Chafitz Modular Game System im Test

Ende der 70er des letzten Jahrhunderts brachte die Firma Sandy Electronic mit dem Chafitz Modular Game System ein echtes Highlight an Schachcomputer Technologie auf den Markt. Selbst nach Jahrzehnten läuft dieser Schachcomputer noch wie am ersten Tag und überrascht noch immer mit einer für die damalige Zeit bahnbrechenden Spielstärke.

Die meisten Schachcomputer der damaligen Zeit schafften es nur selten, stärker als etwa 1100 DWZ zu spielen. Spätestens im Endspiel offenbarte sich das Grauen und einfachste Mattführungen verstanden die Geräte nicht. Das Chafitz Modular Game System brachte die Wende. Separate Module für Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel sorgten dafür, dass selbst durchschnittliche Vereinsspieler gefordert wurden.

Das Grünfeld Modul sorgte für abwechslungsreiches Eröffnungsspiel. Sargon 2.5 und das Morphy Modul waren zuständig fürs Mittelspiel und das Capablanca Modul überraschte mit pointiertem Endspielwissen. Weiterhin gab es mit dem Borchek-Modul ein äußerst guten Checkers (Dame) Programm und auch Reversi-Spieler kamen mit dem Odin Modul auf ihre Kosten. Für die Zocker und Glücksspieler stellte der Hersteller noch weitere Module bereit, welche Las Vegas Feeling ins Wohnzimmer bringen sollten. Ich selbst kann mit Glücksspielen allerdings recht wenig anfangen, weshalb mein Augenmerk auf die Brettspiel-Module gerichtet ist.

Chafitz Modular Game System

Chafitz Modular Game System mit den Modulen Borchek, Capablanca, Sargon 2.5, Morphy, Odin und Grünfeld

Ich denke es gibt selbst heutzutage für Anfänger keine besseren Gegner, um beim Schach den Hang zum Material zu überwinden. Partien gewinnt man vornehmlich durch spektakuläre Opfer. Gerade das Sargon 2.5-Modul kann man durch aggressives Spiel sehr gut bezwingen. In meiner Testpartie kam es zu folgender Stellung:

Chafitz Modular Game System Sargon 2.5

Diese Variante im Spanier spiele ich besonders gerne. Die Angriffsmotive sind sehr einfach zu erlernen, aber erfordern Einiges an strategischem Wissen.

Chafitz Modular Game System Sargon 2.5

Einige Züge später erkennt man, wie sich die Schlinge um den Hals von Schwarz langsam zuzieht. Ziel ist es, den Schwarzen zu Zügen wie c7-c6 oder c7-c5 zu nötigen. Weiß ist bereit, zur Öffnung des königlichen Palastes, Material zu opfern.

Chafitz Modular Game System Sargon 2.5

Und so kam es, wie es kommen musste. Weiß steckt mit Txc5 die fette Tonne ins Geschäft, aber vorher wird dem schwarzen König mit Dxa6 ein Gruß aus der Hexenküche serviert.

Chafitz Modular Game System Sargon 2.5

Wenige Züge und ein Läuferopfer später kam es dann zu folgender Stellung. Die materielle Übermacht von Schwarz kann den Ausgang der Partie nicht verhindern.

Chafitz Modular Game System Sargon 2.5

An dieser Stelle begann das Sargon 2.5 Programm mit Zügen wie Th1+ das unabwendbare Matt hinauszuzögern. Die Niederlage war besiegelt. Gespielt wurde diese Partie auf Level 4, welches ich persönlich als das angenehmste Level empfinde. Der Computer zieht innerhalb von 2-3 Minuten einen Zug, was zu halbwegs hübschen Partien führt. Trotz der Niederlage zeigte das Sargon 2.5 während der Partie interessante Ideen. Erwähnenswert ist hierbei auch, dass das Programm die gegnerische Bedenkzeit nutzt und bei erwarteten Zügen des menschlichen Gegners direkt antwortet. Unterstrichen wird der Spielspaß mit stellungsbezogenen launigen Kommentaren, welche im Display angezeigt werden. Der Speicher für diese Kommentare wurde beim Morphy-Modul für verbessertes Mittelspielwissen genutzt. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob das Morphy-Modul tatsächlich stärker spielt, als das Sargon 2.5 Modul. In meinen Tests konnte ich nur einen Unterschied feststellen. Das Morphy-Programm hängt mehr an seinen Läufern, als das Sargon 2.5-Programm. Taktisch lässt sich das Morphy Modul nach meiner Ansicht einfacher überspielen.

