebotenen kostenpflichtigen Partien-Datenbanken Big Database 2021 und Mega-Database 2021 am besten auch noch das kostenpflichtige Partien-Update-Abo kaufen. In den Mega- und Premium-Paketen von Chessbase 16 sind Schnupper-Abos und entweder die Big oder Mega 2021 enthalten. Käufer der sog. Chessbase 16 Einzel-Version ohne Datenbanken schauen hierbei erstmal in die Röhre.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass praktisch jeder Vereins- und Turnierspieler bereits Chessbase 15 und eine Referenzdatenbank mit Millionen Partien besitzt und dies kein Problem darstellt. Das stimmt natürlich, jedoch werden diese Anwender wohl eher auf die günstigere Upgrade-Version von Chessbase 16 zurückgreifen. Neue Schachspieler, welche sich zum ersten Mal Chessbase zulegen und die günstigste Version (Chessbase 16 – Einzelversion) kaufen, benötigen auf jeden Fall eine Referenzdatenbank mit mehreren Millionen Partien.

Ich denke, dass sich Chessbase keinen Zacken aus der Krone gebrochen hätte, wenn sie zumindest ab dem StarterPaket den Zugriff auf die Online-Live-Partiendatenbank bei dieser neuen Funktion freigegeben hätten.

Aber gut, schauen wir uns die Funktion namens „Übersichten“ mal an. Als alter Theoriefuchs habe ich direkt eine Variante des Budapester-Gambits eingegeben, an welcher ich in meiner Freizeit ziemlich zeitintensiv herumforsche:

Chessbase 16

Bisher habe ich für die Erforschung von Eröffnungen die Software Aquarium von ChessOK verwendet. Diese bietet für diesen Bereich der Schachanalyse enorm viele Möglichkeiten, jedoch sind diese ausschließlich engine-basiert. Nun gut,- mit einer Referenzdatenbank (14 Millionen Partien) im Gepäck, wähle ich die Optionen „Modevarianten“ und „Meister“ für „Schwarz“ und klicke auf „Übersicht neu erzeugen“.

Es passiert…….nichts. Gerade mal 4 Partien will Chessbase 16 in meiner 14 Millionen Partien-Datenbank gefunden haben, was für die Erstellung eines Ergebnisses wohl nicht ausreicht. Bei einem Fund von 4 Partien kann man auch nicht von einer Modevariante sprechen. Ich wiederhole den Vorgang und wähle diesmal „Traditionell„.

Hier das Ergebnis:

Chessbase 16

Nun, ja, was soll ich sagen? Arne Kaehler (Kreativer Kopf bei CB) würde an dieser Stelle wohl „Super!“ oder „Wahnsinn!“ rufen. Mich hat das nicht vom Hocker gehauen. Aber gut. Schauen wir mal weiter. Diesmal nehme ich eine bekannte Variante im Spanier (Marshall-Angriff):

Chessbase 16

Die Hauptvariante wäre 11…c6, aber ich finde 11…Sf6 gegen Vereinsspieler ohne Theoriewissen ziemlich in Ordnung 😉

Hier das Ergebnis:

Chessbase 16

Also irgendwie sah das in den Videos von Wüllenweber etwas interessanter aus. Um es kurz zu fassen: Je tiefer eine eingegebene Eröffnungs-Variante ist, desto weniger Partien stehen diesem automatischen Prozess zur Verfügung. Entsprechend dürftig ist dann auch das Ergebnis. Wohlgemerkt arbeite ich mit einer Datenbank, in welcher 14 Millionen Partien enthalten sind. In der von Chessbase angebotenen Datenbank sind um die 8 Millionen Partien enthalten. Es ist klar, dass schon nach wenigen Zügen ziemlich viele Partien in der Datenbank für die Analyse nicht mehr in Betracht kommen. Nach den Zügen 1.e4 e5 fallen logischerweise alle in der Datenbank enthaltenen Partien mit beispielsweise 1.d4 d5 komplett weg. Eine Datenbank mit 14 Millionen Partien wirkt nur auf den ersten Blick als eine mächtige Datengrundlage. Bei diesem neuen Feature offenbar nicht ausreichend.

