The King Performance – Schachcomputer

Millennium nimmt nochmal Anlauf

 

Mit dem The King Performance Schachcomputer möchte die Münchner Firma Millennium ihr Sortiment um einen weiteren Schachcomputer ergänzen. Allerdings kann der Name „The King Performance“ für etwas Irritation sorgen, da dieser Schachcomputer bezüglich der Hardware-Eigenschaften keine Verbesserungen gegenüber des bereits für den ChessGenius Exclusive erhältlichen King Elements aufweist. Werfen wir aber zunächst einen Blick zurück. Mit dem ChessGenius hatte Millennium einen echten Treffer gelandet. Schachspieler bekamen die Chance, ziemlich günstig einen Schachcomputer mit guter Spielstärke und schönen Funktionen zu erwerben. Bei diesem Schachcomputer hatte sich Millennium erfolgreich auf das Wesentliche konzentriert (keine LEDs, einfache Figuren ohne Filz am Sockel, etc.). Die Schachspieler waren zufrieden und viele Eltern konnten ihren Sprösslingen etwas Schönes unter den Tannenbaum legen.

Von der Welle des Erfolges getragen, brachte Millennium anschließend den ChessGenius Pro auf den Markt. Ein verbesserter ChessGenius, bei welchem die Preisschraube ein gutes Stück nach oben gedreht wurde. Problematisch war hierbei allerdings, dass diese Verbesserungen eher kosmetischer Natur waren und für den Kunden auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Die Preisspanne zwischen beiden Schachcomputern waren in jedem Fall größer, als die offensichtlichen Veränderungen. Beide Geräte sehen nahezu identisch aus, weshalb eine Vielzahl von Kunden dann auch eher zum günstigeren ChessGenius greift.

Millennium ging nun in die Vollen und brachte mit dem ChessGenius Exclusive eine Luxusvariante des Schachcomputers auf den Markt. Leider etwas zu früh (das Weihnachtsgeschäft wollte man unbedingt mitnehmen) und nicht komplett ausgereift. Preislich orientierte man sich in der Oberliga und dieser Schachcomputer hatte auch Einiges zu bieten. Figurenerkennung, das Speichern von Partien, auswechselbare Eröffnungsbücher, einen schnelleren Prozessor, Figuren und Brett aus Holz. Das Design des Programm-Moduls war allerdings ein echter Makel. Dieses passte optisch überhaupt nicht so richtig zum Rest des Schachcomputers.

Zu diesem Zeitpunkt konnte jeder Insider auf dem Schachmarkt erkennen, dass Millennium die Mehrheit der potenziellen Kunden etwas aus dem Blick verliert und man sich mehr und mehr an den marktfernen Wünschen von ewig gestrigen Anhängern der damaligen Schachcomputer-Szene orientierte. Ich muss zugeben, dass auch ich diese alten Schachcomputer aus den 80ern und 90ern absolut toll finde, aber nur weil mir etwas gefällt , bedeutet das nicht, dass die Mehrheit der Kunden auf dem Schachmarkt genauso denkt. Ich kann hier ziemlich gut differenzieren. Die Mehrheit der Kunden will mit einem Schachcomputer einfach nur spielen und trainieren. Genau das ist der Markt. 99 von 100 Kunden, welche sich für einen Schachcomputer interessieren, können mit dem Namen Richard Lang überhaupt nichts anfangen. Das sich dahinter einer der wohl besten Schach-Programmierer aus den 80ern und 90ern verbirgt, ist für den Kunden im 21. Jahrhundert auch nicht wirklich wichtig zu wissen. Schaut man sich jedoch in den üblichen Schachcomputer-Foren im Internet um, bekommt man das Gefühl, dass solche Dinge absolut wichtig sind und praktisch jeder diese Namen kennt und kennen muss. Millennium hat sich, beabsichtigt oder nicht, genau an dieser kleinen Schachcomputer-Community orientiert und dies als den Schachmarkt wahrgenommen. Das man sich hierbei allerdings auf noch nicht einmal 1% aller tatsächlichen Kunden konzentriert, ist zumindest wirtschaftlich ziemlich fraglich.

Millennium ist nicht die Wohlfahrt und Ziel eines Unternehmens ist es, mit seinen Produkten den potenziellen Markt so gut wie möglich im Gesamten zu erreichen. Nehmen wir als Beispiel die Figurenerkennung des ChessGenius Exlusive. Hier muss Millennium wirklich sehr viel Zeit und Geld in die Hand genommen haben, um dieses Feature beim ChessGenius Exclusive zu realisieren. Schaut man in die Foren der Schachcomputer-Community und fragt dort nach, ob dieses Feature für einen Schachcomputer wichtig ist, sagen praktisch alle „Ja!“. Fragt man jedoch die Masse an Kunden, welche sich für Schachcomputer interessieren und sich nicht in diesen Brettschachcomputer-Foren bewegt, dann liegt der Anteil derer, welche eine Figurenerkennung wichtig ist, bei unter 5%. Das ist auch verständlich, denn der einzige wirkliche Nutzen ist hier wirklich nur, dass man eine Stellung auf dem Brett aufbauen kann und diese vom Schachcomputer ohne Weiteres erkannt wird. Der Aufwand den Millennium bei der Entwicklung dieses Features hatte, steht damit in keiner Relation zum Nutzen. Das hatte übrigens auch die Mehrheit der Käufer von Schachcomputern aus den 80ern und 90ern erkannt und sich eben nicht für den Mephisto Bavaria (erster Schachcomputer mit Figurenerkennung) entschieden. Der einzige sinnvolle Einsatz von Figurenerkennung findet bei DGT Brettern statt, wenn es um Liveübertragungen von Schachturnieren geht. Bei Schachcomputern ist es ein nettes Gimmick, aber nicht wirklich notwendig.

Der ChessGenius Exclusive ist praktisch ein Schachcomputer, welcher in einer kleinen Schachcomputer-Community mit Enthusiasten für Geräte aus den 80ern und 90ern für viel Freude sorgte. Kurioserweise gehen fast alle Mitglieder dieser Community davon aus, dass sie den gesamten Schachcomputer-Markt repräsentieren. Was sie sich wünschen, wünscht sich praktisch jeder. Finden sie etwas toll, dann findet das natürlich jeder der sich einen Schachcomputer wünscht, absolut toll. 😉

Wie weit weg diese Community vom tatsächlichen Schachcomputer-Markt entfernt ist, erkennt man als Händler ziemlich schnell, wenn man die Umfragen zu Schachcomputern dieser Community (weltweit ein paar hundert Mitglieder) mit Umfragen vergleicht, welche man als Händler mit einigen zehntausend Kunden gemacht hat.

Der ChessGenius Exclusive ist ohne Frage ein guter Schachcomputer. Allerdings ist dieses Vergnügen mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 600,-€ alles andere als günstig. Wieder werfen wir einen Blick in die Brettschachcomputer-Foren und stellen fest, dass dort so gut wie jeder mit dem Argument kommt, dass so ein Schachcomputer in den späten 80ern und frühen 90ern über 10.000 DM gekostet hätte. Ja! Das stimmt! Jedoch sind wir nicht mehr in dieser Zeit. Würde man in diese Zeit zurück reisen und sein iPhone mitnehmen, würde man für dieses Gerät in den 80ern sehr warscheinlich 100 Millionen DM erhalten. Wir leben aber im Heute.