In meiner nächsten Partie wollte ich das Capablanca-Endspiel-Modul testen. Dies stellt sich schwieriger dar, als zunächst gedacht. Als besserer Vereinsspieler gewinnt man seine Partien im Normalfall bereits im Mittelspiel. Ich zog es daher vor, ziemlich viele Figuren zu tauschen und ein Endspiel mit Türmen anzustreben. Es kam zu folgender Stellung:

Chafitz Modular Game System Capablanca Endspiel Modul

Das Capablanca Programm kann sogar die Stellungsbewertung anzeigen.

Weiß am Zug steht vor einigen Problemen und die Hoffnung liegt alleine in den beiden verbundenen Freibauern. Das Capablanca-Modul hat in den letzten Zügen die Stellung ziemlich gut zusammen gehalten und zu meinem Erstaunen tatsächlich den b-Bauern in Bewegung gesetzt (b6-b5). Schwarz opferte dann auch diesen Bauern mittels b5-b4 und konnte sich damit den vollen Punkt sichern. Was für erfahrene Schachspieler offensichtlich ist (Bildung eines Freibauern), war vor gut 40 Jahren für Schachcomputer noch Wissen hinter dem Horizont. Die Suchtiefen waren im unteren einstelligen Bereich und wenn ein Opfer nicht nach 2 Halbzügen erfolgsversprechend aussah, wurde es verworfen. Nicht so beim Capaplanca-Modul. Das von diesem Museums-Stück gespielte Opfer auf b4 und die anschließende Endspielführung waren beeindruckend. Diesen Punkte hat sich die alte Kiste redlich verdient.

Zum Schluss habe ich dann noch ein paar Checkers-Partien gegen das Borchek-Programm gespielt:

Chafitz Modular Game System Borchek

Hierbei wurde ich nach Strich und Faden ordentlich verdroschen 🙂 Die Kommentare im Display ließen keinen Zweifel aufkommen, dass es dem Programm äußerst viel Spaß machte, meiner Patzerei den Garaus zu machen. Unter anderem musste ich im Display lesen, dass ich doch besser zum Schachprogramm greifen solle. 😉

Ich kann als Fazit sagen, dass es auch heute noch richtig viel Spaß macht, gegen die Pioniere vergangener Zeiten Schach zu spielen. Eine solch liebevolle und robuste Verarbeitung findet man heutzutage nur noch im oberen Preissegment. Ich bin mir sicher, dass auch noch in 100 Jahren jemand diesen Schatz ausgraben wird und mit Freude die Figuren zum Gewinn zieht. Technik die begeistert 😉

Bis bald

Euer Benny

2 Gedanken zu „Chafitz Modular Game System im Test

    • Hallo Tom,

      nach Deinem Kommentar habe ich natürlich gleich nach kommentierten Partien zum Chafitz gesucht und tatsächlich nichts gefunden. Ich bin etwas verwundert, dass dieser Schachcomputer nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten hat. Er war seiner Zeit um Längen voraus. Wenn ich an die damalige „Konkurrenz“ denke wie etwa den MK I und MKII, dann ist hier schon ein himmelweiter Unterschied. Die Anzeige der Suchtiefe und auch die Stellungsbewertung waren hier ein absolutes Novum. Das Capaclanca Endspielmodul hat diesen Name tatsächlich verdient. Dagegen wirkt das Saitek Endspiel ROM (EGR) wie eine Mogelpackung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.