In praktisch allen von mir getesteten Varianten mit mehr als 10 Zügen, waren die Ergebnisse ernüchternd. Aber wie sieht es aus, wenn man ganz spartanisch nur 3 Halbzüge vorgibt? Ich habe mich für das Königsgambit entschieden und möchte eine Variantenauswahl im Gambit-Stil für Weiß. Gesagt getan:

Chessbase 16

Das sieht auf jeden Fall schon besser aus. Ich erhalte eine schöne Übersicht an Eröffnungsvarianten im Königsgambit, welche dem Gambit-Stil treu bleiben. Aber Moment! Gibt es hierzu nicht bereits seit der ersten Chessbase-Version die Filter-Funktion? Ja! – Nimmt man seine Referenzdatenbank und stellt den Filter auf 1.e4 e5 2.f4 und setzt den Filter auf Gambit/Opfer und die Voraussetzung, dass Weiß gewinnt, bekommt man nahezu identische Ergebnisse. Anschließend verschmelzt man die gefundenen Partien in eine Partienotation und man hat fast den gleichen Variantenbaum. In Chessbase 16 ist dieser durch die Möglichkeit des Auf- und Zuklappens von Varianten natürlich hübscher.

Als Matthias Wüllenweber die Funktion im Video vorgestellt hat, fand ich es ziemlich spannend. Jetzt, nachdem ich mich mit der Funktion ziemlich lange auseinandergesetzt habe, bin ich ziemlich ernüchtert. In Chessbase gibt es neben der Filter-Funktion auch seit vielen Jahren den sog. Eröffnungsreport, mit welchem man sich alles Wissenswerte über eine Eröffnung und deren Varianten anzeigen lassen kann.

Bei zu langen Varianten ist diese neue Funktion nahezu nutzlos und bei kurzen Varianten einfach zu global. Die Verwendung der Filterfunktion mit anschließendem Verschmelzen der Partien sind zwei Arbeitsschritte. Mit der neuen Funktion wird ein Arbeitsschritt gespart. Matthias Wüllenweber spricht im Video davon, dass man sich bisher mühselig durch die Referenzdatenbank klicken musste, um interessante Züge und Varianten zu finden. Ja, das habe ich vor vielen Jahren auch noch so gemacht, bis ich mich intensiver mit der mächtigen Filter-Funktion von Chessbase auseinandergesetzt habe, welche seit Jahrzehnten in Chessbase enthalten ist.

Was denn nun so neu sein soll an dieser Funktion, kann ich aktuell nicht sagen. An dieser Stelle noch ein Wort zu den auswählbaren Optionen „Einstieg„, „Klub„, „Turnier„, „Meister„, etc. – Wenn man diese Funktion nutzt, sollte man immer mindestens „Meister“ wählen. Das kann man auch machen, wenn man kein Meister ist. Mit dieser Auswahl wird lediglich die Variantenlänge beschnitten und meiner Meinung nach hat man hier genau falsch herum gedacht. Wählt man beispielsweise „Einstieg“, bekommt man nur dürftige Informationen und Varianten sind hier und da nur 2-3 Halbzüge lang. Einem Großmeister erschließt sich nach einer handvoll Zügen der Sinn einer Variante, aber als Anfänger benötigt man längere Varianten, um zu verstehen, wohin die Reise führt.

Mein Fazit zu dieser neuen Funktion lautet. „Alter Suchfilter im neuen Design“.

Kommen wir zur nächsten Neuerung „Der Suche nach der Neuerung“:

Chessbase 16

Im Tab LiveBuch gibt es nun den Button „Neuerungen schürfen„. Die Vorgehensweise ist recht einfach. Man klickt sich im LiveBuch durch eine beliebige Eröffnung und sobald man eine Stelle gefunden hat, in welcher es interessant wäre, eine Neuerung zu finden, klickt man den Button und lässt seinen Rechner nach einer Neuerung suchen. Auch hierbei kann man Vorgaben machen:

Chessbase 16

Aber Hey! Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ja! Vor einigen Jahren integrierte Chessbase die „Let’s Check„-Funktion in seinen Programmen. Auch hiermit war/ist es möglich, eine Engine nach Neuerungen zu suchen zu lassen.

Chessbase 16

Auch bei Let’s Check konnte man diverse Einstellungen vornehmen, um die Suche einzugrenzen. Im Erfolgsfall gibt es auch die Meldung vom Server „Neuerung gefunden“. Der einzige Unterschied zu dem neuen Feature in Chessbase 16 ist, dass eine Neuerung bei Let’s Check etwas schwieriger zu finden ist, da hier nicht ausschlaggebend ist, ob jemand die Neuerung bereits gespielt hat. Hat jemand in seiner Let’s Check-Analyse eine Neuerung gefunden, ist dies auf dem CB-Server vermerkt und niemand kann diese Neuerung erneut als „Seine Neuerung“ deklarieren.

Bei der neuen Funktion in Chessbase 16 kann man dies nun etwas erweitert filtern.