Nach dem ChessGenius Exclusive legte Millennium, wieder auf vielfachen Wunsch der kleinen Community, nochmal ordentlich nach und brachte das King-Element auf den Markt. Ein neues Programm-Modul für den ChessGenius Exclusive. Optisch hat man hier alles richtig gemacht. Das Teil passt viel besser als das Lang-Modul zum ChessGenius Exclusive , da es passenderweise aus Holz gefertigt wird. Beim Programm hat Millennium wieder keine Kosten und Mühen gescheut und sich für ein Spitzenprogramm der damaligen Zeit von Johan de Koning entschieden. Hier wurde entwickelt und verbessert und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Genau so etwas hat sich die kleine Community gewünscht und für einige ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Wirft man aber wieder einen Blick über den Tellerrand auf den gesamten Schachcomputer-Markt, kann so gut wie niemand etwas mit dem Namen Johan de Koning anfangen. Das King-Element ist tatsächlich ein echtes Nischenprodukt in der Nische, welches wirklich nur absolute Hardcore-Schachcomputer-Fans als Zielgruppe hat. Wirtschaftlich kann sich das King-Element für die Firma Millennium nicht lohnen. Das weiß auch der Geschäftsführer Karkosch von Millennium, welcher in einem Telefonat offen sagte, dass das King-Element eher ein Geschenk für die Community sei. Aber die echten Hardcore-Fans der kleinen Schachcomputer-Community blenden solche Wahrheiten gerne aus.

Ich zitiere einen Brettschachcomputer-Fanboy: „die komplette Entstehung des King ist ein Musterbeispiel dafür, wie vorteilhaft es für alle Seiten sein kann, Communities offen mit in die Entwicklung von Produkten einzubeziehen.
Schade, dass das bei anderen Herstellern so nicht der Fall ist, da werden meiner Meinung nach Chancen vertan.“

Diese Aussage zeigt sehr schön, wie verblendet der eine oder andere in der Schachcomputer-Community von seiner eigenen Meinung ist. Das dabei auch noch an andere Hersteller appelliert wird, es Millennium gleich zu tun, geht schon fast als Satire durch. Andere Hersteller verzichten sehr gerne auf solche ruinösen Chancen. 😉

 

Ankündigung des The King Performance!

The King Performance

Millennium will es nun richtig machen! Zumindest teilweise. Beim The King Performance hat man sich endlich wieder auf das Wesentliche konzentriert. Weg mit der kostspieligen Figurenerkennung und zurück zum Drucksensor. Ein kleineres Display spart ebenfalls Kosten und reicht vollkommen aus. Aus Holz wird hier nur noch der Rahmen gefertigt, was die Produktionskosten genauso senkt, wie die Anfälligkeit für Fehler in der Verarbeitung. Die Züge werden weiterhin per Feld-LEDs angezeigt, aber diesmal auf einer Oberfläche aus Kunststoff. Die Hardware und das Programm von Johan de Koning wurden vom King-Element übernommen. Kein unnützer Schnickschnack, sondern einfach nur das Wesentliche. Dies wirkt sich auch positiv auf den Preis aus. Mit 349,-€ trifft es den Kern des Marktes ziemlich genau. Es handelt sich übrigens um genau den Preis, welchen ich bei Millennium schon ziemlich lange für einen Schachcomputer kommuniziert habe, da sich in meinen Kunden-Umfragen genau dieser Maximalpreis für einen Schachcomputer herauskristallisiert hat. 😉

Millennium ist auf dem richtigen Weg, aber von manchen Altlasten will man sich  dann doch nicht so richtig trennen. Beispielsweise werden noch immer diverse Brettschachcomputer-Sammler als Beta-Tester eingesetzt, welche vom heutigen Schachcomputer-Markt überhaupt keine Ahnung haben und auch schon beim ChessGenius Exclusive als Beta-Tester nicht so richtig in Form kamen. Diverse Software-Fehler des Programms im Modul, welche diese „Spezialisten“ in der Betaphase nicht erkannten, hat Millennium aber ziemlich schnell durch Software-Updates ausgemerzt. Diese selbsternannten „Beta-Tester“ sind natürlich mit sehr viel Eifer bei der Sache und ich muss sagen, dass man sich hier durchaus Mühe gibt. Erwähnen muss ich aber auch, dass Millennium nicht nur diese Schachcomputer-Fanboys als Beta-Tester einsetzt, sondern auch ein bis zwei fähige Personen, welche tatsächlich Ahnung haben. Diese tauchen allerdings nicht in diversen Schachcomputer-Foren auf. Ein wesentliches Merkmal haben aber all diese „Beta-Tester“ gemeinsam. Mal abgesehen von diverser Alibi-Kritik, werden die Produkte nicht kritisiert. Wer öffentlich kritisiert, ist seinen Beta-Tester-Status bei Millennium ziemlich schnell los und würde nicht mehr zu dem auserlesenen Kreis derjenigen gehören, welche Vorabmuster erhalten. Extrapunkte kann man sammeln, indem man Konkurrenzprodukte kritisiert.

Das nimmt teilweise ziemlich skurrile Formen an. Ich möchte zwei Beispiele nennen. Den DGT Centaur kann man durchaus als Konkurrenzprodukt betrachten. Hier wurde von einem Millennium-Betatester öffentlich geäußert, dass ihm das Display des DGT Centaur zu klein ist und er es wohl im Alter nicht mehr ablesen könnte. Anzumerken sei hier, dass es sich um ein gestochen scharfes E-Ink-Display handelt. Der selbe Millennium-Tester hat natürlich auch ein paar Worte für das ziemlich kleine Display des The King Performance Schachcomputer von Millennium geäußert (Das Display ist wesentlich kleiner als bei das des King-Elements). Hier schreibt er, dass das kleine Display nicht schlimm ist und alles gut lesbar ist.

Nächstes Beispiel. Seit Februar 2019 gibt es massive Lieferschwierigkeiten des ChessGenius Exclusive. Dies liegt an Problemen mit der Holzverarbeitung, welche aber in nächster Zeit behoben sein sollen. Dann ist der CGE wieder lieferbar. Zu den Lieferproblemen teilt unser Millennium-Betatester allerdings mit, dass der ChessGenius Exclusive ein solch begehrtes und tolles Gerät ist, dass Millennium mit dem Produzieren nicht mehr hinterherkommt und dieser Schachcomputer deshalb ständig ausverkauft ist. 😉

Jeder der Ahnung hat kann sich bei solchen Aussagen ein Schmunzeln nicht verkneifen. Solche Betatester würden mit Sicherheit auch Ihre Seele verkaufen, um auch beim nächsten Produkt wieder ein Betatester zu sein.