Nach längerem Nutzen von Chessbase 16 bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass in dieser neuen Programmversion nur auf den ersten Blick Neues enthalten ist. Was als Neuheiten beworben wird, sind meiner Meinung nach lediglich Verbesserungen/Abwandlungen von bereits vorhandenen Features.

Es ist natürlich auch schwer, das Chessbase-Datenbankprogramm alle zwei Jahre neu zu erfinden. Irgendwann hat dieses Programm alles was das Schachspieler-Herz begehrt und das war um Version 12 bereits der Fall. Aber anstatt ständig an irgendwelchen „neuen“ Features zu schrauben, sollte Chessbase das Programm an sich verbessern. Hier ein Beispiel:

Egal, ob Sie Chessbase 12, 13, 14, 15 oder 16 verwenden, der Kopiervorgang von Partien aus einer PGN-Datei in eine CBH-Datei dauert in allen Versionen gleich lange. Es ist hierbei auch egal, ob Sie einen High-End oder Low-Cost PC verwenden. Bei meinem Test habe ich 240.000 Partien einer PGN-Datenbank in meine Referenzdatenbank (CBH-Format) hinzufügen wollen. Dieser Kopiervorgang hat gute 8 Stunden gedauert. Genauso lange, wie bei CB 12, 13, 14 und 15. Schaut man bei diesem Vorgang in den Taskmanager, sieht man, dass die SSD und die CPU nahezu im Leerlauf arbeiten. Hier ist eindeutig das Programm Chessbase der Flaschenhals.

Gleiches auch bei der Referenzdatenbank. Klickt man sich dort durch die Varianten, ist das bei einer Datenbank mit vielen millionen Partien ein Geruckel und Gezuckel. Genau hier hätte Chessbase ansetzen müssen. Aber nein, es müssen irgendwelche Spielereien als „neue“ Features präsentiert werden. 🙁

Damit schließe ich meinen kurzen Testbericht ab. Auf die diversen kosmetischen Verbesserungen im Playchess-Chat und den neuen 3D-Figurensätzen möchte ich nicht eingehen, da diese höchstens für maximal 0,0001% der Vereinsspieler wichtig sind. Unter uns gesprochen,- ich kenne keinen Schachspieler, der jemals die 3D-Figurensätze in Chessbase-Produkten installiert und verwendet hat.

Chessbase 16 ist kein schlechtes Programm, aber das waren die Versionen 12, 13, 14, und 15 auch nicht. Wie in den Jahren zuvor, bleibe ich auch bei Chessbase 16 bei meinem Rat an alle Neueinsteiger im Schach: „Ein gebrauchtes Chessbase ab Version 12 reicht vollkommen aus und kann günstig bei Ebay, etc. erworben werden.“. Wer bereits Chessbase 15 besitzt zieht vielleicht ein Upgrade auf die 16 in Betracht. Aber auch hier kann ich noch keine Empfehlung geben. Wie bei praktisch jeder neu veröffentlichten Chessbase-Version, tummeln sich auch in Chessbase 16 wieder viele Bugs. Während Chessbase 15 mittlerweile halbwegs rund läuft, muss bei Chessbase 16 wieder nachgearbeitet werden. Angefangen vom unsichtbaren Brettfenster, dass manuell maximiert werden muss, bis hin zu diversen Anzeigefehlern in der Notation. Bei meinem CB16-Test kam die ganze Bandbreite vor.

Chessbase wird diese Bugs aber nach und nach beheben und es wird nicht lange dauern, bis die ersten Update-Hinweise aufpoppen.

Wer sich trotzdem in das Abenteuer stürzen möchte, kann die einzelnen Pakete unter folgenden Links bestellen:

Chessbase 16 – Upgrade von 15: https://www.topschach.de/chessbase-upgrade-p-4217.html

Chessbase 16 – Einzelversion: https://www.topschach.de/chessbase-einzelversion-p-4218.html

ChessBase 16 – Megapaket Edition 2021: https://www.topschach.de/chessbase-megapaket-edition-2021-p-4220.html

ChessBase 16 – Premiumpaket Edition 2021: https://www.topschach.de/chessbase-premiumpaket-edition-2021-p-4221.html

Für alle Sparfüchse noch ein Hinweis. Zu dem kostenpflichtigen Partie-Update von Chessbase, gibt es unter folgendem Link eine kostenlose Alternative:

https://theweekinchess.com/twic

Hier kann man sich jede Woche kostenlos die neusten Partien der laufenden Events- und Turniere im PGN- und CBH-Format herunterladen und damit seine Referenzdatenbank immer auf dem neusten Stand halten.

Bis bald

Euer Benny