Der Schachcomputer The King Performance soll im Herbst 2019 auf den Markt kommen. U̶n̶s̶e̶r̶ ̶e̶r̶s̶t̶e̶r̶ ̶E̶i̶n̶d̶r̶u̶c̶k̶ ̶v̶o̶n̶ ̶d̶e̶m̶ ̶w̶a̶s̶ ̶g̶e̶p̶l̶a̶n̶t̶ ̶i̶s̶t̶,̶ ̶i̶s̶t̶ ̶s̶e̶h̶r̶ ̶p̶o̶s̶i̶t̶i̶v̶.̶ ̶D̶i̶e̶ ̶C̶h̶a̶n̶c̶e̶n̶ ̶s̶t̶e̶h̶e̶n̶ ̶g̶u̶t̶,̶ ̶d̶a̶s̶s̶ ̶d̶i̶e̶s̶e̶r̶ ̶S̶c̶h̶a̶c̶h̶c̶o̶m̶p̶u̶t̶e̶r̶ ̶a̶n̶ ̶d̶e̶n̶ ̶E̶r̶f̶o̶l̶g̶ ̶d̶e̶s̶ ̶e̶r̶s̶t̶e̶n̶ ̶G̶e̶r̶ä̶t̶e̶s̶ ̶(̶C̶h̶e̶s̶s̶G̶e̶n̶i̶u̶s̶)̶ ̶a̶n̶k̶n̶ü̶p̶f̶e̶n̶ ̶k̶a̶n̶n̶.̶   Der erste Eindruck hat getäuscht. Die Verarbeitung und die Qualität des King Performance bewegt sich im unteren Bereich. Besonders ärgerlich ist, dass die bereits im ChessLink-Modul vorhandene billige Bluetooth-Technik keinen Einzug in das Gerät gefunden hat. Wer die Technik, welche heutzutage in jedem billigen Lautsprecher vorhanden ist nutzen möchte, wird nochmals mit zusätzlich knapp 100,-€ zur Kasse gebeten.

Die Drucksensoren für die Zugeingabe werden vom Hersteller mit „neuer HighSensitive Sensor-Technologie“ beworben. Klingt spannend, jedoch gibt es gute Drucksensoren bei Schachcomputern schon seit mindestens 30 Jahren. Tests haben ergeben, dass die Drucksensoren des King Performance mit denen mancher alter Schachcomputer aus der Mephisto-Zeit nicht mithalten können.

Wie bereits gesagt, suggeriert der Name „King Performance“ eine Verbesserung gegenüber dem vorhandenen „King Element“. Eventuell meint der Hersteller damit aber auch die Zuverlässigkeit. Versagten beim Verkaufsstart des King Elements die Geräte noch reihenweise wegen Hardwarefehlern, ist es wohl nun das Ziel von Millennium, die Ausfallrate beim King Performance zu minimieren. Sollte es Millennium tatsächlich schaffen, mindestens zehn fehlerfreie King Performance Schachcomputer am Stück zu liefern, kann man tatsächlich von einem King Performance sprechen.

Von mir gibt es für diesen Schachcomputer momentan keine Kaufempfehlung.

King Performance Fail

Bis bald

Euer Benny 😉

37 Gedanken zu „The King Performance – Schachcomputer

  1. Als – vor allem im schachlichen Bereich – aktiver Beta-Tester werde ich hier (indirekt) mit angesprochen, möchte mir den Schuh allerdings nicht anziehen, bezüglich der Aussagen in diesem Blog. Ich bewahre mir stets einen kritischen Blick auf die Dinge und bin kein Freund von Lobhudelei. Denn in der heutigen „Internetzeit“ kommen schachliche Stärken und Schwächen eines Produktes sowieso binnen kürzester Zeit an die Öffentlichkeit. Es muss aber auch als Tester „erlaubt“ sein, positive Dinge zu schreiben, wenn diese tatsächlich bemerkenswert sind.

    • Hallo Wolfgang,

      vielen Dank für Dein Statement. Gerade wenn es um Schwächen oder Fehler geht, fühlen sich manche Beta-Tester dazu berufen, diese zu vertuschen oder schön zu reden. Als sich die Platinen-Probleme beim King-Modul bemerkbar machten, wurde bei mir angefragt, ob ich die Ursache hierfür finden könnte. Ich habe Millennium die Problematik geschildert und mögliche Lösungswege aufgezeigt. Hobby-Beta-Tester von Millennium teilten öffentlich mit, dass hierbei nur 10% der King-Elemente betroffen seien. Eine glatte Lüge, auf welche ich aufmerksam machte. Das es manchen Beta-Testern einzig und allein darum geht, auch beim nächsten Mal ein Testgerät zu erhalten, ist mehr als offensichtlich. Bestimmte Beta-Tester haben den Drang, in jedem Forum unbedingt jedem mitzuteilen, dass sie bald ein Testgerät haben. Hierbei musst Du Dich nicht angesprochen fühlen, jedoch sollte man sich als Beta-Tester immer fragen, ob man hierbei mitschwimmt oder im Sinne der End-Anwender auch mal Courage an den Tag legt und falschen Aussagen von Beta-Testern die Stirn zeigt.

      Auch sollte jeder Beta-Tester viel mehr den Blick von sich selbst nehmen und hinterfragen, ob das was er sich an Features für einen Schachcomputer wünscht, dem Wunsch der Mehrheit der Endkunden entspricht. Große Firmen wie DGT und Millennium möchten gute Qualität zu einem akzeptablen Preis anbieten. Dies funktioniert aber nur, wenn ein großer Markt angesprochen wird und entsprechende Mengen in den Verkauf gehen. Die Schachcomputer-Sammler sind ein kleiner Markt und repräsentieren eben nicht die Masse. Ich selbst hätte beispielsweise beim DGT Centaur gerne WLAN, Bluetooth, Onlinespielen drin gehabt. Aber dieser Wunsch entspricht eben nicht der Mehrheit der Endkunden.

      Wenn man sich in Schachcomputer-Sammler-Foren bewegt, kann einem hierbei schnell die Blick für die Realität abhanden kommen. Man ist umgeben von Fans, welche jeden Schachcomputer und deren Programmierer kennen und die Feinheiten der Schachcomputer bis ins letzte Detail kennen. Das ist schön und wie gesagt bin auch ich ein absoluter Schachcomputer-Freak in dieser Situation. Man muss sich aber immer bewusst sein, dass in diesen Foren absolute Ausnahmen unterwegs sind. Als Händler kann ich Dir sehr genau sagen, was die Mehrheit der Endkunden möchte und diese Wünsche unterscheiden sich sehr stark von den Wünschen der Schachcomputer-Sammler und Fans.

      Aus diesem Grund wirken manche Aussagen die in Foren fallen ziemlich grotesk. Wenn in den Sammler-Foren jeder ein King-Element besitzt, sprechen die Beta-Tester von einem vollen Verkaufserfolg. Denken manche Beta-Tester wirklich, dass die Sammler-Community ausreicht, um mit einem Kauf des King-Elements die Entwicklungskosten von Millennium zu kompensieren und einen Gewinn für die Firma einbringen?

      Mit dem kommenden The King Performance Schachcomputer reduziert Millennium den Umfang auf das Wesentliche und spricht damit einen großen Markt an. Natürlich wird es wieder Kritikpunkte geben. Einige Fans werden die Figurenerkennung vermissen und sich auch ein größeres Display wünschen, aber nicht die einzelne Ausnahme dirigiert den Erfolg eines Produktes, sondern die Masse an normalen Schachspielern, welche mit den vorhandenen Features zufrieden sein wird. Das gleiche gilt für den DGT Centaur, welcher auf dem Markt unglaublich gut angekommen ist. Diese Verkaufszahlen hat man normalerweise nur zur Weihnachtszeit.

      Wie different die Einschätzung zwischen den Sammlern in Foren und der Wirklichkeit ist, zeigt zum Beispiel die Lasker-Edition ziemlich gut. Das selbst Monate später von den 150 Geräten noch viele übrig waren, erstaunte einige Mitglieder in diesen Foren. Zitat eines Fans: „Ich hätte gedacht, dass diese Geräte in ein paar Tagen ausverkauft sind.“

      Solche Aussagen unterstreichen einmal mehr, wie weit weg mancher Sammler und mancher Fan vom Markt entfernt ist. Ein Umdenken findet trotzdem nicht statt.

      Sowohl über Produkte aus dem Hause von DGT, als auch über Produkte aus dem Hause Millennium kann man sehr viel Positives schreiben. Ich denke auch, dass das Positive sehr oft überwiegt. Man sollte es aber tunlichst vermeiden, sich für das nächste Testgerät einem Hersteller anzubiedern. Das ist egoistisch, entlarvend und mit der Zeit wird ein solcher Beta-Tester unglaubwürdig.

      Gruß

      Benny

        • Hallo Ralf,

          Danke für die Zustimmung. Ich muss sagen, dass ich seit der Veröffentlichung des Artikels sehr viel Zustimmung aus allen Bereichen des Schachs bekommen habe.

          Ohne im Artikel Namen zu nennen, fühlen sich einige Personen angesprochen und ertappt. Die Beiträge in einem Schachcomputer-Forum, welche sich auf meinen Artikel beziehen, offenbaren jedem Leser, auf welchem Niveau eine handvoll Schreiber um das entfachte Feuer tanzen.

          Lediglich ein Beta-Tester hat sich bei mir gemeldet und sich von den Aussagen diverser Schreiber des Schachcomputer-Forums distanziert. Interessanterweise handelt es sich hierbei um einen Millennium-Beta-Tester, welcher wirklich Ahnung hat und auch von Millennium zu Recht die größte Anerkennung erhält.

          Gruß

          Benny

  2. Vielen Dank für den interessanten Artikel!
    Ich möchte noch einen Aspekt ansprechen, nämlich, daß es zwischen Figurenerkennung und Drucksensoren noch etwas, gibt, nämlich Magnetsensoren ohne Figurenerkennung. Ich hatte noch nie einen Computer mit Magnetsensoren. Der Centaur hat das, aber, was man so liest, leider nicht so das eigentlich damit einhergehende angenehme Spielgefühl, weil die Figuren des Cantaur so leicht seien.
    Dieser King Performance, mit Magnestsensorik, und dafür etwas teurer (<400€), das wäre toll! Viele Grüße!

    • Hallo Volker,
      Magnetsensoren findet man beispielsweise im Mephisto Exclusive und auch im München. Bei diesen Geräten musste man aber beim Ziehen die Figuren von einem Feld zum anderen Feld anheben und konnte diese nicht über das Brett schleifen.

      Der DGT Centaur verwendet keine Magnetsensoren. Die einzelnen Felder reagieren auf Metall! Unter den Figuren ist ein Metall-Blättchen, durch welches die Figuren erkannt werden. Man könnte beim DGT Centaur praktisch auch mit Münzen spielen. Ein Schleifen von Figuren ist kein Problem. 🙂

      Beim DGT Centaur sind die Figuren übrigens gewichtet und nicht leicht. Das Spielen geht sehr einfach von der Hand und es macht Spaß.

      Viele Grüße
      Benny

      • Danke noch mal! Kennt man einen Grund, warum das nicht bei dem King Performance verwendet wird? So viel teurer kann das doch nicht sein?!

        • Beim The King Performance soll ein neu entwickelter Sensor eingesetzt eingesetzt werden. Wie gut der funktioniert, werden wir wohl erst im Herbst wissen.

          Gruß

          Benny

  3. Was ich am „Chess Genius Exclusive“ erschütternd schlecht gelöst finde, ist die Steckverbindung zu den Modulen.
    Erstens, dass überhaupt noch Steckverbindungen nötig sind, statt z.B. auf WLAN zurückzugreifen.
    Zweitens, dass die Steckverbindung nicht wenigstens Mini-USB oder ein vergleichbarer Standard ist, sondern eine proprietäre Lösung mit empfindlichen Pins.
    Ich hatte 3 Module: The King, Bluetooth und das Standard Modul. Mehrmals wöchentlich zu wechseln und jedesmal Sorge um die Pins haben und wie in den 80ern „rumpfriemeln“ – einfach nicht zeitgemäß..
    In einer Beschreibung zum „King Performance“ steht, Anschluss an das Bluetooth Modul sei möglich.
    Also auch hier der gleiche „Steinzeit“ Stecker?

    • Hallo Manfred,

      aus Sicht des Herstellers ist es natürlich eine willkommene Einnahmequelle, ein Bluetooth-Modul als Add-On für 99,-€ anzubieten. Selbst Lautsprecher für unter 10,- € besitzen heutzutage eine Bluetooth-Funktion. Das auch bei den Steckverbindungen zur Gewinnoptimierung ordentlich gespart wurde, fügt sich nahtlos an das Gesamtkonzept an. Das Verbindungskabel zum PC, um beispielsweise Updates einzuspielen, gehört nicht zum Lieferumfang.

      Beim Bluetooth-Modul (Chess-Link) wird das selbe Kabel verwendet, welches zum Anschluss an die Bedienbox verwendet wird. Auch hier wurde gespart. So wird das Chess-Link-Modul ohne dieses Kabel geliefert. Hier muss man das beim CGE für das Bedienteil vorgesehene Kabel verwenden. Das trifft im Übrigen auch auf das Netzteil zu. Auch dieses wird beim ChessLink benötigt, aber nicht mitgeliefert.

      Da man allerdings das Bedienteil und das Chess-Link-Modul nicht gleichzeitig mit dem Brett verwenden kann, ist es durchaus verständlich, dass der Hersteller hier kein weiteres Kabel mitliefert.

      Ob man für diese Discounter-Qualität (CGE + ChessLink + King-Element) insgesamt über 800,-€ auf den Tresen legen möchte, muss jeder für sich entscheiden.

      Gruß

      Benny

    • Ich habe zwei Tablet-PCs mit Mini-USB-Anschlüssen, die „unsicher“ (also Wackelkontakte haben) sind. Daher sehe ich die Lösung mit dem S-VHS Videokabel deutlich positiver. Dazu kommt noch: So, wie die Buchse(n) im Performance im Gehäuse integriert bzw. der Platine fixiert sind, macht das einen guten Eindruck. Wenn es einen langfristig Schwachpunkt gibt, dann sind dies höchstens die Stecker, bzw. die Leitung. Die kann man aber leicht ersetzen. Klar habe ich auch diverse Gerätschaften, die mit Mini-, oder Micro-USB-Anschlüssen reibungslos funktionieren. Das einzige Gegenargument bei der jetzigen Lösung ist m.E. der erhöhte Platzbedarf, bzw. die geringere Flexibilität aufgrund der verhältnismäßig „starren“ Leitungen.

      • Hallo Wolfgang,

        ein Mini-USB-Anschluss ist nicht von Haus aus wackelig. Das ist schon sehr sicher. Die Entwicklung hat sich nicht grundlos von Pin-Anschlüssen verabschiedet. Bei S-Video-Kabeln, SCART-Kabeln, etc. besteht das Problem, dass die Pins am Stecker sich gerne mal verbiegen und brechen. Heutzutage kann man aber Dank Bluetooth komplett auf Kabel verzichten. Bluetooth-Module sind für unter einem Euro zu haben und jeder billige Lautsprecher besitzt mittlerweile diese Technik.

        S-Video-Kabel sind für einen Hersteller natürlich eine noch billigere Lösung, da diese ausrangierten Kabel noch tonnenweise existieren und man die Dinger in großer Stückzahl für nen „Appel und’n Ei“ hinterher geschmissen bekommt.

        Zwar ist Retro ziemlich angesagt, aber das sollte sich nur aufs Design beziehen und nicht auf die Technik. Kein Hersteller würde im 21. Jahrhundert ein Radio im Retro-Design mit Röhren bauen.

        Den King Performance hätte man von Haus aus mit Bluetooth ausrüsten können. Das wäre komfortabel! Stattdessen muss man, wie beim CGE, nochmal 99 Öcken für das ChessLink-Modul auf die Theke legen, um in den Genuss von einer Technik zu kommen, die wie bereits gesagt, für unter einem Euro gehandelt wird.

        Ich finde es gut, dass sich in der Entwicklung von Schachcomputern wieder Einiges bewegt. Jedoch hat es für mich einen faden Beigeschmack, wenn Hersteller ziemlich offensichtlich versuchen, auch den letzten Euro aus dem Kunden rauszuquetschen.

        Böse Zungen behaupten mittlerweile, dass sich das Wort „Performance“ beim King-Schachcomputer auf die Marge des Herstellers bezieht. 😉

        Gruß

        Benny

  4. Hallo Benny,

    interessiere mich für den angekündigten „The King Performance“.
    Meine beiden Frage an Dich lauten:
    1. kann man bei diesem bezüglich Hardware auch die Taktfrequenz bis auf 10 Mhz herunterfahren wie beim „King Element Modul“ und
    2. ist es möglich den „King Performance“ über das ChessLink gegen Programme auf meinem Notebook (Komodo, Houdini u. PC Lang Programm 7.2 spielen zu lassen?

    • Hallo Hainz,

      Zu 1.: Auch beim King Performace wird man die Mhz auf 10 Mhz herunterregeln können.
      Zu 2.: Eine PC Software, welche das ChessLink unterstützt, existiert nicht. Es soll angeblich mal Gespräche mit Chessbase gegeben haben, aber Chessbase hatte gute Gründe, eine Zusammenarbeit abzulehnen.

      Nach dem Desaster mit dem King-Element, den vielen Reklamationen bei der Lasker-Edition, den schiefen Brettern, usw., glaube ich nicht mehr an eine Wertigkeit von Produkten aus dem Hause Millennium 2000. In den King Performance hätte man problemlos eine Bluetooth-Schnittstelle einbauen können. Stattdessen muss der Kunde nochmal gut 100,-€ für Bluetooth (ChessLink) investieren, um eine Funktionalität zu erhalten, welche nicht mal 2,-€ kostet und in jedem billigen Lautsprecher vorhanden ist.

      Ein Plastikgerät mit Holzrahmen und Drucksensoren, auf dem ein Programm aus den 90ern mit Anpassungen recycelt wird für 349,-€ anzubieten, ist schon ziemlich schrullig. Der Brennwert ist äußerst gering. Die Drucksensoren werden als „neue HighSensitive Sensor-Technologie“ beworben. 🙂 Das sorgt in der Schachszene für herzliche Lacher. Drucksensoren waren bereits vor !50! Jahren komplett ausgereift! Aber irgendwie muss Millennium 2000 seinen China-Krempel bewerben.

      Sofern es tatsächlich dieses Jahr noch Geräte gibt und diese auch tatsächlich ohne Macken sind und Probleme funktionieren, werde ich einen Testbericht schreiben. Die letzten Produkte (ChessLink und King Element) habe ich auf Grund von mangelhafter Qualität nicht getestet.

      Gruß

      Benny

  5. Lieber Benny,
    ich habe in Deinen Stellungnahmen verwirrend Widersprüchliches gefunden. Nach über zwanzig Jahren im täglichen Dienst ist mein Mephisto für immer eingeschlafen und nie mehr zu erwecken.
    Woran ich nun interessiert bin, ist der kommende King Performance. Aber über den hast Du folgende Bemerkungen gemacht:

    1.) “Der Schachcomputer The King Performance soll im Herbst 2019 auf den Markt kommen. Unser erster Eindruck von dem was geplant ist, ist sehr positiv. Die Chancen stehen gut, dass dieser Schachcomputer an den Erfolg des ersten Gerätes (ChessGenius) anknüpfen kann.“

    2.) “Ein Plastikgerät mit Holzrahmen und Drucksensoren, auf dem ein Programm aus den 90ern mit Anpassungen recycelt wird für 349,-€ anzubieten, ist schon ziemlich schrullig. Der Brennwert ist äußerst gering. Die Drucksensoren werden als „neue HighSensitive Sensor-Technologie“ beworben. Das sorgt in der Schachszene für herzliche Lacher. Drucksensoren waren bereits vor !50! Jahren komplett ausgereift! Aber irgendwie muss Millennium 2000 seinen China-Krempel bewerben.“

    Während Du im ersten Absatz von einem sehr positiven Eindruck sprichst, ist im zweiten von China-Krempel die Rede. Wenn Du diesen Widerspruch auflösen könntest – das wäre schön. Ich bin zwar süchtiger Schachspieler, aber kein versierter Kenner von Hard- und Software.

    Gute Grüße und danke im Voraus.
    Holger Eickhoff

    • Hallo Holger,

      meine Überzeugung hat sich geändert, nachdem ich in den letzten Monaten immer mehr Details zum Gerät erhalten habe. Auch wenn der Hersteller dies wohl nicht gerne liest, konnte ich mich mittlerweile mit den technischen Details auseinandersetzen. Ich weiß unter anderem auch wo und wie produziert wird und dies sorgte bei mir für Ernüchterung.

      Es fehlt zudem jegliche Innovation. Wirklich ärgerlich ist aber, dass man die Bluetooth-Funktion nicht umgesetzt hat. Es wäre ein Leichtes gewesen, die bereits vorhandene billige Technik des ChessLink in den „Performance“ zu verbauen. Dies war anfangs sogar mal kurz im Gespräch. 100,-€ für eine Bluetooth-Erweiterung sind einfach nur überzogen.

      Als der CGE in Planung war, spielte Bluetooth noch keine Rolle. Hier war die logische Konsequenz, dass man dieses Add-On nachträglich zur Verfügung stellt und damit das Einsatzspektrum des CGE erweitert.

      Beim „Performance“ hatte man nun die Chance, es direkt zu verbauen. Damit würde die Namensgebung „Performance“ dann auch tatsächlich mehr sein, als Augenwischerei.

      Ein endgültiges Urteil mache ich mir allerdings erst dann, wenn die Verkaufsversion erhältlich sein wird.

      Insgesamt ist meine Meinung momentan auch von den vielen Beschwerden über die Qualität der bisherigen Millennium-Produkte geprägt. Das King Element war ein Schnellschuss der ordentlich in die Hose ging. Bei den Plastik ChessGenius fehlen selbst heute noch sehr oft Figuren oder es liegen falsche Figuren bei (zum Beispiel 3 weiße Türme und weiße 7 Bauern).

      Ich hatte geschrieben, dass der „Performance“ ein Erfolg werden kann. Dies setzt allerdings voraus, dass der Hersteller auch mal den einen oder anderen Euro mehr in die Wertigkeit des „Performance“ steckt. Diese Hoffnung hat sich leider bis jetzt nicht bestätigt.

      Es ist auch die wirklich lahme Hardware, die mich nicht glücklich macht und Johan de Koning mit Sicherheit auch nicht! Beispiel 348 Kilobyte RAM!

      Was ist die Alternative? Beispielsweise kann man sich einfach ein DGT-Set + Chessmaster (King-Programm) für unter 400,-€ zulegen und hat damit nicht nur ein wesentlich stärkeres und umfangreicheres King-Programm, sondern auch tatsächlich ein hochwertig verarbeitetes Produkt aus schönem Holz. Das ein DGT-Set zusätzlich noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten bietet, spricht für sich. Figurenerkennung inklusive.

      Bevor ich den „Performance“ aber komplett verteufel, warte ich den Release ab und werde mir einen Eindruck vom Look&Feel machen.

      Eventuell findet sich ja doch noch ein Mehrwert, der mir bisher entgangen ist.

      😉

      Benny

  6. Danke, Benny,

    Deine wohltuend informative Antwort bringt mehr Klarheit in meine Überlegungen.

    Bleib gesund und ein herzhaftes e2 – e4!

    Holger Eickhoff

  7. Ich muss doch noch mal stören, Benny.

    Du hast geschrieben: „… man kann sich ein DGT-Set + Chessmaster (King-Programm) für unter 400,-€ zulegen und hat damit nicht nur ein wesentlich stärkeres und umfangreicheres King-Programm, sondern auch tatsächlich ein hochwertig verarbeitetes Produkt aus schönem Holz.“

    Ich habe mich umgesehen, aber für unter 400 € habe ich nichts finden können, aus Holz schon mal gar nichts. Wenn das „DGT Smart Board USB“ zu 279 € gemeint sein sollte: das ist doch nur ein Brett mit Figuren – ohne Computer – der über einen PC laufen muss, oder?

    Der nichthölzerne DGT Centaur gefällt mir auch, aber eben – kein schönes Holz.

    Gute Grüße
    Holger Eickhoff

  8. Gut, Benny, wenn ich nicht störe, kann ich mit meiner Fragerei fortfahren.

    Das vorgeschlagene Brett hatte ich mir schon mal angesehen. Sehr schön. Preislich besser und auch optisch unversehrt käme ich davon, wenn ich das Smart Board USB zu 279 € aus Kunststoff nehmen tät und dazu Timeless Holzfiguren. Was aber fehlt, ist der Rechner – die Hardware. Ich möchte so spielen, wie zuvor am Mephisto, der nicht am PC angeschlossen werden musste, sondern seinen eigenen Rechner besaß. Auf Euren Bildern sehe ich immer diesen roten Kasten (DGT 3000), von dem ich nicht weiß, ob das einfach bloß eine Schachuhr ist oder ein Schachcomputer. Und sollte es einer sein: wie gut ist der?

    Fragen über Fragen.
    Gruß von Holger

    • Hallo Holger,

      bei dem roten Kasten handelt es sich wahlweise entweder um eine DGT 3000 Schachuhr oder um den DGT Pi Schachcomputer. Die DGT 3000 Schachuhr eignet sich sehr gut für die Anzeige von Zügen, der Stellungsbewertung und natürlich der Zeit. Man kann Tablets, Smartphones, Laptops und auch PCs an das DGT Brett anschließen und mit der entsprechenden Software auf dem Gerät sowohl online, als auch offline Schach spielen.

      Der DGT Pi Schachcomputer besitzt alle Möglichkeiten der DGT 3000 Schachuhr und hat zusätzlich noch Hardware und Software (PicoChess) verbaut, mit welcher man einen vollwertigen Schachcomputer besitzt, der keine Wünsche offen lässt.

      Aber wie gesagt, kann man auch problemlos ein vorhandenes Smartphone verwenden.

      Viele Grüße

      Benny

  9. Hallo,

    bin bis jetzt auch noch nicht so richtig schlau geworden oder ich stehe einfach auf dem Schlauch.
    Könnte ich das DGT Smart Board ohne den DGT PI als Schachcomputer Gegner nutzen oder nicht?
    Und für mich als Beginner, der später evtl. auch mal online spielen möchte, bzw. ich mir zum. die Option offen halten möchte später mal Online zu spielen. Welcher Schachcomputer wäre da für mich empfehlenswert?

    1. DGT Centaur 349€ (ohne Möglichkeit online zu spielen?)
    Hatte hier mal gelesen das dort evtl./ ganz sicher einer Nachrüstung mit
    Bluetooth o.ä. erfolgen soll? Leider auch ohne Zahlen
    2. DGT Smart Board mind. 279€ + DGT PI ca. 250€ (zum online spielen?)
    = mind. 529€
    3. Millenium King Performance (alles dabei zum online spielen? Leider auch ohne Zahlen) 349€

    Würde mich über eine kurze Aufklärung dbzgl. freuen.
    Danke im voraus.
    LG
    Rüdiger

    • Hallo Rüdiger,

      ein DGT Smartboard mit Figuren reicht vollkommen aus, um online zu spielen. Fritz 14 ist inklusive und man kann auch den Online-Server von Chessbase verwenden. Weiterhin kann man auch problemlos ein Smartphone mit dem Smartboard koppeln und diverse Apps (auch Kostenlose) zum Onlinespielen verwenden.

      In folgendem Set ist alles was man braucht vorhanden:

      https://www.topschach.de/smart-board-p-3835.html

      Gruß

      Benny

      • Hallo,

        das nenne ich mal eine prompte Antwort. Danke.
        Und um hier für mich allein gegen den Schachcomputer zu spielen, reicht dieses Smart Bord auch? Wollte mir halt einfach die Option online spielen zu können offen halten. Was sich jetzt für mich noch nicht ganz erschließt, sind diese doch rel. hohen Kosten für den DGT Pi und den daraus resultierenden Mehrwert?
        Und welche Vorzüge hätte dann der Centaur, wenn er doch so schon ca. 70€ teurer ist?
        Danke nochmals. Echt top!
        LG
        Rüdiger

        • Hallo Rüdiger,

          für Schachspieler, welche ohne großen Aufwand einfach eine Schachpartie gegen eine der über 60 Engines auf dem DGT Pi spielen wollen oder schnell und einfach Stellungen, Partien, Endspiele oder Eröffnungen trainieren wollen, ist der DGT Pi eine komfortable Lösung.

          Beim DGT Pi kann man beispielsweise auch frei analysieren. Das bedeutet, dass man auf dem Brett die Figuren beliebig (auch illegal) ziehen kann und der DGT Pi einem immer eine zuverlässige Stellungsbewertung im Display anzeigt. Ich verwende das gerne in Endspielen um zu prüfen, ob ein gewonnenes Bauernendspiel auch noch gewonnen ist, wenn die Bauern ein Feld weiter rechts oder links stehen. Diese Art der Analyse bietet kein anderer Schachcomputer (ausgenommen der TASC 30 aus den 90ern).

          Fürs Onlinespielen mit dem DGT Brett finde ich die Smartphone-Apps besser geeignet.

          Der DGT Centaur kann sowohl für die Analyse, als auch zum Spielen verwendet werden, wobei der Schwerpunkt im reinen Spielen liegt. Einmalig ist beim DGT Centaur, dass sich der Schachcomputer schon während der Partie an die Spielstärke des Gegners anpasst. Auf diese Weise haben sowohl der blutige Anfänger, als auch der Meisterspieler viel Spaß beim Spielen und werden entsprechend ihrer Spielstärke gefordert, aber nie überfordert.

          Viele Grüße

          Benny

  10. Konnte meinen Beitrag leider nicht editieren. Euer/ dein erstelltes Video auf YouTube habe ich mir bereits angeschaut. Dort ist aber der DGT Pi mit angeschlossen um einem die Züge des Computers anzeigen zu lassen. Hat das DGT Smart Board LED`s oder wie würden die Züge ohne DGT 3000 oder DGT Pi angezeigt?
    So, das war es dann auch 😉

    • Hallo Rüdiger,

      Das Smartboard besitzt keine LEDs. Die eigenen Züge kann man durch einfaches Ziehen der Figuren eingeben. Durch die integrierte Figurenerkennung weiß der Computer immer, wo welche Figur steht. Die Züge des Computers kann man sich ohne DGT 3000 Schachuhr und ohne DGT Pi einfach per Sprachausgabe ansagen lassen oder im Display des Smartphones anzeigen lassen.

      Im Falle der DGT 3000 und des DGT Pi können die Züge auch im Display angezeigt werden.

      Viele Grüße

      Benny

      • Hallo Benny,

        Ok, jetzt hab auch ich es verstanden 😉
        Eine allerletzte Frage noch: Wird es in naher Zukunft möglich sein den DGT Centaur auch mit Wlan/ Bluetooth zu bekommen? Weißt du dbzgl.
        irgendetwas auch sicherer Quelle?
        Danke!
        Gruß
        Rüdiger

        • Hallo Rüdiger,

          Modifikationen wie WLAN und Bluetooth wird es geben. Allerdings dauert die Sache etwas länger, da ich leider über das kleine Display vom Centaur programmieren muss.

          DGT Centaur Modifikation

          Gruß

          Benny

  11. Das Folgende ist womöglich etwas off-topic, berührt aber um die Ecke ein von mir in die engere Wahl gezogenes Gerät.
    Als einer, der noch zu Postkartenzeiten die Fernschachmeisterklasse erreicht hat, analysiere ich zur Entspannung ganz gerne mit ein bisschen spielerischem Anspruch herum. Was die Nutzung von Schach-Computern / Schach-Software angeht, stecke ich da ziemlich zwischen zwei Stühlen. Analysieren tu ich bei Bedarf gerne mit guten Engines. Aber eigentlich bin ich Old-School.
    Wenn ich mal Zeit habe, setze ich mich gern in den Sessel, lege die Beine hoch und schiebe mehr oder auch weniger durchdacht auf einem kleineren Brett (also eher nicht Turniergröße) die Figürchen in meinen mehr oder minder soliden Eröffnungsstudien hin und her.

    Schon lange würde ich gerne die mitunter interessanten Ergebnisse dieser Schieberei erfassen und erhalten können. Also ist der logische Gedanke:
    1. Das Geschiebe sollte auf einem Computer geschehen.
    Das ginge gewiss problemlos mit Laptop oder Tablet, Schachprogramm und GUI. Aber auf dem flachen Bildschirm, das ist nicht wirklich meins. Alte Schule… Ich würde halt gerne Brett und Figuren vor mir haben (drum umkreise ich regelmäßig the king, weil nicht so groß wie DGT, auch die kleine Variante von pewatronic hab ich angeguckt, zweifle da aber sehr).

    Die ganze Werbung zu spielerischen Leistungen der Geräte und Schnittstellen treffen meine speziellen Fragen nicht (oder ich hab es überlesen?!).
    Es ergeben sich also Fragen:
    2. Gibt es überhaupt einen Brettcomputer, der nicht bloß konkret eine Partie erfasst, sondern
    3. in dieser Partie, die eher eine Analyse-Session ist, auch Nebenvarianten mit abspeichert? So, dass ich all das speichern und am Ende auf ein PC-Programm übergeben (und dort mit den vorangegangenen „Verbrechen“ in gleicher Sache verschmelzen) kann. Am PC geht das ja ganz einfach mit „neue Variante einfügen“…
    4. Ist alternativ wenigstens ein Gerät bekannt, dass mehrere (bis viele) Partien (also Versuche) parallel speichern kann (welche man dann auf dem Laptop verschmelzen könnte), oder können die sog. Tischgeräte nur jeweils eine Zugfolge behalten?

    Kurz: Mein Wunsch ist ein Maschin mit Figuren und Brett, das einfach in allen Verzweigungen das speichert, was ich auf dem Brett vermurkse – und mir womöglich durch Bewertung auch gleich anzeigt, wie sehr ich da murkse.

    Gibt es so etwas überhaupt? Ich fürchte nein… Also doch schmucklos „new-school“ Laptop / Tablet?

    • Hallo Martin,

      noch vor ein paar Jahren habe auch ich Fernschach mit mit den üblichen Postkarten gespielt. Nachdem heutzutage wirklich jeder alles über diverse Engines laufen lässt, habe ich das Fernschachspielen aufgegeben. Meine Fernschachaktivitäten beschränken sich mittlerweile nur noch auf das Finden von Lücken in Eröffnungsvarianten. Günstiger als im Fernschach kommt man an keine ordentliche Analyse (durch den Gegner).

      Nun aber zu Deinen Fragen und Wünschen. Ich muss zugeben, dass das was Du an Funktionalität erwartest, nicht abgefahren klingt, sondern der typische Gebrauch beim Analysieren ist. Um es Vorweg zu nehmen > Das klappt nur mit einem DGT Set + PC/Laptop/Smartbook.

      Aber ein paar Möglichkeiten in der Analyse sind Dir eventuell nicht bekannt. Beim DGT Brett ist es so, dass auch ohne Verbindung zu einem Endgerät (PC/Laptop/Smartbook) alles im Brett gespeichert wird. Baust Du also ein DGT-Set auf und fängst mit dem Analysieren an, werden alle Züge, Varianten und Nebenvarianten die Du analysierst aufgezeichnet. Man kann anschließend den Speicher des DGT Bretts auslesen und bekommt eine PGN-Datei, in welcher alle analysierten Varianten und Nebenvarianten aufgeführt sind.

      Man kann auch einfach eine beliebige Stellung auf dem Brett aufbauen und mit dem Analysieren anfangen. Wie gesagt, wird in dem Brett alles gespeichert.

      Sobald die Grundstellung oder eine beliebige neue Stellung aufgebaut ist, wird dies vom DGT Brett erkannt und ein neuer Eintrag in der internen PGN-Datei erstellt.

      Zumindest dieser Wunsch wird Dir also mit einem DGT-Set erfüllt.

      Anschließend kann man seine Analysen in ein Schachprogramm laden und automatisiert zu jedem Zug eine Bewertung in die Notation schreiben lassen.

      Viele Grüße

      Benny

      • Hallo Benny,
        herzlichen Dank für die umfassende Antwort.
        Das hilft mir schon sehr weiter.
        Du hast es richtig erkannt: „Aber ein paar Möglichkeiten in der Analyse sind Dir eventuell nicht bekannt.“ – Mir ist da vieles nicht wirklich bekannt. Ich bin halt ein Laie, sorry.

        Verstehe ich es also richtig, dass ich bei einer Analyse am DGT-Brett aus der Endstellung einer Variante im Variantenbaum tiefer klettern kann, um dann dort einen anderen Seitenzweig wachsen zu lassen – und DGT verarbeitet dies dann einfach passend in einer Datei? Oder sind es mehrere, die ich dann verschmelze (wenn ich rausgefunden habe, wie das geht…).

        Nun frage ich mich noch, ob ich parallel einen Digital-Phi (oder Pi oder wie dieser separate Computer/Uhr von DGT heißt) zwecks erster Einschätzungen / Bockmist-Check mitlaufen lassen kann – ob der also neben den üblichen Partiespiel-Modi auch einen offenen Analyse-Modus enthält.

        Und übrigens – Fernschach: Ich bin da in der Phase des E-Mail-Spiels ausgestiegen, als ich gemerkt habe, dass bei der Computernutzung mein eigener geistiger Beitrag von früher mal überwiegend mehr und mehr gegen Null ging – oder ich diesen erst auf einer das restliche Leben beeinträchtigenden Zugtiefe erreichen konnte.
        Aber ich will es auch mal wieder spielen, gerade zum Theorie-Check.

        Viele Grüße
        Martin

        • Hallo Martin,

          im internen Speicher von DGT-Brettern werden die Partien PGN gespeichert. Dies bedeutet auch, dass Verzweigungen als Varianten in die gespeicherte Partie eingefügt werden. Praktisch so, als ob Du beispielsweise mit Chessbase analysierst und dort im Notationsfenster die Varianten eingefügt werden. Du kannst sowohl Partien, als auch einzelne Stellungen auf dem Brett eingeben und analysieren. Die Stellungen und die Partien werden in einer einzigen PGN gespeichert. Der DGT Pi hat auch einen freien Analysemodus, bei welchem Du die Figuren frei auf dem Brett bewegen kannst und im Display immer die aktuelle Stellungsbewertung und Zugvorschläge angezeigt werden.

          Viele Grüße

          Benny

  12. I just read the article and all the Q+A’s. Thank you for an enlightening evening.

    I’m a low level home chess player and was doubting between the DGT Centaur and The King Performance. €349 is a fair price for what you get. (There are computers I like more, but you can’t buy a Mercedes for the price of a Fiat Panda. )

    Two weeks ago I bought the Centaur (I’m Dutch, so I ordered in The Netherlands, sorry). I’m really stunned by the way the Centaur plays. And indeed on my level. Sometimes I win, sometimes I loose.
    I just want to play a game, no analysis, not online, not against other computers. And it’s great fun! I can understand why the Centaur is such a succes. There are a lot of players like me, not interested in a club, just every now and then a game when it suits me, and if the weather is nice I can play outside because of the battery.

    After reading your article I’m even more glad that I chose for the Centaur.
    Again thanks for your very to the point explanation.

    Greetings,
    Eric

    • Hello Eric,

      Thank you for sharing your positive experience with the DGT Centaur with us. I am very sure, that you will enjoy this chesscomputer for a very long time.

      Benny

  13. Hallo Benny
    Ich spiele in einem kleinen Schachverein (Raum Bremen) Klasse D, ca. 1200 ELO. Außer im Verein und bei den Meisterschaften spiele ich gern zu Hause am Computer (Brett und PC-Schachprogramm).
    Meine Schachcomputer-Vorstellungen:
    Er muss jederzeit Zugvorschläge mit Bewertung machen können, – perfekt wären grafische Anzeigen wie bei guten Apple-Apps, dazu müsste wohl ein vollkommen neues innovatives Brett erfunden werden.
    Ich brauche keine Online-Funktion, – außer „Update-Möglichkeiten“.
    Ich habe mittlerweile 2 DGT Centaur, diese entsprechen meinen Wünschen am ehesten. Leider auch wie anderen Schachcomputern sind keine Koordinaten am Brettrand !! ?? Habe mir welche aufgeklebt.
    Ich bin am „The King Performance“ interessiert, zweifle aber nach den obigen Kommentaren und Bewertungen an der Qualität und der „rückständigen“ Zugeingabe mit Drucksensoren.
    Viele Grüße
    Erwin

    • Hallo Erwin,

      der King „Performance“ hat ebenfalls keine Randbeschriftung und bisher konnte die Firma Millennium auch noch kein funktionierendes Gerät ausliefern. Wie bei Millennium üblich, verzögert sich der Release. Momentan ist der 05.12 im Gespräch.

      Eine gute Lösung für Deine Bedürfnisse ist ein DGT Set. Dieses kannst Du problemlos mit einem Smartphone verbinden und per App Schach spielen, analysieren und trainieren. In dem Display des Smartphones hast Du alles direkt im Blick (Stellungsbewertung, Varianten, etc.)

      Solltest Du noch Fragen haben, kannst Du mich auch gerne anrufen.

      Gruß

      Benny

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